Die bei uns erzogenen und beim Austritte aus den Studirenden des Meisterthums würdig befundenen Regularen haben ohnedies den ersten Anspruch auf die ersten Aemter des Staats, und man könnte auch immerhin den Lehrern, die das Institut beginnen werden, denselben Anspruch ertheilen, den man ihren späteren Zöglingen nicht wird versagen können. Dieser Anspruch und die Fähigkeit, dergleichen Aemter zu bekleiden, werden dadurch ohne Zweifel nicht vermindert, dass der Mann durch einige Jahre Lehramt es zu noch grösserer Gewandtheit in demjenigen wissenschaftlichen Fache, dessen Anwendung im Leben das erledigte Staatsamt fordert, und nebenbei zu grösserer Reife des Alters und der Erfahrung gebracht hat; es wäre vielmehr zu wünschen, dass alle diesen Weg gingen, und das Leben der ersten Bürger in der Regel in die drei Epochen des lernenden, des lehrenden und des ausübenden wissenschaftlichen Künstlers zerfiele. Weit entfernt daher, um die Anstellung ausgetretener Lehrer verlegen zu seyn, müssten wir, wenn wir auch sonst keines Corps der Lehrer bedürften, ein solches schon als Pflanzschule und Repertorium höherer Geschäftsmänner errichten, und bei eintretendem Bedürfnisse aus diesem Behälter zuweilen sogar den, der lieber darin bliebe, herausheben.
Dieses Bedürfniss austretender Lehrer für den Staat und den höheren Geschäftskreis desselben noch abgerechnet, bedarf auch für sich selbst als literarisches Institut solcher Männer. — Es giebt sehr weit von der Wurzel des wissenschaftlichen Systems abliegende, in ein sehr genaues Detail eines Faches gehende Kenntnisse, welche in die allgemeine Encyklopädie und den gewöhnlichen Kreis des Unterrichts an der wissenschaftlichen Schule nicht eingreifen, und ohne deren Kenntniss jemand ein sehr trefflicher Lehrer seyn kann. Doch kann das Bedürfniss auch dieser Kenntniss für Lehrer und Lernende eintreten; es muss daher das Mittel vorhanden seyn, sie irgendwo zu schöpfen. Dies seyen fürs erste die ausgetretenen Lehrer. Vielleicht arbeiten sie ohnedies an einem Werke, in welchem sie ihre individuelle Bildung in das allgemeine Archiv des Buches niederlegen wollen, zu dem ihnen die Musse zu gönnen ist. Nebenbei mögen auch Lehrer und Lernende sich bei ihnen Raths erholen über das, worin sie vorzüglich stark sind; oder auch vorkommenden Falles beide sie um einige Vorlesungen ersuchen, in Gottes Namen über ein orientalisches Wurzelwort, oder die Naturgeschichte eines einzelnen Mooses. Sie sind mit einem Worte Rath und Hülfe der jüngeren bei eintretenden Nothfällen im Wissen sowohl als der Kunst.
Indem sie nun doch nicht mehr eigentliche und ordentliche Lehrer an der Universität, und ihre noch fortdauernden Leistungen nur frei begehrte und frei gewährte Gaben sind, sind sie eine Akademie der Wissenschaft, im modernen (eigentlich französischen) Sinne dieses Wortes; und für die Universitätsangelegenheiten der oben erwähnte Rath der Alten. Mit ihnen tritt bei dergleichen Berathschlagungen das Corps der wirklichen Lehrer, als Rath der ausübenden Lehrer zusammen; daher sind auch die letzteren natürliche Mitglieder der Akademie; und die gesammte Akademie ist, in Beziehung auf die Universität, der Senat derselben, nach den erwähnten beiden Haupttheilen in allen festzusetzenden besonderen Klassen.
Freie Mitglieder der Akademie bleiben auch die zu anderen Staatsämtern beförderten ausgetretenen Lehrer, und sie sind befugt, und, inwiefern es ihre anderen Geschäfte erlauben, ersucht an den Berathschlagungen derselben, als Mitglieder des Rathes der Alten, Theil zu nehmen (und sie werden gebeten werden, welche Decorationen auch sonst ihnen zu Theil geworden seyn dürften, dennoch zuweilen auch unsere Uniform, welche überhaupt jeder Akademiker trägt, mit ihren Personen zu beehren).
