Ueberdies, falls wir uns auch auf das Alte und Mittelmässige bescheiden wollten, ist sogar dies nicht einmal mehr uns zugänglich. Aus unseren eigenen Mitteln, ohne fremde Beiträge, vermögen wir eine Literaturzeitung nicht einmal auch nur zum Scheine anzufüllen: durch den Conflict der alten und der neuen Jenaischen Literaturzeitung aber sind alle Federn schon in Beschlag genommen, und es giebt gewiss keinen Gelehrten von einigem Verdienste, welcher zu Arbeiten dieser Art sich nicht für zu gut hält, der nicht bei einer dieser beiden, oder auch wohl bei beiden in Diensten stehe.

Ahmen wir lieber dies Bestreben in dem einzigen Puncte nach, dass wir, so wie jene zu ihrer Zeit, etwas Neues unternehmen, wobei sie uns meines Erachtens zugleich den Vortheil gelassen haben, dass das Rechte noch neu ist.)

4) Der zu führende Beweis muss direct geführt werden, — sagten wir: also, dass das periodische Werk der Universität den steten Fortschritt der Wissenschaft und des wissenschaftlichen Geistes auf derselben, unmittelbar und aus der ersten Hand darlege. Jenes Werk enthalte ganz eigentlich, was die ältere Benennung: acta literaria Universitatis N. N. ausdrückt.

Den Fortschritt der Wissenschaft und des wissenschaftlichen Geistes aus der ersten Hand, sagten wir ferner. Die Wissenschaft ist ja nicht zunächst das Buch, noch lebt sie im Buche, sondern sie lebt in dem, was im wirklichen Forschen, im Conflicte der Geister und im Vortrage sich ergiebt. Dieses nun werde zum Buche und Buchstaben zunächst in jener Relation. Die akademischen Lehrer sind ja als Lehrer angestellt, und nichts verhindert, dass sie nicht auch überdies noch unter sich selber, gleich einer Akademie, in geistigen Wechselverkehr treten; nicht aber werden sie vom Staate dazu besoldet, dass sie in die weite Welt hinein Bücher schreiben. Jene literarischen Acten der Universität würden nun ihr gemeinschaftliches Buch, wenn sie von Amtswegen zu schreiben hätten, und wohin Alles, was sie des Druckes für würdig achteten, zunächst gehörte.

(Es bliebe ihnen dabei unbenommen, auch noch auf eigene Hand Bücher zu ediren. Vom ehrenvollen Falle tiefer unten. Als Buchfabricanten oder Compilatoren aber im Dienste von betriebsamen Verlegern Sachen drucken zu lassen, die nur die Masse des bedruckten Papieres, keinesweges aber die Wissenschaft vermehren, ist ohnedies unter der Würde eines Lehrers an einer solchen Universität, und wäre durchaus den sogenannten Privatgelehrten zu überlassen.)

Den Fortschritt der Wissenschaften sollten diese literarischen Acten documentiren. Es gehörte daher in sie nur das Neue, Weiterbringende, keinesweges aber blosse Wiederholungen oder neue Aufstutzungen des Alten, Bekannten.

Die Wissenschaft kann fortschreiten, theils in der Materie durch neue Entdeckungen und Ansichten, theils in der Form durch bessere Lehrmethoden und immer begriffsmässige Beherrschung und Durchdringung des Lehrstoffes. Alles dieser Art von den Lehrern Erfundene in allen Zweigen der Wissenschaften, welche auf dieser Universität bearbeitet werden, wäre in den Acten niederzulegen.

Ausgezeichnete und den Standpunct des wissenschaftlichen Unterrichts an der Universität durch den Erfolg bezeichnende Arbeiten der Zöglinge des Instituts wären nicht auszuschliessen. Bringen sie auch die Wissenschaft nicht weiter, so können sie doch einen bei Jünglingen nicht gewöhnlichen Grad der wissenschaftlichen Ausbildung documentiren, und sollen es. Keiner derselben müsste der gelehrten Würden der Universität theilhaftig werden, welcher nicht einen, nach jenem Grundsatze wenigstens aufnehmbaren Beitrag zu den Acten geliefert hätte; wodurch die von dieser Universität ertheilten Würden Achtung gewinnen würden vor denen anderer Universitäten, wo dieser Maassstab nicht angelegt werden kann.

Es würde solchen Acten nicht zum Vorwurfe gereichen, wenn selbst widerstreitende Ansichten derselben Gegenstände von verschiedenen Verfassern in ihnen nebeneinander ständen. Denn es kommt hierbei fürs Erste nicht darauf an, ob die Ansichten wahr, sondern nur ob sie neu sind, und ob man sich von ihnen versprechen kann, dass sie auch zu einer neuen Wahrheit führen könnten. Ueber die Wahrheit soll erst die Zukunft und die fortgesetzte Forschung entscheiden, und so kann selbst ein neuer Irrthum ein Fortschritt auf einem wissenschaftlichen Gebiete werden, wenn er auf eine neue Wahrheit leitet, welche allein ihn zu widerlegen vermag. Aus demselben Grunde würde es dem Werke auch nicht zum Vorwurfe gereichen, wenn etwa die Fortsetzung die früheren Lieferungen zum Theil widerlegte; denn dadurch würde ja gerade der Fortschritt bewiesen.

5) Zur Lieferung von Beiträgen wären die Lehrer nur insofern zu verbinden: