Diese Form einer organischen Vereinigung der aus lauter verschiedenen Individuen bestehenden Menschheit vermag in ihrer Sphäre die Wissenschaft zu allererst, und dem Kreise der übrigen menschlichen Angelegenheiten lange zuvorkommend, zu realisiren. Als einzelne Republik darum, weil zuvörderst das Interesse, das in dieser Sphäre scheiden, trennen und das zu Vereinigende voneinanderhalten könnte, hier bei weitem nicht so dringend und gebieterisch herrscht, als das der sinnlichen Selbsterhaltung, welches im Gebiete des Staates entzweiet und sich befeindet; sodann weil selber das Element, das die Wissenschaft bearbeitet, die Denkart veredelt und die Selbstsucht schmählich macht. Als ein Verein von Republiken darum, weil alle genau wissen und verstehen, was sie eigentlich wollen; dagegen die politischen Entzweiungen der Völker und weltverheerende Kriege sich sehr oft auf die verworrensten und finstersten unter allen möglichen Vorstellungen gründen. In dieser früheren Realisirung der für alle menschlichen Verhältnisse eben also angestrebten Form ist sie Weissagung, Bürge und Unterpfand, dass auch das Uebrige einst also gestaltet seyn werde, der strahlende Bogen des Bundes, der in lichten Höhen über den Häuptern der bangen Völker sich wölbt.

Aber selbst, indem sie noch verheisset, erfüllet sie schon und ist gedrungen zu erfüllen. Die einzige Quelle aller menschlichen Schuld, wie alles Uebels, ist die Verworrenheit derselben über den eigentlichen Gegenstand ihres Wollens; ihr einiges Rettungsmittel daher Klarheit über denselben Gegenstand; eine Klarheit, welche, da sie nicht uns fremd bleibende Dinge erfasst, sondern die innerste Wurzel unseres Lebens, unser Wollen ergreift, auch unmittelbar einfliesst in das Leben. Diese Klarheit muss nun jeder wissenschaftliche Körper rund um sich herum, schon um seines eigenen Interesse willen, wollen und aus aller Kraft befördern; er muss daher, sowie er nur in sich selbst einige Consistenz bekommen, unaufhaltsam fortfliessen zu Organisation einer Erziehung der Nation, als seines eigenen Bodens, zu Klarheit und Geistesfreiheit, und so die Erneuerung aller menschlichen Verhältnisse vorbereiten und möglich machen; durch welche Erwähnung der Nationalerziehung wir wieder am Schlusse unseres ersten Abschnittes niedergesetzt werden, und so den bis ans Ende durchlaufenen Kreis schliessen.

Beilagen zum Universitätsplane.

(Ungedruckt.)

I.
Plan zu einem periodischen schriftstellerischen Werke an einer deutschen Universität.[28]

1) Soll ein solches Werk der Universität Ehre machen und zugleich den steigenden Flor derselben befördern, so muss dasselbe auf dem Gipfel der wissenschaftlichen Bildung der deutschen Nation anheben, und seine Fortsetzung kann nichts Anderes seyn, als das fortlaufende Document des ununterbrochenen Fortschreitens jener Bildung auf der vorausgesetzten Universität.

2) Es muss wirklich das Werk der Lehrer und Mitglieder dieser Universität, und das Resultat des wissenschaftlichen Geistes und seiner Leistungen auf derselben seyn, und das öffentliche Urtheil muss darüber nicht in Zweifel bleiben können. Es ist daher nicht hinlänglich, dass jenes Werk etwa nur in der Stadt, wo auch die Universität sich befindet, gedruckt oder auch von Gelehrten, die zugleich Lehrer an derselben sind, geschrieben werde: es muss die Rechenschaftsablegung enthalten über den Geist und die Resultate ihres Treibens. Die Ehre, welche bei Vernünftigen dadurch der Universität zu Theil würde, dürfte sonst vielleicht der jenes Glockenziehers, der zu einer vortrefflichen Predigt eingeläutet zu haben sich rühmte, nicht ungleich seyn: die Rechnung auf das Vorurtheil der Unvernünftigen aber ist, wenn man sich auch herablassen wollte, darauf Rücksicht zu nehmen, nicht sicher auf die Dauer.

3) Der dadurch zu liefernde Beweis der Superiorität des wissenschaftlichen Geistes auf der vorausgesetzten Universität muss nicht indirect geführt werden, so dass man sich nur zeige, als fähig die Schwächen oder auch die Vorzüge Anderer einzusehen, durch welche unabhängig von uns die Wissenschaften bearbeitet werden; denn das ist seinem Wesen nach untergeordnete und Schülerarbeit.

(Dergleichen sind alle Recensiranstalten, Bibliotheken, Literaturzeitungen, und wie sie Namen haben mögen. Sie tragen das Gepräge ihrer Unselbstständigkeit und Inferiorität dadurch an sich, dass sie für die Möglichkeit ihrer eigenen Existenz Bücher voraussetzen, und gründen sich auf den Wahn des Zeitalters, dass die einzige und rechte Bearbeitung der Wissenschaften die Buchmacherei sey. Entweder das Buch wird herabgesetzt in der Recension: welche Ehre aber ist es für den vorauszusetzenden Professor-Recensenten, dass er mehr ist, als der arme Stümper, den er uns vorführt? Oder es wird erhoben: entweder der Verfasser ist ein Fremder. Welche Ehre erwächst sodann durch sein gutes Buch unserer Universität, als die sehr untergeordnete der Anerkennung fremden Verdienstes? Oder er ist einer unser gelehrten Mitbürger: wer wird uns recht glauben?

In Deutschland waren diese Unternehmungen in neueren Zeiten gar nicht für den Flor der Universitäten ersonnen, sondern bloss ein mercantilisches Institut, das den Buchführern zum Absatz ihrer Waare verhelfen sollte, zuerst selbst von einem Buchführer, sodann von einem bekannten industriösen Schriftsteller, der einen dürftig besoldeten Professor für seinen Plan gewonnen. Von ohngefähr und durch ganz andere Ursachen — die Lehrer, denen Jena vorzüglich seinen Ruf verdankt, sind nie fleissige Recensenten, noch die Redactoren der Literaturzeitung je vorzügliche Lehrer gewesen, — gewann die verfallene Universität, an deren Spitze das letzterwähnte Werk dieser Art gedruckt wurde, eine neue Blüthe; und nun machte der grosse Haufen den gewöhnlichen Fehlschluss vom Zugleichseyenden auf das Verhältniss von Ursache und Wirkung; welcher Fehlschluss denn auch, da ihn der grosse Haufen gemacht, einige Zeitlang gute Dienste geleistet hat. Dennoch fing Jena schon vorher an zu verfallen, ehe es die Schützsche Literaturzeitung verlor, und jetzt hilft es ihm nichts, dass es sogleich wieder eine andere errichtet hat, welche unstreitig an innerem Werthe die alte bei weitem übertrifft. Auch hat zu Leipzig, Erlangen u. s. w. durch den Abdruck von Recensionen, die meist von Lehrern dieser Universitäten verfasst sind, wie in den Göttinger Anzeigen, sich kein grösserer Flor dieser Universitäten ergeben wollen, als wie sie ohne dergleichen Literaturzeitungen auch besitzen würden.