[7] S. hatte einige griechische und lateinische Autoren und ich etwas Italienisches in den Tornister gepackt. In Peterswalde fing er an zu lesen, — ich glaube den Florus — und riß, mit mancher drolligen und sarkastischen Bemerkung, ein gelesenes Blatt nach dem andern heraus und warf zuletzt die Schale in den Ofen. Diese Prozedur machte er planmäßig mit mehreren Büchern, die ihn weniger interessirten, um nach und nach den Tornister wieder leichter zu machen. Den Homer, Virgil und Horaz brachte er wieder zurück und verschenkte sie an seine Freunde.

[8] Gestern war ich bei Füger &c.

Die damaligen Momente sind mir noch ganz gegenwärtig, und mich dünkt, Seume zeigt hier, daß er nicht so sehr Profaner war, als er auf der ersten Seite selbst sagt. Er hatte für Kunstwerke, besonders nach seiner Zurückkunft aus Italien, einen sehr richtigen Takt, vorzüglich was den Charakter und Ausdruck betrifft. Ich habe seinem Umgange auch in dieser Hinsicht Vieles zu danken. Seine Aeußerungen waren fast immer treffend.

[9] Schnorr hatte als Hausvater billig Bedenken getragen.

Es sei mir hier vergönnt, mit wenig Worten die Gründe anzuführen, durch welche ich bewogen wurde, den Gang nach Italien und Sicilien aufzugeben, und zwar um so mehr, da man hier und da an meinem Muthe gezweifelt haben mochte.

Ich verließ Leipzig mit frohem Gemüthe, mit wahrem Vertrauen auf die Vorsehung. Es kam mir kein Gedanke von Furcht in die Seele, wie es wohl bei Menschen, beseelt von Enthusiasmus für irgend etwas Gutes und bei reiner Absicht, der Fall zu seyn pflegt. Als ich aber in Wien meine Empfehlungsbriefe, besonders die von Weiße (dem Verfasser des Kinderfreundes) an Männer abgab, denen ich besonders als Familienvater an das Herz gelegt worden war, so rieth man mir einstimmig, nicht weiter zu gehen, da so häufig jetzt Straßenräubereien vorgefallen seien. „Wenn wir nun auch nicht annehmen wollen,“ sagte Füger, „daß Sie todtgeschlagen werden; zur Vereitelung Ihres ganzen Endzweckes ist es schon genug, wenn Sie einige Male Ihres Geldes beraubt werden. Mit einem Worte, er rathe mir, dieses Mal meinen Enthusiasmus, Italien und Sicilien zu sehen, zu bekämpfen und als Familienvater ohne alles Vermögen, meine sauer ersparten einige hundert Thaler nicht zu wagen.“

Füger’s Sprache war so herzlich, daß ich, tief gerührt, an Weib und Kinder dachte, und zu bleiben beschloß. Seume konnte dieses selbst nicht mißbilligen; er war zu sehr redlicher Mann und Freund, und völlig bekannt mit meinen Verhältnissen, als daß er egoistisch mir hätte zureden sollen. Die Trennung that uns Beiden weh!!

[10] Jetzt sind alle Wasser so schön und hell &c.

Reines, schönes Wasser war für S. wirklich ein großer Genuß, und wo wir dergleichen trafen, wurde mit Frohsinn geschöpft.

Aus Wein machte er sich in der That nichts, Champagner war noch der einzige Wein, den er liebte.