Aus eben diesem Beispiele erhellt auch, dass das Wort für den Gegenstand, welcher mit der Handlung des Subjects in Verbindung gesetzt werden soll, schon als Substantiv gebraucht seyn, und ein festes Merkzeichen seiner substantiven Bedeutung haben musste, wenn die erwähnte Wortfügung, und folglich auch die Verwandlung des Neutrums in ein Activ zu Stande kommen sollte. Der Löwe, welcher hier Subject des Satzes ist, wird durch den gewöhnlichen Laut, der eine Nachahmung seines Brüllens ist, ausgedrückt. Dieser Löwe frisst. Auch dies kann durch den eigentlichen Ausdruck bezeichnet werden. Aber wie soll ich nun das Schaaf ausdrücken? Wenn ich dieses auch durch seinen eigentlichen Ton andeuten will, so kann dieser Ton, welcher zugleich das Zeitwort des Blökens ausdrückt, für dieses Zeitwort genommen werden, und dann bedeutete der ganze Satz: der fressende Löwe blökt. Nun haben wir zwar weiter oben gesehen, dass das Substantiv sich von dem Zeitworte, von welchem es abgeleitet wurde, durch den leichteren Ton, in welchem es vorgetragen wurde, unterschied. Allein dieses Merkmal ist hier nicht anwendbar, da das Substantiv hier nicht den Satz anfängt, sondern beschliesst, und folglich nach unserer Theorie einen gedehnten und starken Ton erhalten muss. Diesem möglichen Misverständnisse ist also nicht eher abzuhelfen, als bis für das Wort, durch welches das Schaaf in substantiver Bedeutung bezeichnet werden soll, ein bleibendes Unterscheidungszeichen gefunden worden ist. Dies konnte aber auf die oben angegebene Art leicht geschehen, indem die Abkürzung, mit welcher ein solches Wort, wo es ein Substantiv ausdrückte, ausgesprochen wurde, bald in einen fixen eigenthümlichen Laut verwandelt werden musste; wobei sehr leicht auch noch ein Mittelton eingeschoben werden konnte, um dasselbe mit dem darauf folgenden Worte leichter zu verbinden. Solche Modificationen des ursprünglichen Tons wurden durch wiederholten Gebrauch so mit dem Worte verwebt, dass sie zuletzt einen Bestandtheil desselben ausmachten, und zu Merkzeichen der substantiven Bedeutung eines Wortes dienten. Ehe aber dergleichen Bestimmungen vorhanden waren, war der ganze Satz nicht auszudrücken, und eher war kein Activ, sondern alle Zeitwörter blieben, was sie ursprünglich waren — Neutra.

Um die Entstehung des Passivs zu erklären, muss ein Bedürfniss aufgezeigt werden, welches die Menschen zur Erfindung dieser Sprachbestimmung leitete; denn, dass in der Ursprache irgend etwas ohne Noth, bloss zur Verschönerung des Vortrags erfunden worden sey, lässt sich nicht annehmen. Um diese möchte man sich wohl bei den ersten rohen Versuchen einer Sprache nicht sehr bekümmert haben; da sagte man wohl eher: man schmähet mich, als — ich werde geschmähet; der Löwe zerreisst das Schaaf, als — das Schaaf wird vom Löwen zerrissen.

