6.
Vom Begießen und Düngen des Weinstockes.
Man muß nur gleich beim Legen der Weinstöcke dafür sorgen, daß solche Frucht haben können. Deßhalb mache ich den Graben zum Einlegen nicht ganz dicht au das Gebäude, sondern ½, auch ¾ Elle weit davon ab, so daß die Traufe mitten auf den Graben, und also auf die Stelle fallen muß, wo die Wurzeln liegen. Beim Zuschütten des Grabens mache ich nach dem Gebäude zu auf die frei gelassene halbe Elle festen Bodens ein schräges Dämmchen, welches das Wasser vom Gebäude ableitet und auf die Wurzeln führt. Auf diese Weise bleibt es an der Wand immer trocken, und wird wenigstens nicht so naß, daß es dem Gebäude schaden könnte. In dieses schräge Dämmchen beuge ich nun gleich beim Legen die Spitzen der Schnittlinge, so daß die Stöcke dicht am Gebäude zu stehen scheinen und an demselben in die Höhe gehen können. -- Auf der andern Seite der Grube mache ich gleich beim Zuschütten ein eben so schräges Dämmchen, daß aber natürlich seine hohe Seite nach Außen haben muß, und so entsteht auf der eine halbe Elle breiten Grube eine Vertiefung, in welcher das Regenwasser und alle andere Flüssigkeiten, die man zur Beförderung des Wachsthums dahin gießt, stehen bleiben und auf die Wurzeln eindringen müssen. Es ist sehr gut, wenn diese Vertiefung um das ganze Gebäude herum wagerecht ist; denn auf diese Weise bekommen alle Stöcke gleiche Frucht. Nur von den Seiten des Gebäudes nach den Giebeln zu mache ich die Vertiefung etwas schräg, damit die sonst an den Seiten sich vermehrende Traufe nach den Giebeln fließt, wo gewöhnlich, besonders am Morgengiebel, weniger Regen hinkommt. Sollte bei anhaltendem Regen des Wassers in der Vertiefung zu viel werden, so darf man nur in das Dämmchen an der Außenseite eine kleine Oeffnung machen, um es abfließen zu lassen. Stehen aber die Stöcke auf trockenem sandigen Boden und ist kein Teich oder sonstiger Wasserbehälter in der Nähe, aus welchem sie Frucht ziehen können, so bekommen sie auch nicht leicht zu viel Nässe. -- Ich habe in trockenen Sommern einem Weinspaliere von 24 Ellen Länge jeden Mittwoch und jeden Sonnabend 100 Eimer Wasser gegeben; vorausgesetzt, das solches auf trockenem, sandigen Boden stand. Auf feuchten Boden dürfte natürlich nicht so viel nöthig sein. Bei Stöcken auf solchem Boden bedurfte ich noch nicht der Hälfte Wasser, und dennoch wurden die Trauben eben so gut, als jene. Es kommt auch viel auf das Alter des Stockes an. Ein solcher, der seine Wurzeln schon in der Länge und Tiefe weit ausgebreitet hat, gedeihet oft mit seinen Ruthen und Trauben auch auf sandigem Boden, ohne begossen zu werden. Wenn der Stock an den Spitzen der Ruthen welk wird, nicht mehr treibt, und sogar die Trauben anfangen zu welken, dann ist’s hohe Zeit, ihn zu begießen; besser aber ist’s, man läßt es so weit nicht kommen. Es war dieß bei meinen Stöcken einige Mal der Fall; ich begoß, und sah binnen 24 Stunden, daß die schon ganz hingewelkten Trauben alle wieder frisch wurden. Unterläßt man nun das Gießen nie, so erleidet der Stock keine Störung, und die Trauben kommen zeitig zur Reife. Folgen häufige Regen, so ist natürlich das Gießen nicht nöthig. -- Am liebsten begieße ich mit dem von der Sonne erwärmten Teich- oder Pfützenwasser, besonders solchem, welches recht schlammig ist; denn dadurch erhalten die Stöcke zugleich eine herrliche Düngung; keinen andern Dünger, als solches Schlammwasser gebe ich