2) Kann man umhin, anzunehmen, dass diese Verdrehung nicht aus Irrthum, sondern mit gutem Wissen und Bedacht gemacht worden, wenn der Verfasser seinen Zweck, eine dem Gegner gemachte Beschuldigung (die des Atheismus) als gegründet zu erweisen, gleich von vornherein angiebt, und wenn dieser Zweck nur durch dieses Mittel zu erreichen ist?
3) Wie würde man ein ähnliches Benehmen im bürgerlichen Leben nennen? Wenn ich z. B. im Gespräche gesagt hätte: wenn Nicolai nicht ein grundschiefer und zerrütteter Kopf ist, so ist er ein hämischer Bösewicht: und Nicolai hätte mehr zu bedeuten, als er hat, und es ginge einer zu ihm, und erzählte ihm, ich, Fichte, habe gesagt, er, Nicolai, sey ein hämischer Bösewicht; und dieser Erzähler thäte es in der laut zugestandenen Absicht, einer Anklage, durch welche ein unauslöschliches Brandmal auf meinen Charakter gebracht werden sollte, und durch deren Erfolg ich aus meiner Laufbahn geworfen worden, die öffentliche Beistimmung zu verschaffen: würde man dieses Benehmen anders bezeichnen können, ausser durch die Benennung der Lüge, der Schurkerei und Büberei?
4) Ist die Anfrage: im bürgerlichen Leben nennt man dies Schurkerei, Büberei, Lüge, wie soll man es in der Literatur nennen? — gleich dem Satze: man soll es in der Literatur ebenso nennen, und ich will es hiermit also genannt haben? Zwar bin ich, damit nicht etwa jemand glaube, dass ich mich zurückziehen wolle, ich bin allerdings der Ueberzeugung, dass man es auch in der Literatur so nennen solle, wenn es nur über literarische Rechtlichkeit eine ebenso befestigte und verbreitete allgemeine Meinung gäbe, wie über bürgerliche Ehre. Ich bin allerdings der Ueberzeugung, und scheue mich nicht, es laut zu erklären, dass dieser Herr Heusinger sehr nichtswürdig gehandelt hat.
5) Nicolai’s Betragen, der, wenn er nicht von so immensem Gedächtnisse ist, dass er darin sogar die Seitenzahlen unseres philosophischen Journals gegenwärtig hat, die oben angeführte Stelle, welche er richtig citirt, aufgeschlagen und vor Augen haben musste, und dennoch fähig war niederzuschreiben: ich habe darüber, dass ein Gegner mir gezeigt, was aus meinen Sätzen folge, von Schurkerei und Büberei gesprochen, — dieses Betragen Nicolai’s zu beurtheilen und zu benennen, überlasse ich ganz allein dem ehrliebenden Leser.
Soviel über diese ehrenrührigen Angriffe Nicolai’s, die auf erdichtete Thatsachen sich gründen. Was er (S. 154 u. S. 177) über mein Benehmen bei der Niederlegung meines Lehramtes an der Universität Jena urtheilt, übergehe ich mit Stillschweigen, indem er hierin wenigstens nicht offenbar falsche Thatsachen erdichtet, obgleich er mir Empfindungen und Gesinnungen zuschreibt, welche nie die meinigen waren. Das Urtheil eines Nicolai ist mir zu unbedeutend und zu verächtlich, als dass ich mich dagegen vertheidigen oder annehmen sollte, dass irgend jemand, an dessen Achtung mir liegen könnte, dieses Urtheil theilte. Es dürfte vielleicht, ausser dem, was über jene Sache bekannt worden, noch andere Umstände geben, die da unbekannt geblieben, und welche mein Betragen dabei in ein anderes Licht stellen würden, als dasjenige ist, in welchem Nicolai zweckmässig findet, dieses Betragen erscheinen zu lassen; aber Nicolai gerade ist der letzte, der über diese Dinge mich zur Rede bringen soll.
[17] Und wie könnte ich anders, als sie verachten, von der Seite ihres Geistes versteht sich, diese Recensenten, denen nicht einmal der Nicolaische Kunsttrieb zu Theil wurde, miszuverstehen, zu verdrehen, und sodann sich das Ansehen zu geben, als ob sie widerlegten; sondern die sich geradezu hinstellen, bekennen und bejammern, wie der Schulknabe, der seine Lection aufsagen soll, und sie nicht gelernt hat, dass sie das Vorgebrachte denn doch gar nicht verstehen und klar kriegen könnten; dass philosophische Schriften denn doch zum allerwenigsten so deutlich seyn sollten, dass sie von Philosophen (sie sind wohl auch welche, diese Recensenten? ein Philosoph ist wohl ein Mensch, der im philosophischen Fache an der A. D. B. recensirt?), dass sie, sage ich, von Philosophen verstanden werden könnten; die denn doch bei alle dem ihre Abneigung gegen das, was sie nicht zu verstehen bekennen, nicht bergen können, und zuletzt mit dem Troste für ihren Redacteur, ihre Leser und sich selbst, abtreten, dass noch zeitig genug die Zeit kommen werde, da diese verzweifelte neueste Philosophie widerlegt seyn werde; diese Recensenten, mit deren Belesenheit es so beschaffen ist, dass sie aus Citaten Druckfehler abdrucken lassen, und sich hinterher über den sonderbaren Ausdruck verwundern. So lässt neulich einer aus Heydenreichs Vesta unbefangen folgenden Satz als den meinigen abdrucken: „Das eheliche Verhältniss ist die von der Natur geforderte Masse (Weise steht in meinem Texte, m. s. mein Naturrecht Bd. III. 316. [2. Th. 174]) des erwachsenen Menschen von beiden Geschlechtern zu existiren.“ Allerdings eine sonderbare Art sich auszudrücken, ruft der Recensent in einer Parenthese aus.
Jeder, der in den neuesten Stücken der N. D. B. unter den philosophischen Recensionen herumblättern will, wird auf die oben angeführten Aeusserungen stossen.
Nun wird zwar Nicolai, der bei der Wiederübernehmung der Herausgabe jener Bibliothek die bisherigen Recensenten beizubehalten verspricht (auch nimmermehr andere bekommen würde), versichern, dass jene Recensenten unter die ersten deutschen Schriftsteller gehörten, wie er dies von dem Recensenten der Schellingschen Weltseele in der Jenaischen Literaturzeitung versichert, und wohl gar so grossmüthig seyn, sich in meine Seele, ebenso wie in Schellings zu schämen, dass ich von diesen Männern spreche, wie von einfältigen Schulknaben; wie ich denn auch allerdings thue.
[18] S. die Vorrede zum XI. Theile seiner Reisebeschreibung.
[19] Sämmtliche Werke Bd. V. S. 394. — Die im Folgenden erwähnte Note ist dort weggelassen worden, als längst vergessenen polemischen Beziehungen angehörig. (Anmerk. des Herausgebers.)