Aller Bilder meiner Sinnen
Sind mir Ekel und Verdruß,
Da sie nichts als Gram gewinnen,
Weil ich dich noch suchen muß;
Nichts ergötzt mich mehr auf Erden
Als das Weinen in der Nacht,
Wenn es unter viel Beschwerden
Dein Gedächtnis munter macht.

Jedes Blatt von deinen Händen
Ist ein Blatt voll Klag' und Weh',
Und ich kann es niemals wenden,
Daß kein Stich ans Herze geh';
Die Versichrung leerer Zeilen
Gibt den Leibern wenig Kraft,
Welche Luft und Ort zerteilen.
O bedrängte Leidenschaft!

[Er gibt Leonoren ihr Wort zurück]

Mein Kummer weint allein um dich,
Mit mir ist's so verloren,
Die Umständ' überweisen mich,
Ich sei zur Not geboren.
Ach, spare Seufzer, Wunsch und Flehn,
Du wirst mich wohl nicht wiedersehn
Als etwan in den Auen,
Die Glaub' und Hoffnung schauen.

Vor diesem, da mir Fleiß und Kunst
Auf künftig Glücke blühte,
Und mancher sich um Günthers Gunst
Schon zum voraus bemühte,
Da dacht' ich, wider Feind und Neid
Die Palmen der Beständigkeit
Mit selbst erworbnem Segen
Dir noch in Schoß zu legen.

Der gute Vorsatz geht in Wind;
Ich soll im Staube liegen
Und als das ärmste Findelkind
Mich unter Leuten schmiegen;
Man läßt mich nicht, man stößt mich gar
Noch stündlich tiefer in Gefahr
Und sucht mein schönstes Leben
Der Marter preiszugeben.

So wird auch wohl mein Alter sein!
Ich bin des Klagens müde
Und mag nichts mehr gen Himmel schrein
Als: Herr, nun laß im Friede!
Kraft, Mut und Jugend sind fast hin,
Daher ich nicht mehr fähig bin,
Durch auserles'ne Sachen
Mir Gut und Ruhm zu machen.

Nimm also, liebstes Kind, dein Herz,
O schweres Wort, zurücke
Und kehre dich an keinen Schmerz,
Womit ich's wiederschicke;
Es ist zu edel und zu treu,
Als daß es mein Gefährte sei
Und wegen fremder Plage
Sein eignes Heil verschlage.

Du kannst dir durch dies teure Pfand
Was Köstlichers erwerben,
Mir mehrt es nur den Jammerstand
Und läßt mich schwerer sterben;
Denn weil du mich so zärtlich liebst,
Und alles vor mein Wohlsein gibst,
So fühl' ich halbe Leiche
Auch zweifach scharfe Streiche.