Wasser war für ihn ein universelles Mittel für Alles: er kurirte selbst den verdorbenen Magen damit, wie er mir in Mähren zu meiner Verwunderung durch folgenden Vorfall bewies.

Wir waren mit vielem Appetit und durchfroren zur Abendmahlzeit im Wirthshause angelangt. Sehr fetter, kalter Schweinsbraten und säuerliches Bier, statt des schlechten Wassers machte unsere ganze Mahlzeit aus. Wir begaben uns darauf in eiskalte Betten zur Ruhe.

Mitten in der Nacht wurde ich plötzlich durch ein ängstliches, lautes Stöhnen und Röcheln aus meinem Schlafe geweckt. Blitzschnell aus dem Bette springen, mit dem Gedanken an Mord meinen Stock ergreifen und nach meines Freundes Bette fliegen, war das Werk eines Augenblicks. Entschlossen auf Tod und Leben erfaßte ich in der tiefsten Finsterniß gewaltsam ein menschliches Wesen und war eben im Begriff zu kämpfen, als sich auf einmal das Räthsel löste — und ich bemerkte, daß ich Seume’n selbst gefaßt hatte. Die ganze Mordgeschichte endigte sich mit Lachen.

So wie wir des Morgens das Haus verließen, griff S., trotz meinen Vorstellungen, nach reinem Schnee, bis wir Wasser fanden, hungerte und genas.

S. war bis in sein vierundvierzigstes Jahr, bis nach seiner letzten Zurückkunft aus Rußland, ohngeachtet der vielen Strapazen, in seinem Leben nie krank gewesen, als sich nachher bei ihm ein Uebel nach dem andern entwickelte, welche besonders durch Mangel an Bewegung befördert wurden. Dem Letzteren wurde er durch das häufige Vertreten seines durch eine frühere Kontusion geschwächten linken Fußes ausgesetzt, wohin sich nach und nach eine stärkere Geschwulst zog.

Auch glaube ich, daß ihm die häufigen Einladungen an reichbesetzte Tafeln im Kontrast seiner gewohnten, einfachen Lebensweise Schaden gethan haben.

[11] Lilybaeum. Liv. 23, 41. (Clodius.)

[12] Wer kann hier beschreiben? &c.

S. hatte in seinem Leben viel Musik gehört, liebte sie — besonders die Vokalmusik, und sein Urtheil darüber war voll richtiger Empfindung.

Aber keine Musik ergriff ihn so gewaltig, als die Ouverture aus Benda’s „Ariadne auf Naxos.“ Und war er auch durch Weltereignisse und zuletzt durch seine Krankheit noch so mißgestimmt, und er hörte diese Musik gut vortragen, so gerieth sein Innerstes in frohen Aufruhr, und sein Geist erhob sich über alles Irdische und Kleinliche dieser Erde. Sein Auge strahlte hohe Freude und sein Ausdruck sprach eine hohe Ahnung eines unsterblichen, ewigen Wesens aus.