Ein solches Bedürfniss des Passivs tritt ein, wenn eine Handlung vorkömmt, welche, nach unseren Einsichten, einen Urheber hat, den wir aber auf keine Weise entdecken können. Sie muss erstlich einen Urheber haben; denn hat sie keinen, oder können wir keinen annehmen, so drücken wir uns durch das Impersonale aus — wir sagen: es donnert, regnet, u. s. w. Zweitens muss der Urheber unbekannt seyn, und gar nicht errathen werden können; denn, gesetzt der Wolf hätte ein Schaaf geraubt, so wird der noch ungebildete Naturmensch, auch selbst wenn er nicht Augenzeuge von dem Vorgange gewesen ist, doch nicht sagen: das Schaaf ist mir geraubt worden; sondern: der Wolf hat das Schaaf weggenommen; weil er schon aus Erfahrung weiss, dass dieser Schaafe raubt. Das Bedürfniss des Passivs trat also erst dann ein, wenn eine Handlung da war, bei der man ebenso klar sah, dass sie einen Urheber haben musste, als man sich bewusst war, dass man diesen Urheber nicht errathen könne. Ursprünglich wurde daher auch wohl das Passiv durch ein Zeichen ausgedrückt, wodurch der Redende andeutete, dass ein Urheber da sey und dass er ihn nicht kenne. Man hängte vielleicht den Worten, welche die That selbst ausdrückten, den Satz an: ich weiss nicht, wer es gethan hat. Wenn nun diese Worte bei gleicher Gelegenheit mehrmals gebraucht wurden, so musste es bald dahin kommen, dass sie geschwinder ausgesprochen wurden, mit dem Zeitworte, welches die Handlung bezeichnete, enger zusammenflossen, und zuletzt einen Bestandtheil desselben ausmachten. Ob ein solcher Zusatz ursprünglich dem Zeitworte vorgesetzt, oder angehängt wurde, lässt sich nicht bestimmen. Im Ganzen aber folgt so viel, dass ursprünglich das Passiv wohl durch einen kleinen Zusatz zum Zeitwort ausgedrückt wurde, welcher eigentlich das Zeichen der Unbekanntheit des Urhebers war.

Das Verbum medium bezeichnet eine Handlung, welche auf uns selbst zurückgeht: es gründet sich auf höhere Abstraction, und kann daher in einer Ursprache nicht wohl vorkommen.

Die Entstehung des Numerus lässt sich auf folgende Art erklären. — Der Singular fand sich von selbst; er war der ursprüngliche Numerus; die ersten Wörter wurden alle im Singular gebraucht. Nun sollte aber der Horde eine Mehrheit angezeigt werden; es wollte z. B. einer sagen: es kommen mehrere Löwen! wie sollte er das andeuten? Durch das natürliche Bild einer Heerde: durch Dehnung und Wiederholung des Tons, und dadurch, dass dieser Ton immer fortschallte. Um wie viel oder wenig man den Ton dehnen, oder wie oft man ihn wiederholen sollte, um die mehrere Zahl anzudeuten, war vermuthlich nicht bestimmt. Der Pluralis wurde demnach durch Verlängerung des Wortes ausgedrückt.

Der Pluralis war aber anfangs nur nöthig bei Zeitwörtern, keinesweges bei Substantiven und Adjectiven; denn es verstand sich von selbst, dass auch sie, wenn sie von einem Zeitworte im Plural begleitet wurden, in der mehreren Zahl zu nehmen waren. Der Numerus der Substantive und Adjective ist daher in der Ursprache nicht zu suchen: er ist keinesweges eine durch Nothwendigkeit geforderte Sprachbestimmung, sondern eine Erfindung, welche das Streben nach Bestimmtheit und Eleganz im künstlichen Vortrage nöthig machte. Aber bei Zeitwörtern war der Plural unentbehrlich.

Die verschiedenen Personen der Zeitwörter wurden ohne Zweifel in folgender Ordnung gebildet. Diejenige Person, welche zuerst in der Sprache bezeichnet wurde, war gewiss die dritte; denn urprünglich wurde in keiner anderen, als in der dritten Person geredet. Man nannte einen jeden bei seinem eigenthümlichen Namen: N. N. solle das thun! Die folgende, welche zunächst der dritten ihre besondere Bezeichnung erhielt, war die zweite Person; weil man bei Verabredungen und Verträgen bald das Bedürfniss fühlte, dem anderen zu sagen: das sollst Du thun. Das Ich, als die erste Person, zeugt (besonders wo es an der Endung des Zeitwortes selbst angehängt ist) von höherer Vernunftcultur, und wurde also auch zuletzt bezeichnet. Bei Kindern sehen wir, dass sie immer in der dritten Person von sich sprechen, und sich, als das Subject, von welchem sie etwas sagen wollen, durch ihren Namen ausdrücken, weil sie sich bis zum Begriff des Ich, bis zur Absonderung des selben von allem ausser ihnen noch nicht erhoben haben. Ich drückt den höchsten Charakter der Vernunft aus.