meinen Stöcken, und sie gedeihen dabei vortrefflich. Mistjauche halte ich für zu scharf. Auch Waschwasser, welches mit Lauge vermischt ist, taugt nichts; wohl aber das Wasser, in welchem die Wäsche gespühlt worden ist, das zwar Seife, doch keine zu starke Lauge enthält. In Ermangelung solchen Wassers habe ich aber auch bei großer Trockenheit meine Stöcke mit kaltem Brunnenwasser begossen, um zu sehen, ob es ihnen schaden würde; habe aber keinen Nachtheil gefunden. Doch ist ihnen jenes dienlicher, als dieses. Beim öfteren Begießen geschieht es nun, daß die Grube verschlämmt, und nicht mehr die gehörige wagerechte Richtung behält; diese muß man dann immer wieder herzustellen suchen. Weil nun in der Grube zwar die Wurzeln des Stockes liegen, er selbst aber nicht aus derselben hervorragt, sondern in das Dämmchen an der Wand geleitet ist, so läßt sich dieses auch mit einer Schippe ganz bequem machen; denn so breit ist gewöhnlich an meinen Weinspalieren die Grube, daß ich mit einer solchen darin hinfahren kann, so daß sie einem glatten Fußsteige ähnlich sieht, auf welchem man sehr bequem um das Spalier herumgehen kann. Was aus der Grube geräumt wird, werfe ich auf das Dämmchen an der Mauer; dadurch wird es in gutem Stande erhalten und die in demselben liegenden Thauwurzeln bekommen zugleich eine herrliche Düngung, denn es ist ja größtentheils hineingespühlter Schlamm. Häuft sich derselbe zu sehr an, so verstärke ich damit auch das Dämmchen an der Außenseite. Außerdem aber bediene ich mich zur Verstärkung desselben anderer Erde, wenn es nöthig seyn sollte.
7.
Das Setzen der Schnittlinge mit dem Pfahl-Eisen.
Die oben erwähnten Schnittlinge können auch noch auf eine andere Art gesteckt werden. Wenn man nämlich einen Ort hat, wo man nicht gern einen solchen Graben machen will und kann, und der Boden an sich schon nicht zu fest ist, so nimmt man einen Pfahl oder ein Pfahl-Eisen, stößt damit ein Loch senkrecht so tief, als der Schnittling lang ist, stellt alsdann denselben hinein, doch so, daß das obere Auge heraussteht und das andere einen bis zwei Finger breit tief in die Erde kommt. Sind es mehrere Schnittlinge, die ein längeres Spalier bilden sollen, so kann man auch den Löchern gleich mit dem Pfahle oder Pfahl-Eisen oben eine schräge Richtung, nach dem innern Dämmchen zu, geben, um nachher beim Setzen das obere Ende des Schnittlings eben dieser Richtung fähig zu machen. Auch hier versteht sich das Anheften mit einem Häkchen von selbst. Nun nimmt man gute klare Erde, und reibt dieselbe langsam zwischen beiden Händen über dem Loche, bis dasselbe mit Erde angefüllt ist. Ein Andrücken derselben ist hier nicht nöthig, könnte sogar den sämmtlich aufwärts stehenden Augen schädlich werden; es wird dieselbe durch das nachherige Begießen von selbst fest, und man muß, wenn es mit der Zeit oben an Erde fehlen sollte, etwas nachfüllen. Die auf diese Art gepflanzten Stöcke halten bei trockener Witterung lange aus, da ihre unteren Wurzeln tief in die feuchte Erde hinunter treiben. Bei ganz hartem festen Boden dürfte jedoch diese Art der Anpflanzung nicht anwendbar seyn. Daß auch hier des Begießens wegen oben an den Stöcken eine mit Dämmchen umgebene Vertiefung bleiben muß, versteht sich von selbst. Ich kann diese Art der Anpflanzung um so mehr empfehlen, da ich sie mehrere Jahre lang erprobt und gut befunden habe.
8.
Vom Begießen und ersten Beschneiden der Schnittlinge.
Eine Hauptsache ist nun, daß solche Schnittlinge, sie mögen auf diese oder jene Art gepflanzt worden seyn, besonders im ersten Sommer, immerwährend feucht gehalten werden; alsdann treiben die mehresten schon im ersten Jahre eine Ruthe von 1 bis 2 Ellen. Unterläßt man das Begießen, oder fährt damit nicht regelmäßig fort, so daß sie bald zu naß, bald wieder zu trocken stehen, so wird, besonders wenn wenig Regen fallen sollte, selten einer davon fortkommen. Wer, wegen Mangel an Zeit, nicht oft genug nach seinen Schnittlingen sehen kann, thut wohl, wenn er die an denselben angebrachte Vertiefung zwischen den Dämmchen mit strohigem Kuhmiste, in welchem jedoch wenig Koth hängen darf, anfüllt; unter demselben halt sich natürlich die Feuchtigkeit länger. Es kann derselbe den ganzen Sommer durch liegen bleiben, und immer wieder darauf gegossen werden. Nur muß man vorher erst untersuchen, ob der Boden darunter trocken und also das Begießen nöthig ist. Denn oft ist der obere Theil des Mistes trocken und der untere ist immer noch feucht. Man kann diese Befeuchtungs-Methode überhaupt auch bei allen frischgepflanzten Weinstöcken anwenden. Die Ruthe nun, welche die Schnittlinge im ersten Sommer getrieben haben, muß im nächsten Herbste bis auf 2, höchstens 3 Augen weggeschnitten werden, und das über derselben stehende alte Holz wird ebenfalls glatt und dicht über der Ruthe weggeschnitten. Sollte man einem Schnittlinge zwei Ruthen gelassen haben, so wird die schwächere, wenn sie zu schwach ist, ganz weggeschnitten; im anderen Falle kann man ihr ein Auge lassen, mehr aber nicht.
9.
Vom Anpflanzen der Wurzlinge.
Wenn man Wurzlinge, d. h. Stöcke mit Wurzeln, pflanzen will, so wähle man solche, die nicht zu langes, altes Holz haben, sonst hat man unbequemes Stecken, indem dasselbe bis auf eine Viertel-Elle in die Erde gelegt werden muß; die Stöcke kommen außerdem nicht gut fort, und wenn es auch geschähe, so wachsen sie sparsam, und haben mit demselben ein schlechtes Ansehen, sind auch in wenigen Jahren über das Spalier hinausgewachsen. Die beste Zeit zur Anpflanzung derselben ist, wie bei den Schnittlingen, der Herbst; doch kann es auch im Frühjahre geschehen, aber nur zeitig, ehe die Augen anfangen zu schwellen. Ist die Erde nicht gefroren, so kann man den ganzen Winter über pflanzen. Das an den Wurzlingen befindliche junge Holz, die Ruthe, muß bis auf 2, höchstens 3 Augen, und zwar 2 bis 3 Finger breit über dem dritten Auge, weggeschnitten werden. Sind mehr Ruthen daran, so werden diese ganz dicht am alten Holze weggeschnitten; der Stock hat sonst mehr zu treiben, als er Kraft besitzt, weil er im ersten Jahre mit dem Anwurzeln zu thun hat. Auch die zu langen Wurzeln muß man abkürzen, und beschädigte bis an den Schaden wegschneiden. Sollte der Wurzling mehrere Zweige von altem Holze haben, so zieht man sie auseinander, so daß sie ohngefähr eine bis anderthalb Elle weit von einander zu stehen kommen. Auf diese Weise werden aus einem Stocke zwei bis drei, oft noch mehr, wenn genug kurze und lange Zweige daran sind, daß sie in gehöriger Weite von einander entfernt werden können, und diese Stöcke hängen dann in der Erde an einer gemeinschaftlichen Wurzel, welche sich aber noch dadurch vermehrt, daß alles in der Erde liegende alte Holz Wurzeln treibt, wodurch schon im ersten Sommer jeder Stock seine eigenen Wurzeln bekommt. Man kann auch, wenn der Wurzling zu langes altes Holz haben sollte, dasselbe