Ich schwur vor diesem: nur der Tod,
Sonst soll uns wohl nichts trennen,
Verzeih' es jetzo meiner Not,
Die kann ich dir nicht gönnen;
Ich liebe dich zu rein und scharf,
Als daß ich noch begehren darf,
Daß Lorchen auf der Erde
Durch mich zur Witwen werde.
So brich nur Bild und Ring entzwei
Und laß die Briefe lodern,
Ich gebe dich dem ersten frei
Und habe nichts zu fodern;
Es küsse dich ein andrer Mann,
Der zwar nicht treuer küssen kann,
Jedoch mit größerm Glücke
Dein würdig Brautkleid schmücke.
Vergiß mich stets und schlag mein Bild
Von nun an aus dem Sinne,
Mein letztes Wünschen ist erfüllt,
Wofern ich dies gewinne,
Daß mit der Zeit noch jemand spricht:
Wenn Philimen die Ketten bricht,
So sind's nicht Falschheitstriebe,
Er haßt sie nur aus Liebe.
[Leonorens Antwort]
Ach, liebster Schatz, verdient mein Herz
So hart versucht zu werden?
Es leidet ja wohl anderwärts
Vorhin genug Beschwerden,
Und dennoch fehlt ihm niemals Lust,
Erlaub' ihm nur in deiner Brust
Auf kurz genoss'ne Freuden
Die Ehre, mit zu leiden.
Ich hab' es ja nur dir geschenkt,
Nicht aber deinem Glücke,
Du irrst dich, wo dein Argwohn denkt,
Ich fluche dem Geschicke.
Ich weine zwar, doch bloß um dich,
Der Trost ist stark genug vor mich,
Wenn Philimen erkennet
Wie rein die Flamme brennet.
Auch mir hat ja wohl die Natur
Kein Holz vor Fleisch gegeben;
Dein Umgang half mir auf die Spur,
Der Weisheit nachzustreben.
Du hältst mich schwächer, als ich bin,
Ich schleiche zwar in Einfalt hin,
Doch weiß ich Lust und Plagen
Schon mit Vernunft zu tragen.
Ich bin auch zärtlich, wie du weißt,
Ich zittre bei den Schlägen;
Besinnt sich aber nur mein Geist,
Ich leide deinetwegen:
So bin ich tapfrer als ein Weib,
Es koste Güter, Ruh' und Leib;
Ich will mich allen Fällen
Beherzt entgegenstellen.
Kein andrer traut mir freilich zu,
Du kannst und mußt es glauben,
Nichts soll mir meine Seelenruh
In deiner Liebe rauben.
Bedenk es selbst, was macht ein Kuß,
Den oft die Unschuld leiden muß?
Ich kann's gleichwohl nicht wagen,
Dir einen zu vertragen.
Bleib, wo, wie lang und wer du willst,
Nur lieb' und bleib' mein eigen:
So wenig du auch jetzo giltst,
So plötzlich kannst du steigen;
Gesetzt, es sei dir nichts beschert,
Ach, halt mich deines Elends wert;
Ich will mit viel Vergnügen
Bei dir in Hütten liegen.