Wie eine dritte, zweite, und erste Person im Plural gebildet werden konnte, ergiebt sich leicht, wenn der Plural schon vorhanden war.

Die Tempora der Zeitwörter wurden wahrscheinlich auf folgende Art erfunden. Die ersten Zeitwörter wurden bloss aoristisch gebraucht: aus dem Aorist konnte leicht das Präsens gebildet werden, oder vielmehr — man musste den Aorist bald selbst als Präsens verstehen, weil die Bestimmungen bei rohen Nationen sich fast immer auf die gegenwärtige Zeit beziehen. Mehr Mühe mochte wohl die Erfindung der Bezeichnungen für vergangene und zukünftige Zeiten kosten. Als man zuerst das Bedürfniss fühlte, Vergangenes und Zukünftiges auszudrücken, gab man wohl die Zeit, in welcher etwas geschehen war, oder geschehen sollte, ganz genau an; es wurde z. B. nicht gesagt: es hat sich zugetragen, sondern: es trägt sich vor so und so viel Tagen zu; nicht: es wird sich ereignen, sondern es ereignet sich nach so viel Tagen. Diese Art sich auszudrücken, war dem noch ungebildeten Menschen sehr natürlich. Vollkommene Präcision im Ausdrucke kündigt eine höhere Verstandescultur an, als man den ersten Erfindern der Sprache zuschreiben kann. Der ungebildete Mensch theilt nicht bloss das mit, was der andere von einer Sache wissen soll, oder will, sondern auch was er selbst davon weiss. Daher giebts in den uncultivirten Sprachen eine Menge überflüssiger Bestimmungen, eine Menge Ausdrücke, die, der Verständlichkeit des Ganzen unbeschadet, weggelassen werden könnten. So auch mit den Bestimmungen der Zeit. Die Zeit, in welcher etwas vorgegangen war, oder kommen sollte, wurde, so weit man zählen konnte, bestimmt hinzugesetzt. Wo man aber auf einen Zeitraum stiess, welcher eine so genaue Bestimmung nicht zuliess, da bediente man sich, wie uns noch einige Spuren in alten Sprachen zeigen, der Worte: morgen, gestern u. s. w., um die verflossene oder zukünftige Zeit unbestimmt auszudrücken.

Aus dieser Bezeichnungsart mussten aber bald mehrere Misverständnisse entstehen. Wie leicht konnte es Zwist verursachen, wenn der zweideutige Ausdruck morgen für den besonderen Fall, in welchem er gebraucht wurde, nicht gehörig bestimmt war? Z. B. es sagte einer zum andern: ich gebe dir das morgen. Hier konnte morgen ebensowohl den nächstkünftigen, als jeden anderen folgenden Tag bedeuten. Der andere legt es von dem nächstkünftigen Tage aus, und kömmt, um die Sache abzuholen: jener weigert sich aber, das Versprochene abzuliefern, weil er es nicht auf morgen, sondern überhaupt auf die Zukunft zugesagt hätte. Durch Fälle dieser Art konnten leicht Mishelligkeiten entstehen, an welchen sich das Bedürfniss einer bestimmten Bezeichnung für Vergangenheit und Zukunft deutlich offenbaren musste. Diesem Bedürfniss konnte vielleicht schon dadurch abgeholfen werden, dass man solche allgemeine Worte, wie morgen, gestern u. s. w., wenn sie die verflossene oder kommende Zeit überhaupt ausdrücken sollten, mit dem Zeitwort zusammenfassender, schneller und kürzer aussprach, und im Gegentheil dieselben Worte, wenn sie bestimmt den zunächst vergangenen oder zukünftigen Tag bezeichnen sollten, durch einen festen, längeren Ton ausdrückte. So wurde zum Ausdrucke der vergangenen und zukünftigen Zeit ein Zusatz zum Zeitworte gefunden, welcher nach und nach inniger mit demselben zusammenfloss, und das Perfectum und Futurum in seiner jetzigen Gestalt bildete.