Über Alexanders Verhalten gegen Jerusalem und Samaria ist es bei dem gänzlichen Schweigen glaubwürdiger Schriftsteller unmöglich, Sicheres zu finden. Was im Text angegeben ist, findet sich im Josephus Ant. XI, 8, 2-7. Die talmudische Überlieferung (Derenbourg, Essai sur l'histoire et la géographie de la Palestine, Paris 1867, S. 71) nennt als den Hohenpriester dieses Vorganges den berühmten Simeon, den Gerechten, den Enkel des Jaddua; während die samaritanische Tradition denselben Vorgang von dem samaritanischen Hohenpriester Hiskiah erzählt. Nach Josephus ist Sanballat ein Kuthaier wie die Bevölkerung von Samaria, und er hat seine Tochter an Manasse, den Bruder des Jaddua, vermählt, der, eben dieser Ehe wegen von den Juden ausgetrieben, ihn veranlaßt, einen Tempel auf dem Berge Garizim zu errichten und ihn zum Hohenpriester desselben zu bestellen; Sanballat hat sich nach dem Siege von Issos den Makedonen zugewandt, ist, bevor Alexander nach Gaza gezogen, gestorben. Nach der talmudischen Tradition haben die Kuthaier von Samaria bei Alexander um die Erlaubnis gebeten, den Tempel in Jerusalem zu zerstören, worauf die Juden in jenem feierlichen Zuge vor ihm erschienen sind und die Erlaubnis erwirkt haben, ihrerseits den Tempel in Garizim zu zerstören. In der Tat ist dieser Tempel erst viel später, zur Zeit des Johannes Hyrkanos, zerstört worden. Nach Hekataios (Joseph. contra Apionem II, 4) hat Alexander τὴν Σαμαρεῖτιν χώραν tributfrei den Juden überlassen; vielleicht sind nur die drei Toparchien gemeint, von denen 1. Makk. 11, 28 u. 34 die Rede; aber danach mit Graetz (Geschichte der Israeliten 1876, S. 224) in dem Fragment des Hekataios zu emendieren, scheint zu gewagt. — Aus Arrian II, 13, 7 ergibt sich, daß, nachdem Parmenion Damaskos genommen, Menon des Kerdimmas Sohn zum Satrapen von Koilesyrien bestellt worden ist; sichtlich derselbe, der nach III, 6, 8 abgesetzt wird, weil er nicht die nötige Fürsorge für die Verpflegung des Heeres beim Marsch von Ägypten nach dem Euphrat gehabt hat. Nach Curtius (IV, 5, 9) hat Parmenion bei seinem Abmarsch aus Damaskos nach Dyros dem Andromachos den Befehl in Syrien übergeben; nach IV, 8, 9 erfährt Alexander bei seinem Abmarsch aus Ägypten, daß die Samaritaner Andromachos umgebracht haben; er straft sie und bestellt Menon zu dessen Nachfolger; eine Angabe, die dem Arrian gegenüber nicht bestehen kann. Nach Eusebius Chr. II, 114 ed. Schöne (zum Jahr 1680 a. A. d. i. Ol. 111, 1, bei Hier. zum Jahr 1685 a. A. d. i. Ol. 112, 1) hat Alexander bei diesem Anlaß die Makedonen in Samaria angesiedelt (τὴν Σαμάρειαν πόλιν ἑλὼν Μακεδόνας ἐν αὐτῇ κατῴκισε), nach S. 118 ist es geschehen, als Perdikkas Reichsverweser war: Samaritanorum urbem a Perdicca constructam, oder nach Petermann incolis frequentatam. Kurz die sämtlichen, auf Jerusalem und Samaria bezüglichen Angaben sind so widersprechend, daß man darauf verzichten muß, den pragmatischen Zusammenhang der Vorgänge daraus zu rekonstruieren.
