Erst durch die Erlangung des Meisterthums beweist der Regulare seine würdige Benutzung des Instituts, und tritt ein in sein Recht des ersten Anspruchs auf die ersten Würden des Staats. Ganz gleich lässt sich ihm hierin nun einmal nicht setzen der Meister aus den Zugewandten, der uns die nähere Bekanntschaft mit seinem moralischen Charakter und seiner bisherigen sittlichen Aufführung versagt hat. Jedoch auch hierüber das Beste hoffend, und da er denn doch auch der Kunst Meister ist, könnte man ihm den ersten Anspruch da, wo kein Meister aus den Regularen sich gemeldet, zugestehen.
Den Regularen, die etwa in dem Gesuche des Meisterthums durchfielen, so wie Zugewandten, die keinen Anspruch darauf machten, möchte man immerhin den gewöhnlichen Doctorgrad ertheilen, und mögen die empirischen Klassen über die dabei nöthigen Leistungen etwas festsetzen. Ein gewöhnlicher und gemeiner Doctor nemlich ist derjenige, der nicht zugleich auch, wie die früher oben angeführten, Meister ist; und es ist in diesem Falle mit den beiden letzten Buchstaben nicht eigentlich Ernst, indem wirklich Doctor zu seyn nur derjenige vermag, der Meister ist, sondern es ist jenes Wort nur euphemistisch gesetzt, statt doctus, einer der etwas erlernt hat.
Die rechten heissen Meister schlechtweg, und kann man den Doctor weglassen; wiewohl man auch, um den Unterschied noch schärfer zu bezeichnen, die letzten Titular-Doctoren nennen könnte. Die philosophische Klasse hat bei dergleichen Promotionen gar kein Geschäft; denn in ihr selber giebt es nur Meister und Doctor in Vereinigung; um die anderen Klassen aber bekümmert sie sich nur, wenn diese Anspruch auf den Rang des Künstlers machen, dessen diese letzte Art der Doctoren sich bescheidet.
Aus ihnen werden im Staate die subalternen Aemter besetzt. (Man creirte magistros artium, und in den neueren Zeiten, da der Magistertitel in Verachtung gerathen, hat man nur noch den für vornehmer geachteten Doctortitel führen mögen, da es doch offenbar weit mehr bedeutet ein Meister zu seyn, denn ein Lehrer. Wir haben mit jenen magistris artium gar nicht zu thun, da wir keinesweges Künste annehmen, und in denselben etwa bis auf Sieben zählen, sondern nur Eine, die Kunst schlechtweg, und diese zwar als unendlich, kennen; sondern unser Meister ist artis magister schlechtweg, der Kunst Meister, und es ist zu erwarten, dass die, die dieses Namens werth sind, sich seiner nicht schämen werden. Und so mögen sie denn immer Meister, schlechtweg ohne Beisatz und ohne das, auch nur verringernde, Herr, angeredet werden, und sich schreiben: der Kunst Meister.
Vor der Neuerung haben wir uns auch nicht zu fürchten, denn auch andere Universitäten machen Neuerungen, wie die Jenaische, die anfing gar keine magistros artium mehr, sondern nur Doctoren der Philosophie, zu creiren, oder die zu Landshut, die dermalen Doctoren der Aesthetik creirt.
Nun ist dieser gradus magistri dermalen nirgends vorhanden, und wir können uns denselben nicht ertheilen lassen. Ohne Zweifel aber wird das Meisterstück der die Kunstschule anfangenden Lehrer dann geliefert seyn, wenn sie andere Künstler gebildet haben. Indem sie nun mit gutem Gewissen diese für Meister erklären dürfen, erklären sie zugleich sich selbst dafür; sie erhalten den Grad, indem sie ihn ertheilen, und können ihn darum von da an auch führen.)
§. 45.
In allen den erwähnten Aufsätzen, so wie in denen über das Meisterthum und den damit zusammenhängenden tentaminibus wird die deutsche Sprache gebraucht, keinesweges etwa die lateinische. Der in diesem oft angeregten Streite dennoch niemals deutlich ausgesprochene entscheidende Grund ist der:
Lebendige Kunst kann ausgeübt und documentirt werden lediglich in einer Sprache, die nicht schon durch sich den Kreis einengt, sondern in welcher man neu und schöpferisch seyn darf, einer lebendigen, und in welche, als unsere Muttersprache, unser eigenes Leben verwebt ist. Als die Scholastiker in der lateinischen Sprache mit freiem und originellem Denken sich regen wollten, mussten sie eben die Grenzen dieser Sprache erweitern, wodurch es nun nicht mehr dieselbe Sprache blieb, und ihr Latein eigentlich nicht Latein, sondern eine der mehreren im Mittelalter entstehenden neulateinischen Sprachen wurde.
Wir haben für diese freie Regung unsere vortreffliche deutsche Sprache: das Latein studiren wir ausdrücklich als das abgeschlossene Resultat der Sprachbildung eines untergegangenen Volkes, und wir müssen es darum in dieser Abgeschlossenheit lassen.