Es ist kein Zweifel, dass auch ein Hund, wenn man ihm nur das Vermögen der Sprache und Schrift beibringen könnte, und die Nicolaische Unverschämtheit und das Nicolaische Lebensalter ihm garantiren könnte, mit demselben Erfolge arbeiten würde, als unser Held. Möchte man sich immer anfangs an seiner Hundenatur stossen, wie man sich eben auch an die Nicolainatur unseres Helden stiess. Wenn er sich nur nicht irre und schüchtern machen liesse, dieser Hund, wenn er nur das Gesagte immer wieder sagte und fest dabei bliebe, und unermüdet schrie und schriebe, er habe doch recht, und alle Andern hätten unrecht; wenn er sich wohl gar noch durch den Gedanken begeistern liesse, und sich damit brüstete, dass er schon als ein blosser unstudirter Hund dies einsähe, wie Nicolai sich auch immer damit gebrüstet, dass er als ein unstudirter Bürgersmann alles dies wisse: so wäre uns gar nicht bange, dass nicht dieser Hund sich einen sehr verbreiteten Einfluss verschaffen sollte. Seine Theorien würden das Zeitalter ergreifen, ohne dass man sich eben erinnerte, dass sie von unserem Hunde herkämen; es würde eine Aesthetik entstehen, nach welcher jeder Spitz die Schönheit einer Emilia Galotti kunstmässig zerlegen, und die Fehler in Herrmann und Dorothea so fertig nachweisen könnte, als es jetzt nur Gottfried Merkel vermag; und die Bibel würde endlich von allem noch übrigen Aberglauben gereinigt und so ausgelegt werden, wie ein aufgeklärter Pudel sie verständig finden, und wie er selbst sie geschrieben haben könnte.

Anmerkung.

[16] Der Leser kann die in der dritten Beilage gelieferte Charakteristik des Geistes der deutschen Bibliothek zugleich für eine solche Nachweisung nehmen.

Erste Beilage.
(Zur Einleitung.)

Angriffe Nicolai’s auf die persönliche Ehre und den Charakter des Verfassers enthalten die folgenden Stellen:

1.

Nachdem Nicolai die Herren Schelling und Schlegel beschuldigt, dass sie günstige Beurtheilungen ihrer Schriften in die Jenaische Literaturzeitung zu bringen gesucht, fährt er (S. 159. der oben angeführten Anzeige) so fort: „Es ist der Schule der Ich-Philosophen schon länger“ (dem Zusammenhange nach früher, ehe die obengenannten gethan, dessen Nicolai sie beschuldigt, und ehe sie zu dieser Schule zu rechnen gewesen) „eigen gewesen, dass sie, wenn es nicht anders zu beschaffen war“ (welch ekelhaftes Geschäft, dergleichen Schreiberei abschreiben zu müssen!), „für ihren transscendentalen Idealismus Anpreisung zu erschleichen suchte. Sie affectirten zwar bei aller Gelegenheit, die allgemeine deutsche Bibliothek zu verachten, aber arbeiteten nicht wenig unter der Hand, sie sich geneigt zu machen (1). Sie versuchten Mitarbeiter anzubieten, welche eben Herrn Fichte’s Schule verlassen hatten, und da dieses nicht ging, so (2) suchten sie durch einen Mitarbeiter der allgemeinen deutschen Bibliothek, der gar nicht im philosophischen Fache arbeitete, unverlangt solche Recensionen einzuschicken, wie sie ihren Absichten dienten, die, wie allenfalls durch gewisse Kennzeichen zu zeigen wäre, aus Jena kamen. Die damalige Direction der neuen deutschen Bibliothek war auf solchen unartigen Schleifweg nicht gleich aufmerksam genug u. s. w. (3). Man sahe nun also wirklich in der neuen deutschen Bibliothek XVIII. B. S. 355. eine solche heimlich eingeschwärzte Recension von Fichte’s Grundriss der gesammten Wissenschaftslehre, in welcher ein in die allgemeine deutsche Bibliothek sich unverlangt eingeschlichener Fichtianer schlau so anhebt“ u. s. w.

Wer sind denn diese Sie aus der ichphilosophischen Schule (der verständige Leser verzeiht mir wohl, dass ich, sowohl hier als im folgenden, um der Kürze willen, die Ausdrücke dieses Schulmeisters beibehalte, der allenthalben nur Schulen erblickt, so innig auch mir diese Ausdrücke zuwider sind), wer sind, sage ich, diese Sie, die früher noch, als Schelling an dieser Art des Philosophirens öffentlich Theil nahm, früher, als jene Recension des Fichteschen Grundrisses eingeschwärzt wurde, — der erste Streich, nach Herrn Nicolai, der ihnen gelang, — offenbar um ein beträchtliches früher, denn durch die vorhergegangenen vereitelten Machinationen müssen sie doch auch Zeit verloren haben — welche, sage ich, zu dieser Zeit das thaten, dessen Nicolai sie unter (1) und (2) beschuldigt; diese Sie von der Ichschule, die damals die allgemeine deutsche Bibliothek zu verachten affectirten, — ohne Zweifel öffentlich, da ihre entgegengesetzten Bestrebungen unter der Hand geschahen, in öffentlichen Schriften also (wie könnte auch sonst Nicolai um jene Affectationen wissen?), diese Sie also, die schon damals in öffentlichen Schriften sich als Ichphilosophen zeigten? Wer können sie seyn, diese Sie? Weiss Nicolai aus diesem Zeitalter irgend einen Schriftsteller mir zu nennen, der sich für das System der Wissenschaftslehre erklärt hätte, ausser mir selbst? Kann er aus jenem Zeitpuncte irgend jemand zu seiner Ichschule rechnen, ausser mir und meinen Zuhörern, deren keiner Schriftsteller war, und die wohl nur durch mich literarische Connexionen hätten erhalten können?

Will etwa Nicolai insinuiren, dass ich an der Spitze der vorgegebenen geheimen Machinationen gestanden, oder wenigstens an ihnen Theil genommen? Das muss er wohl wollen; denn seine Beschuldigung muss doch irgend jemanden treffen sollen; sie muss doch einen von den früher genannten und angegriffenen Männern treffen sollen, und da sie die anderen, den Herrn Prof. Schelling, die beiden Schlegel, Herrn Tieck nicht treffen soll, indem das Factum in eine frühere Zeit gesetzt wird, — sie muss den einzigen, welcher noch übrig bleibt, sie muss mich treffen sollen. Auf mich wird sie auch jeder Leser, der die Stelle in ihrem Zusammenhange liest, beziehen. Dies musste Nicolai vorhersehen; und da er es vorhersah, und doch redete, wie er geredet hat, musste er beabsichtigen, dass es geschehen möchte. Oder, wollte er nicht, dass jene Beschuldigung auf mich bezogen würde, wollte er nur überhaupt in das blaue Feld hin, so dass kein bestimmter Mensch getroffen würde, beschuldigen, so musste er ausdrücklich erklären, dass er mich nicht meine, dass er keinen Grund habe zu glauben, dass ich für meine Person an jenem Getreibe Theil genommen, von demselben gewusst habe und dergleichen.

Dies hat Nicolai nicht gethan; er hat sonach gewollt, dass die Beschuldigung auf mich bezogen werde.