Einen Theil des fortschreitenden Stoffbuches jedoch müssen wir als ein nothwendiges Glied in unseren Plan aufnehmen, und die regelmässige Fortsetzung desselben organisiren; ich meine die Niederlegung der an unserer Akademie gemachten neuen Entdeckungen für Geschichte und Naturwissenschaft, zu welcher letzteren auch das in der ärztlichen Praxis Entdeckte, das einen wissenschaftlichen Aufschluss über die Natur verspricht, gehört, und wir deswegen auch, ohnerachtet wir die ärztliche Praxis ganz von uns auszuschliessen gedenken, für diesen letzteren Behuf einen, oder etliche Männer unter unseren Akademikern haben müssen. Es ist unsere Pflicht sowohl, als unser Vortheil, dass diese Entdeckungen, sobald sie zu einer bestimmten schriftlichen Relation haltbar genug geworden, nicht innerhalb unserer Gesellschaft bleiben, sondern auch das auswärtige Publicum, das uns ja auch diesen neuen Stoff bearbeiten helfen soll, Kunde davon erhalte. Es müssten drum angelegt werden Jahrbücher der Wissenschaftlichen Entdeckungen an unserer Akademie. Ob der Stoff so reich ausfalle, dass er einer selbstständigen periodischen Schrift bedürfe, oder ob diese Jahrbücher mit dem tiefer unten zu erwähnenden Werke, der Bibliothek der Akademie, vereinigt werden sollten, mag entschieden werden, wenn es an die wirkliche Ausführung geht. So viel ist klar, dass wir kein Bändchen der Fortsetzung solcher Jahrbücher liefern können, wenn wir innerhalb der Zeit nichts Neues entdeckt haben, dass sie somit keinesweges bestimmte Termine ihrer Erscheinung halten können.
§. 65.
Noch ein Hauptgegenstand der Beachtung unserer Akademie ist die Benutzung des ausserhalb unser, und anderwärts fortschreitenden Stoff-, sowie auch Kunstbuches; und die Nutzbarmachung desselben für diejenigen unserer Mitglieder, die wegen anderer Geschäfte nicht Zeit haben aufs blosse Gerathewohl zu lesen (die ausübenden Lehrer und Studirenden), von denjenigen aus uns, die diese Zeit haben (dem Rathe der Alten).
Es ist dazu erforderlich zuvörderst, dass man diesen Fortschritt, d. h. die neu erschienenen Schriften historisch kenne. Für diesen Behuf erscheint nun zu Leipzig der bekannte Messkatalog, als das Verzeichniss ihrer zu Markte gebrachten Waare, dessen Besorgung, wie sich versteht, eine Sache des Verkäufers der Waare ist. Es mochte gut seyn, dass sich fertigere Federn fanden, welche diesen Messkatalog paraphrasirten; doch war und blieb dies immer eine rein mercantilische Sache, zum Dienste des Käufers und Verkäufers; und eine allgemeine Literaturzeitung kann durchaus auf keinen höheren Werth Anspruch machen, als auf den eines Journals des Luxus und der Moden. Dass diese subalternen Handarbeiter durch schlecht unterrichtete Schmeichler sich überreden liessen, sie verwalteten zugleich das Geschäft der Kritik, und dieses lasse sich eben mit der durchaus mercantilischen Rücksicht, den ganzen Messkatalog herunter zu recensiren, vereinigen; dass, nachdem die Meinung einmal entstanden, sogar solche, die da wohl fähig gewesen wären, das Amt der Kritik zu verwalten, sich verleiten liessen, zuweilen ein treffenderes Wort in jenen unwürdigen Context hineinzuwerfen, ist in unseren Tagen eine der ergiebigsten Quellen des literarischen und anderen Verderbens geworden, und es ist darüber auf Handlanger und Unternehmer solcher Paraphrasen des Messkatalogs ein grösseres Maass von Spott gefallen, als sie Kraft hatten, zu verdienen. Da die Liebhaberei unserer Leser noch immer nach dergleichen Literaturzeitungen sich hinzuwenden scheint, und, so viel dem Schreiber dieses bekannt ist, der eigentliche Grund ihrer Verwerflichkeit selten rein ausgesprochen und ins Auge gefasst wird, so sagen wir noch bestimmt, dass dieser unser Entwurf anmuthe, zu begreifen folgendes: dass, wenn auch etwa überhaupt, was wir hier an seinen Ort gestellt seyn lassen, die Zeit sich herausnehmen dürfe, die Zeit zu kritisiren, diese Kritik wenigstens nicht an der Allheit der erscheinenden Bücher, sowie die einzelnen uns unter die Hände fallen, geübt werden könne, indem ein solcher Vorsatz selbst einen absolut unkritischen, unphilosophischen, der Einheit unempfänglichen, planlosen Geist voraussetzt, und nur eine planlose und verworrene Geburt erzeugen kann; sondern dass sie an ganzen Klassen und Arten von Büchern, die nach inneren Kriterien schon vorher unterschieden worden, geübt werden müsse; dass jener Vorsatz, alles aus der Presse Hervorgegangene zu recensiren, offenbar die Rücksicht auf gleiche Gerechtigkeit gegen alle Verleger, als Waarenlieferanten, darthue, wie es denn auch die Verleger sind, welche auf die Vollständigkeit der Literaturzeitungen am meisten dringen, und über Vergewaltigung laut klagen, wenn einer ihrer Artikel unangezeigt geblieben; dass demnach der mercantilische Zweck der wesentliche, den Plan und das Grundgesetz solcher Unternehmungen bestimmende, der kritische aber nur hinterher als Vorwand hinzugekommen ist, und dass man sogar auch darüber sich niemals ernsthaft berathschlagt, ob eine Vereinigung dieser beiden Zwecke auch wohl möglich sey.