In dieser Akademie Schooss bleibt ihnen auch immer, welche Schicksale auch sonst auf ihrer politischen Laufbahn sie betroffen haben möchten, der ehrenvolle Rückzug, und ist ihnen da ein sorgenfreies, geehrtes Alter bereitet, indem der Charakter eines Akademikers character indelebilis wird.
§. 43.
Noch wäre, in derselben Rücksicht, um sichern Rath und Hülfe in jeder literarischen Noth zu finden, eine andere Art von Akademikern, die sogar niemals ordentliche Lehrer gewesen, anzustellen; ich meine jene lebendigen Repertorien der Bücherwelt, und die, welche gross und einzig sind in irgend einer seltenen Wisserei, obwohl sie es niemals zu einer encyklopädischen Einheit der Ansicht ihres Faches, oder zu einer lebendigen Kunst in demselben, gebracht haben, und darum als ordentliche Lehrer für uns nicht taugen. Wir wollen sie nur dazu, dass unser ordentlicher Lehrer diese lebendigen Bücher zuweilen nachschlage; die Klarheit und Kunstmässigkeit wird er dem bei ihm geschöpften Stoffe für die Mittheilung an seine Schüler schon selber geben.
(So starb vor mehreren Jahren zu Jena ein gewisser B.[26], der mehrere Hunderte von Sprachen zu wissen sich rühmte, und von dem andere, auch nicht mit Unrecht, sagten, er besitze keine einzige. Dessenohnerachtet, glaube ich, würde auch der Besitz eines solchen uns wünschenswürdig seyn. Denn falls etwa, wie es denn in der That dergleichen Leute giebt, jemand glaubte, das gesammte menschliche Sprachvermögen sey im Grunde Eins, und die mancherlei besonderen Sprachen seyen nur, nach einem gewissen Naturgesetze, ohne einige Einmischung der Willkür fortschreitende weitere Bestimmungen und Ausbildungen jener Einen Wurzel, und es lasse sich sowohl diese Wurzel, als jenes Naturgesetz finden; und etwa einer unserer Akademiker an die Lösung dieser Aufgabe ginge, so würde diesem aus anderen Gründen nicht füglich anzumuthen seyn, dass er alle Sprachen der Welt wisse; es möchte sie aber neben ihm und für seinen Gebrauch ein solcher B. wissen, der wiederum immer unfähig seyn möchte, ein solches Problem zu denken und sein Wissen für die Lösung desselben zu gebrauchen. — So müssen wir denn den ganzen vorhandenen historischen Schatz aller Wissenschaft bei uns aufzuspeichern suchen, nicht um ihn todt liegen zu lassen, sondern um ihn einst mit organisirendem Geiste zu bearbeiten. Ist dies geschehen, dann wird es Zeit seyn, das caput mortuum wegzuschaffen; bis dahin wollen wir nichts wegwerfen oder verschmähen.)
So ist, nachdem der Theologie der Alleinbesitz der orientalischen Sprachkunde und der der Kirchengeschichte abgenommen worden, kaum zu erwarten, dass beides, bis auf seinen letzten bekannten Detail, in den gesammten encyklopädischen Unterricht der Philologie oder der Geschichte an unserer Kunstschule werde aufgenommen werden; dass wir sonach eines ordentlichen Lehrers der orientalischen Sprachen oder der Kirchengeschichte kaum bedürfen werden. Dennoch müssen immerfort Männer in unserer Mitte seyn, bei welchen jeder, der aus irgend einem Grunde das Bedürfniss hat, über das Encyklopädische hinaus bis zu dem äussersten Detail dieser Fächer fortzugehen, sein durch das blosse Buch nicht also zu befriedigendes Bedürfniss zu befriedigen vermag.
Uebrigens sind diese Anführungen nur als Beispiele zu verstehen. Eine systematische Uebersicht der Summe unserer Bedürfnisse in dieser Rücksicht, so wie die Angabe der bestimmten Männer, die wir zu diesem Behuf für den Anfang mit uns zu vereinigen hätten, werden die Berathschlagungen der oben erwähnten einzelnen Männer und Comités, welche auch über diesen Theil unseres Plans zu instruiren wären, an die Hand geben.