so weit wegschneiden, daß es nur eine Viertel-Elle aus der Erde hervorragt. Auch dieses alte Holz, ohne eine Ruthe mit Augen, schlägt aus, wiewohl etwas später. Ich habe sogar den unteren Theil des Senkers, an dem ich einige Wurzeln ließ, gesteckt, und mit dem Ende, wo ich den Senker vom Stocke abgeschnitten hatte, aus der Erde hervorgehen lassen, also den Stock verkehrt gesteckt, und die auf diese Art gepflanzten Stöcke wuchsen eben so gut, als die anderen. Die Grube zu den Wurzlingen wird eben so gemacht, wie bei den Schnittlingen. Sollten die Wurzeln groß seyn, so muß dieselbe natürlich etwas breiter werden, wenn nämlich diese so gewachsen und so stark sind, daß man sie nicht gut in der Grube lang hin ziehen kann. Dieß kann leicht der Fall werden, wenn der Wurzling mehrere Zweige an der Stelle hat, wo die Haupt-Wurzel hin zu liegen kommt. Die Wurzeln macht man mit den Händen recht sorgfältig aus einander, und drückt die zuerst darauf geworfene wenige klare Erde etwas mit der Hand und den ausgebreiteten Fingern an sie an, nicht aber mit dem Fuße fest getreten; dieß verwandelt diese lockere weiche Erde leicht in einen, den zarten Wurzeln schädlichen Kloß. Die übrige, zur Ausfüllung der Grube nöthige Erde braucht gar nicht fest getreten zu werden, sie senkt sich mit der Zeit von selbst. Auch bei diesen Wurzlingen muß beim Zuschütten der Grube ebenso verfahren werden, wie bei den Schnittlingen. Es muß nämlich oben auf der Grube eben eine solche Vertiefung bleiben, damit das Wasser stehen bleiben kann. Und auch diese müssen, sowie die Schnittlinge, im ersten Sommer immer feucht gehalten, doch nicht zu häufig begossen werden. Auch müssen sie, gleich jenen, mit den aus der Erde hervorragenden Enden in das an der Mauer gemachte Dämmchen geleitet seyn, damit sie beim Reinigen der Vertiefung kein Hinderniß verursachen. Alle auf diese Art gepflanzten und gepflegten Stöcke wachsen gewiß. Mir ist von mehreren Hunderten, die ich bereits pflanzte, auch nicht ein Einziger eingegangen. Nur Einer fing einst an zu kränkeln und nicht ein Auge kam zum Aufbrechen. Ich ließ ihm Zeit bis nach Pfingsten, begoß fleißig, aber er kam nicht. Nun nahm ich denselben wieder heraus, und fand, daß solcher durch zu vieles Begießen gelitten hatte, denn seine Wurzeln standen gleichsam im Schlamme. Ich schüttelte die nasse Erde von den Wurzeln ab, räumte die Schlamm-Erde aus der Grube heraus und setzte denselben wieder in lockere bloß frische Erde ein. Nach 3 Tagen schwollen die Augen, und er trieb noch in denselben Sommer schöne kräftige Ruthen. -- Dieß möge Jedermann zur Belehrung dienen.
10.
Vom ersten Beschneiden der Wurzlinge.
Die an diesen Wurzlingen im ersten Sommer gewachsenen Ruthen müssen im nächsten Herbste, die schwächsten dicht am Stocke, die stärkeren bis auf 1, die noch stärkeren bis auf 2, und die stärksten bis auf 3 Augen weggeschnitten werden. Dieß ist durchaus nöthig; denn läßt man alles im ersten Sommer gewachsene Holz stehen, so treiben im nächsten Jahre alle daran befindliche Augen nur schwache Ruthen, weil die noch zu geringe Kraft des Stockes sich zu sehr vertheilt; derselbe würde dann in kurzer Zeit einem Dornenbüschchen ähnlich sehen, nie Trauben bringen und wohl gar erkranken und eingehen. Schneidet man aber das überflüssige Holz auf die hier beschriebene Weise ab, so geht im nächsten Jahre die ganze Kraft des Stockes in die wenigen Augen, und treibt einige schöne, starke Ruthen.