Wenn man Weinstöcke an einem Gebäude oder an einer Wand anpflanzen will, so muß man die Morgen- oder Mittags-Seite dazu wählen. In warmen Sommern und Herbsten gedeihen sie auch auf der Abend-Seite; bei sehr günstiger Witterung sogar auch auf der Nacht-Seite, zumal wenn man den Stock mit seinen Wurzeln auf die Morgen-Seite setzt, und die Reben nachher um die Ecken des Gebäudes herum auf die Nacht-Seite zieht. Bringt man aber die Wurzeln auf die Nacht-Seite, so ist’s gut, wenn man den Erdboden, wo die Wurzeln liegen, oben 2 Finger breit mit Pferdemist oder Sand bedeckt; beides hält die Kälte ab und vermehrt die Wärme des Bodens; und darauf kommt es beim Weine vorzüglich an, daß der Boden, wo die Wurzeln liegen, recht erwärmt wird; es fördert sein Wachsthum und bringt ihn zeitig zur Reife, obschon der obere Theil des Stockes nicht so viel Sonne hat. Auch muß man beim Setzen der Stöcke auf der Nacht-Seite die Erde, womit die Wurzeln bedeckt werden, reichlich mit Sand vermischen, und den obern Theil des Bodens so einrichten, daß nicht zu viel Wasser darauf stehen bleibt. Es läßt sich aber leicht denken, daß die Nacht-Seite eines solchen Gebäudes auch ganz frei seyn muß, und daß sowohl in der Nähe als auch selbst in weiterer Entfernung kein Baum oder sonst ein anderer Gegenstand stehen darf, welche den früh und Abends dahin fallenden Sonnenstrahlen den Zugang verhindern, und den Weinstöcken Licht und Wärme entziehen würden, die dieselben hier noch weniger als auf der Morgen-, Mittags- und Abend-Seite entbehren können. Jedoch muß man von den, auf der Nacht-Seite stehenden Stöcken nie den großen Nutzen erwarten, welchen man sich von den auf den andern Seiten stehenden Stöcken versprechen kann.

2.
Anpflanzung der Schnittlinge.

Kann man keine Wurzlinge, d. h. Stöcke mit Wurzeln, bekommen, so nimmt man Schnittlinge, d. h. die im Herbste beim Beschneiden vom Stocke abgeschnittenen überflüssigen Ruthen, schneidet davon die schwachen Spitzen oben ab, so daß der Schnittling ohngefähr eine Elle lang bleibt. Sollte die Ruthe mehr, als eine Elle gutes starkes Holz haben, so kann man aus derselben zwei und mehr Schnittlinge machen. Es können diese Schnittlinge auch 5 bis 6 Viertel Elle lang seyn; länger aber nicht, weil sonst das Einlegen in die Erde unbequem ist, und viel Raum erfordert. Auch können sie kürzer seyn, als eine Elle. Ich habe welche gelegt, die nur zwei Augen hatten, wovon das eine in die Erde kam und die Wurzeln trieb, das andere über der Erde stand, aus welchem die Ruthe emporschoß. Je kürzer sie aber sind, desto sparsamer wachsen sie.

3.
Zeit der Anpflanzung von Schnittlingen.

Diese Schnittlinge kann man nun gleich im Herbste, sobald sie vom Stocke abgeschnitten sind, in die Erde bringen, dahin, wo der aus denselben entstehende Stock künftig seinen Platz haben soll. Sie können aber auch an einem kühlen, feuchten Orte, z. B. im Grase, mit etwas Gras, Heu oder Stroh bedeckt, mehrere Wochen lang aufbewahrt, und dann von Zeit zu Zeit gesteckt werden. Man kann sie auch bis zum Frühjahre aufbewahren, und dann an Ort und Stelle legen. Dann müssen sie aber in ein Bund zusammen gebunden, eine halbe Elle tief in die Erde gelegt und ganz mit Erde bedeckt werden. Im Frühjahre muß man sie aber zeitig heraus nehmen und verpflanzen, ehe die Augen anfangen zu treiben, sonst kann man dieselben leicht verletzen, und sie erleiden auch durch das Herausnehmen und Weiterpflanzen eine nachtheilige Störung im Wachsthume. Deßhalb ist es am Besten, sie gleich im Herbste einzeln an Ort und Stelle zu bringen. Manche rathen an, diese Schnittlinge erst 8 bis 14 Tage in laues Wasser zu werfen, ehe man sie pflanzt. Ich habe das mit einigen gethan, mit andern nicht, und es wuchs die eine Art so gut, wie die andere.