Das Terrain des Schlachtfeldes von Gaugamela hat zuerst die von Felix Jones 1852 edierte Map of the country of Niniveh, dann 1876 Cernik in Petermanns Ergänzungsheft II, 75 gegeben, letzterer in den Wasserläufen in der Nähe von Kermelis von Jones mehrfach abweichend. Die Darstellung der Schlacht folgt der neueren Aufnahme. — Der gewöhnliche Weg der Karawanen geht von Erbil in ziemlich gerader Richtung westwärts über einen nicht hohen, aber an Defileen reichen Bergrücken Dehir Dagh zu dem breiten und wasserreichen Zâb (Zarb el Kebir), den man bei Eski Kelek überschreitet; dann wieder über einen steinigen Rücken Arka Dagh zu dem steinigen Bett des Ghasîr. Jenseits dieses Flusses, über den man bei Zara-Chatun geht, erreicht man nach kurzem Ansteigen eine breite, unabsehbare Ebene (Rich., Narrat. II, 23), die equitabilis et vasta planities bei Curt. IV, 9, 10. Zehn Kilometer von Zara-Chatun kommt man nach Kermelis (nach Petermann II, 323 »Kermelés, ein christliches Dorf«), an dem vorüber ein Bach, der vom Meklub-Dagh kommt, zum Tigris läuft. Dreizehn Kilometer weiter erreicht man das Dorf Abu Zuaga, das in einer flachen Senkung liegt, durch welche ein Bach südwarts fließt, um sich mit dem von Kermelis zu vereinigen. Halbwegs zwischen beiden Dörfern liegt ein wenig nordwärts zur Seite Börtela (nach Petermann Bértilli, gewöhnlich Bártoli genannt) auf einer von den Bergen im Norden (Meklub-Dagh) vorspringenden Terrainschwellung. Petermanns Weg war von Ghasîr aus etwas nördlicher, zwischen Kermelês links und Derdschille (Terdjila) rechts über Dschakülle (Schaakuli) bei Bertilli (Börtela), das links blieb und bei Châsne tepe (Hazna) vorüber nach Mosul. — Von Erbil führt ein anderer, bequemerer aber etwas weiterer Weg an dem Wasser von Erbil am Südabhang des Dehir Dagh zur Mündung des Ghasîr in den Zâb (Lykos) bei Wardak und dann zum Plateau bei Kermelis hinauf, das 20-30 Meter höher ist als der Zâb bei Wardak. — Das sind die Hauptpunkte des Schlachtfeldes. Da nach Arr. III, 8, 7 und VI, 11, 5 Dareios bei Gaugamela am Bumodos lagerte, der nach der höchsten Angabe 600, nach der geringsten Angabe 500 Stadien von Arbela entfernt ist (Arr, III, 15, 5), so kann nicht der Ghasîr der Bumodos sein, da der Weg von Erbil über Eski-Kelek nach Zara-Chatun nach Niebuhr und Kinneir (Persia, S. 152) nur 6 Meilen, also 240 Stadien beträgt. Nimmt man Kermelis für Gaugamela und den Bach dort für den Bumodos, so bekommt man, wenn Dareios über Wardak nach Kermelis marschiert ist, reichlich 9 Meilen, mit 1/6 für Umwege gerechnet 420-440 Stadien. Wenn Curtius (IV, 9, 8) die Perser vom Lykos zum Bumodos 80 Stadien marschieren läßt, so paßt dies auf keine Stelle zwischen Zâb und Ghasîr, wohl aber auf die Entfernung von Wardak bis zum Wasser von Kermelis. Dareios kann sich unmöglich an dem eingesenkten und steinigen Flußtal des Ghasîr aufgestellt haben, und Gaugamela lag nach Arr. III, 8, 7 ἐν χώρῳ ὁμαλῷ πάντῇ.
