Es liegt in der Sache, dass die Form des Unterrichtes und der Uebungen auf den beschriebenen Zweck berechnet seyn muss; eine Form, mit welcher ich aus alter Uebung im Unterrichte sehr bekannt zu seyn glaube. Eine Nebenrücksicht hierbei wird die seyn, den grössten Theil der Zeit und der Mühe, der in dem hergebrachten Unterrichte auf das Lateinische, eine sehr nachstehende Tochter des Griechischen, gewidmet wird, der Mutter selbst zuzuwenden, mit dem Griechischen, so viel dies möglich ist, anzufangen, dies als Hauptsache zu nehmen und bis zu Stil- und sogar Sprechübungen zu treiben, indem aus der für den geborenen Deutschen, wegen der sehr nahen Verwandtschaft des Griechischen mit seiner Muttersprache ohnedies leicht zu erlangenden Fertigkeit, eine Ansicht von der Sprache überhaupt und so auch eine Vorbereitung auf das weit ferner für uns liegende Lateinische erfolgt; welche auf umgekehrtem Wege nicht so sicher zu erreichen wäre.

4.

Es versteht sich, dass über dieser Erlernung der alten Sprachen und der Ansichten der alten Welt, der alten Geschichte, Geographie u. s. w., die Kenntniss der umgebenden Welt nicht vergessen werde. Dies ist nun aber, weil es das Umgebende betrifft, mehr durch Leben und möglichst zu vermittelnde Anschauung, als durch todtes Studium und Ueberlieferung, mehr durch unmittelbare Erfahrung und Conversation darüber, als durch besondere Lehrstunden zu befördern. Ein lebendiger, durch seine tägliche Arbeit an Verknüpfung und Ordnung gewöhnter Knabe wird nicht ermangeln, von dem, was er erblickt, aufzusteigen zu dem, was er nicht erblickt, und darnach, so wie nach dem Zusammenhange beider zu fragen, und er wird Befriedigung erhalten, wenn diejenigen, die ihn umgeben, theils selber die Sache wissen, theils so zu antworten verstehen, dass keine todte, nur wiederholende Phrase, sondern eine lebendige Anschauung im Zöglinge entstehe.

5.

Der innere Geist und Charakter dieser intellectuellen Erziehung, ohne welchen alle äusserlichen Fertigkeiten und Kenntnisse keinen Werth haben, ist der, dass der Zögling in der That und stets selbst arbeite, Alles durch eigene Geisteskraft sich erwerbe, keinesweges aber nur mechanisch etwas anlerne. Die Methode, leicht oder spielend zu lehren und zu lernen, kann daher in einem vernunftgemässen Erziehungsplane nicht eintreten, in welchem es gar nicht darauf ankommt, was da erlernt sey, sondern was der Zögling geistig vermöge, und wie dies Vermögen durch den Stoff des Unterrichtes entwickelt worden sey.

Aus diesem Grunde wird das Studium der Mathematik, am geeignetsten nach Euklides oder in dieser Methode, der zweite Hauptzweig des eigentlichen Unterrichtes seyn.

6.

Dagegen im unmittelbaren Leben, durch ein von selbst sich darbietendes oder künstlich herbeigeführtes Bedürfniss angeregt, sind die neueren Sprachen zu erlernen. Diese Erlernung ist dem Knaben, der schon an den alten Sprachen Kenntniss der Sprache überhaupt sich erworben, und Ohr und Zunge an ihnen geübt hat, der ferner Lateinisch versteht, besonders bei den Töchtern des Lateinischen sehr leicht, wenn dabei nur nicht auf eine zu nichts dienende Virtuosität im blossen Sprechen ausgegangen wird.

7.

Jenen auf Anschauung gegründeten Unterricht in den Anfangsgründen der Geometrie und Arithmetik abgerechnet, ist ein eigentlich systematisches und speculatives Studium der Wissenschaften, vor den Jahren der anfangenden Reife, sogar nachtheilig. Früher werde nur reicher Stoff der Erkenntniss herbeigeführt, die Phantasie gestärkt und frei und selbstständig gemacht, der Verstand durch Uebung an den gesetzmässigen Gang angewöhnt, als ob dies gar nicht anders seyn könne. Erst in dieser Richtigkeit des geistigen Blickes befestigt, möge er Ausflug nehmen zur Erforschung und zum deutlichen Bewusstseyn seiner Gesetze, denen er bisher, wie einem dunkeln Instincte, folgte. Mit Einem Worte: Transscendentalismus jeder Art, selbst in seinen leisesten Andeutungen, gehört nicht unter die Gegenstände der Erziehung. —