Steh freudig auf, geh froh zu Bette,
Doch sieh vorher mein Bildnis an
Und nimm den Ring, die Liebeskette;
Denn obgleich keines reden kann,
So wirst du doch bei ihrem Spielen
Viel Wachstum sanfter Neigung fühlen.
Dein Absehn mußt du wohl verhehlen,
Sprich jeden, der mir Gutes gönnt,
Und laß dir stets von mir erzählen
Und liebe das, was mich nur kennt;
Durchblättre mein Vers' und Lieder
Und sing' und leg' und lies sie wieder!
Geh täglich in des Herren Tempel,
Die Andacht kommt der Liebe bei;
Das Altertum hat viel Exempel
Verliebter Lust und seltner Treu.
Bemüh dich drum und lies und merke,
Wie zärtlich dich ihr Beispiel stärke.
Laß weder Post noch Boten säumen
Und miß Papier und Silben nicht,
Erzähle mir aus allen Träumen,
Ihr Schatten gibt den Klugen Licht;
Und ist dir aller Zeug benommen,
So schreib mir stets ums Wiederkommen!
Leg' alles, was ich schriftlich sende,
Ohn' Argwohn auf dein Vorteil aus;
Betrachte wohl den Zug der Hände,
Und suche vor das L. heraus,
Ja, halt' ein jegliches Gerüchte
Von meiner Untreu' vor Gedichte.
Es braucht kein häufiges Geschwätze,
Denn liebst du recht, so liebst du klug;
Ich geb' und halt' auch die Gesetze.
Kind! gute Nacht! Du hast genug.
Soll etwas mir dein Bild entführen,
So muß ich vor mein Herz verlieren.
[Trennungslied]
An seine Leonore
Bist du denn noch Leonore,
Der so manch verliebter Schwur
(Sinne nach, bei welchem Tore!)
Unter Kuß und Schmerz entfuhr,
Ach, so nimm die stummen Lieder
Eben noch mit dieser Hand,
Die mir ehmals Herz und Glieder
Mit der stärksten Reizung band.
Durch dein sehnliches Entbehren
Werd' ich vor den Jahren grau,
Und der Zufluß meiner Zähren
Mehrt schon lange Reif und Tau;
Meine Schwachheit, mein Verbleichen
Und die Brust, so stündlich lechzt,
Wird des Kummers Siegeszeichen,
Der aus unsrer Trennung wächst.
Lust und Mut und Geist zum Dichten,
Feuer, Tugend, Ruhm und Fleiß
Suchen mit Gewalt zu flüchten
Und verlieren ihren Preis,
Weil der Zunder deiner Küsse
Meinen Trieb nicht mehr erweckt,
Und die Führung harter Schlüsse
Ein betrübtes Ziel gesteckt.