4.
Art des Legens der Schnittlinge.

Zum Legen der Schnittlinge mache man eine Grube oder einen Graben längs des Gebäudes, eine halbe Elle breit und eben so tief, in der Richtung, daß nachher das vom Dache herabfließende Regen-Wasser gerade auf die Grube fällt. In diese Grube lege man nun die Schnittlinge, und beuge das obere Ende aufwärts, daß es mit einem Auge aus der Erde hervorragt, wenn die Grube zugeschüttet ist, und die obere Spitze des Schnittlings nach dem Gebäude schräg hin zeigt. Man muß die empor gebogene Spitze mit einem in die Erde gesteckten Häkchen oder einer Gabel befestigen, damit sie ihre Richtung behält. Das zweite Auge muß so zu stehen kommen, daß beim Zuschütten der Grube einen bis zwei Finger breit Erde darauf zu liegen kommt. Sollte das obere Auge zu Schaden kommen, so schafft man die wenige Erde vom zweiten hinweg, daß dieses die Ruthe treiben kann. Bleibt aber das obere Auge unverletzt, so läßt man das zweite in der Erde, damit es die Wurzel vermehren hilft; denn alle in der Erde liegende Augen treiben Wurzeln. Sollte das zweite Auge aus der Erde emportreiben, so kann man es wachsen lassen; man bekommt alsdann zwei Ruthen an diesem Stocke. Ich lasse es aber gewöhnlich nicht zu, sondern beuge es sanft um und bedecke es mit Erde, daß es unter- oder seit-wärts gehen und Wurzeln treiben muß; die eine Ruthe wird alsdann kräftiger. Nur muß man sie wohl in Acht nehmen; denn wird sie abgebrochen, so ist leicht der Stock verloren, da sie nur selten noch einmal und nie so stark wieder treibt. In dieser Hinsicht wäre es freilich besser, zwei Ruthen zu lassen. Wenn dann die eine verloren ginge, so bliebe doch noch die andere. Man thut dieß aber bei Schnittlingen nicht gern, weil sie noch zu wenig Kraft zur Ernährung zweier Ruthen haben. Man verwahrt lieber die eine Ruthe so, daß sie nicht beschädigt werden kann.

5.
Raum der Schnittlinge.

Eine Spanne weit von der empor gebogenen Spitze des ersten Schnittlings kann nun schon wieder der zweite eingelegt werden, dessen oberes Ende man wieder eben so umbeugt, und mit einem Haken befestigt, und eine Spanne von diesem der dritte, und so fort der vierte, fünfte u. s. w., bis der ganze Graben der Länge nach voll ist. Auf diese Weise kommen die Stöcke eine bis zwei Ellen weit zu stehen. -- Ich weiß wohl, daß Manche sagen, dieß sey zu enge, ein Weinstock brauche einen Raum von 8 Ellen. Allein es können 10 Jahre vergehen, ehe er diesen Raum gebraucht, und während dieser Zeit wird dann ein großer Theil des Spaliers kahl; da hingegen nach meiner Art zu pflanzen gleich in den ersten zwei Jahren das ganze Spalier grün wird, und im dritten und in den folgenden Jahren überall Trauben hat. Auch lassen sich die dicht stehenden Stöcke, wenn sie größer werden, so behandeln, daß sie alle am Spaliere Raum haben.

Ich lasse nämlich von den vielen Stöcken gleich vom Anfange an den einen höher gehen, als den andern. Auf welche Art ich dieß bewirke, werde ich in der Folge zeigen. Freilich dürfte diese Behandlungsweise nur an hohen Spalieren, bei übersetzten Gebäuden anwendbar seyn; an niederen nicht so gut; an solchen müßte man sie allerdings etwas weiter auseinander pflanzen. Da nun die Weinstöcke, gleich allen anderen Bäumen, von Jahr zu Jahr höher gehen, so daß das alte kahle Holz unten immer länger wird und die Ruthen immer weiter hinauf kommen, so geschieht es, daß bei Stöcken, welche zu weit auseinander stehen, unten am Spaliere bloß kahles, blätterloses Holz zu sehen ist. Ich bedecke dieses jedesmal mit den niedrig stehenden Ruthen der kurz gehaltenen Stöcke, von denen der eine länger ist, als der andere, und so geschieht es, daß mein Spalier von unten bis oben grün aussieht und Trauben trägt, wodurch natürlich die Anzahl derselben bedeutend vermehrt wird. -- Man macht zwar auch den Einwurf, es hätten diese dichtstehenden Stöcke mit ihren Wurzeln in der Erde nicht Raum und Frucht genug. Allein meine dichtstehenden Stöcke tragen eine Menge Trauben, wie man sie selten an einem Stocke findet, und müssen daher Raum und Frucht genug haben. Sollten sie ja nach Verlauf mehrerer Jahre wegen ihrer Größe nicht mehr Raum genug haben, so ist’s ja auch noch Zeit, einige wieder heraus zu nehmen und weiter zu verpflanzen.