Die Angaben über die Ergänzung des Heeres an dieser Stelle wie während der ganzen Kriegszeit sind nicht derart, daß man Sicheres daraus kombinieren könnte. In betreff der in Susa eintreffenden begnügt sich Arrian (III, 16, 10) mit dem summarischen Ausdruck: Ἀμύντας ὁ Ἀνδρομάχου σὺν δυνάμει ἀφίκετο. Nach Diod. XVII, 65 und Curt. V, 1, 40 waren es 6000 Mann Fußvolk und 500 Reiter Makedonen, 600 thrakische Reiter, 3500 Mann thrakisches Fußvolk (Τραλλεεῖς bei Diod.), aus dem Peloponnes 4000 Söldner zu Fuß und fast 1000 (bei Curt. 380) Reiter, außerdem 50 junge makedonische Edelleute πρὸς τὴν σωματοφυλακίαν. — Aus Arrians Ausdruck (III, 16, 11) τοὺς πεζοὺς δὲ προσέθηκε ταῖς τάξεσι … κατὰ ἔθνη ἑκάστους συντάξας darf man schließen, daß nicht neue, schon formierte Truppenkörper (τάξεις usw.) aus der Heimat nachrückten, sondern Ersatzmannschaften, die bei denjenigen mobilen Truppen, aus deren Kantons sie ausgehoben waren, eingestellt wurden, daß also in der Heimat die τάξεις der und der Kantone zurückgeblieben waren, die dort ebenso κατὰ ἔθνη ergänzt wurden wie die mobilen sechs Taxeis (der Elymiotis, der Tymphaia usw.), acht Ilen (von Amphipolis, Bottiaia usw.). Ob später (für den indischen Feldzug) von den in der Heimat zurückgebliebenen Taxeis einige mobil gemacht und nachmarschiert sind, ist nicht mehr zu erkennen.
Die Inschrift von 330, auf welche der Text sich bezieht, steht jetzt C. I. A. II, 175b; die Überschrift lautet: Ῥηβούλας, Σεύθου υἱός, Κότυος ἀδελφὸς ἀνγελ… was vielleicht Ἀνγελη[λθεν sein soll, wenigstens scheint die Ergänzung ἄνγελος nicht einmal zu dem Relief, das darüber steht, zu passen. Es ist natürlich nur eine Vermutung, aber eine naheliegende, daß dieser Rhebulas dem thrakischen Fürstenhause angehört, und daß der hier als sein Vater genannte Seuthes derselbe ist, von dem Curtius (X, 1, 43) angibt: Seuthes Odrysas populares suos ad defectionem compulerat. Der Name Seuthes wiederholt sich in dem odrysischen Fürstenhause. Kotys, der von 380-357 das Fürstentum hatte, war Sohn des Königs Seuthes, der aus Alkibiades' letzten Jahren bekannt ist. Nach Kotys' Tode teilten seine drei Söhne das Reich. Kersobleptes erhielt wohl das eigentliche Reich am Hebros, und Kardia stand um 353 unter seinem Einfluß; dort stieß an sein Gebiet das seines Bruders Amadokos, das westwärts bis Maroneia reichte (Dem. Arist. 183). Dem dritten Bruder Barisades war, so scheint es, das Gebiet von Maroneia ostwärts über den goldreichen Pangaion bis an die alte makedonische Grenze zugefallen; er war bald (schon 357) gestorben und Kersobleptes bekriegte seine Söhne und Amadokos. Es ist wahrscheinlich, daß die erwähnten »Ketriporis und seine Brüder« eben diese Söhne des Barisades sind (Dittenberger, Hermes XIV, S. 299). Der König Seuthes, der sich 322 gegen Lysimachos erhob (Diod. XVIII, 14), ist wohl unzweifelhaft derselbe, den die Inschrift von 330 nennt; und wenn der eine seiner Söhne den Namen Kotys führte, so liegt die Vermutung nahe, daß es eben die alte odrysische Königsfamilie war, der sie angehörten, daß also Kersobleptes seines Großvaters Namen dem Sohn, seines Vaters Namen dem Enkel gab; nicht minder nahe die Vermutung, daß Sitalkes, der in Alexanders Heer die 5000 thrakischen Akontisten führte, aus demselben Hause und vielleicht Kersobleptes' ältester Sohn war.
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