Möge wenigstens von unserer Akademie eine solche Verwirrung, welche ihr und der Kunstschule Wesen sogleich im Beginn zerstören würde, fern bleiben!
Uebrigens mag in Gottes Namen, und es wäre dieses sogar höchst rathsam, in der Hauptstadt unserer Monarchie, neben dem Sitze der Akademie, auch eine solche vollständige Paraphrase des Messkatalogs erscheinen; wäre es auch nur darum, um die anderwärts erscheinenden aufgeblasenen Zwitternaturen von unseren weniger unterrichteten Mitbürgern abzuhalten. Es sey dies ein Privatunternehmen eines, etwa des akademischen Buchhändlers. Die Sache ist Handarbeit, welcher der Leipziger unparaphrasirte Messkatalog zur Basis diene. Der Referent versichert als Augenzeuge, dass das Buch wirklich erschienen sey, und er es unter den Augen gehabt habe; das sey sein Titel, so viel koste es, und hierauf lässt er die Inhaltsanzeige und irgend eine Stelle aus dem Buche abdrucken. Ueber die Wahl dieser Stellen, auch etwa über ganz auszulassende Schriften, mag er die Akademie derjenigen Klassen, die ohnedies aus anderen Gründen diese Bücher durchzulaufen haben, befragen dürfen, und wäre diesen eine allgemeine Aufsicht und Censur dieses Messcatalogus, jedem in seinem Fache, zu übertragen. — Halte zu diesem Behuf der Unternehmer sich einige Zugewandte, wiewohl auch ganz unstudirte Kaufmannsbursche das Geschäft versehen könnten.
Was dagegen der Akademie als solcher in Beziehung auf die auswärtige Vermehrung des Buchwesens recht eigentlich zukommen würde, wäre folgendes:
1) Die Mitglieder des Rathes der Alten nehmen, jeder für sein Fach, die durch die letzte Messe erfolgte Vermehrung des Buches für dieses Fach vollständig in Augenschein, welches, wenn die Literatur der Deutschen ihren bisherigen Charakter noch lange behält, grossentheils mit Durchsicht der Inhaltsanzeigen, der Register, der Vorreden, und einigem Durchblättern sich wird abthun lassen. Sollte in dieser Durchsicht dem Einen etwas vor die Augen kommen, das nicht eigentlich zur Competenz seines Faches gehörte, und hier sich nur in dasselbe verloren hätte, so macht er den, in dessen Fach es eigentlich gehört, aufmerksam.
2) Was nun in dieser dermaligen Vermehrung des Buches sich findet als Fortschritt, d. i. als Verbesserung oder Erweiterung des Stoffbuches in diesem Fache, oder auch als Erhöhung des Kunstbuches, nach dem oben angegebenen Maassstabe einer solchen Erhöhung, wird niedergelegt in einem anderen periodischen Werke, welches man Jahrbücher der Fortschritte des Buchwesens, oder auch die Bibliothek der Akademie, nennen könnte. Was blosse Wiederholung des schon Bekannten ist, wird mit Stillschweigen übergangen. Rückfälle in schon widerlegte Irrthümer mögen, falls nemlich zu befürchten wäre, dass ein Mitglied unserer Akademie dadurch geirrt werden könnte, angezeigt werden. Da eine solche Uebersicht ausgeht von der bisherigen Literatur des Faches, die ihre feststehenden Abtheilungen schon haben wird, so kann sie recht füglich an diese, als den Grundleitfaden sich halten, zeigend, wie jeder dieser Theile bereichert worden sey, und so das Buch, wo diese Bereicherung sich vorfindet, auf Veranlassung des Inhalts, keinesweges aber den Inhalt auf Veranlassung des Buches, wie dies die Paraphrase des Messkatalogs thut, anführen.
Bücher, in denen gar nichts Neues steht, ohne dass sie doch auch als eine Auffrischung des bisherigen Buchwesens in diesem Fache gelten könnten, und die daher gar nicht existiren sollten, werden in dieser Bibliothek ganz übergangen. Es würde ganz zweckmässig seyn, dass dergleichen, nach Angabe dieser Referenten in der Bibliothek, die man darüber zu befragen hätte, auch in dem Messkatalog übergangen würden, damit, sowie wir selbst auf die blosse Buchmacherei Verzicht thun, wir auch die Unterstützung der auswärtigen Buchfabriken durch den Ankauf unserer weniger unterrichteten Mitbürger verhindern. Das Publicum wisse, dass es desjenigen, das sogar unser Messkatalog übergeht, sicherlich nicht bedarf.