Daß Alexander die Hyparchen des baktrischen Landes zu einem Syllogos beruft, gibt einen Einblick in die persischen Verfassungsverhältnisse. Die Erklärung des Wortes σύλλογος gibt Xenophon (Oec. IV, 6 und Cyr. VI, 2, 11); es ist die jährliche Musterung der μισθοφόρων καὶ τῶν ἄλλων οἷς ὡπλίσθαι προστέτακται mit Ausschluß der Besatzungen in den Akropolen. Der σύλλογος für Kleinasien war bei Kastelos (Xen. An. I, 1, 2), und Bessos wird demnächst nach Ekbatana geführt ὡς ἐκεὶ ἐν τῷ Μήδων τε καὶ Περσῶν συλλόγῳ ἀποθανούμενος Arr. IV, 7, 3, Ekbatana (Ha-gma-tâna) ist nach Spiegel (Die Keilinschriften, S. 195 u. 221) wörtlich Zusammen-kunfts-ort. Ein solcher Syllogos war es, in dem die Perser vor der Schlacht am Granikos berieten (Arr. I, 12, 10). Bemerkenswert ist, daß Dareios I. in der Inschrift von Behistan II, 13 angibt, er habe Fravartes den Meder, der sich in Medien empört, in der Gegend von Ragâ besiegt: »Fravartes wurde ergriffen und zu mir geführt, ich schnitt ihm Nase, Ohren und Zunge ab, ich führte sein … an meinem Hof (wörtlich Pforte oder Tür) wurde er gefesselt gehalten, alles Volk sah ihn, dann ließ ich ihn in Hangmatana kreuzigen.« Ein anderer Empörer in Persien (III, 5) wird mit seinen Anhängern in einer Stadt Persiens gekreuzigt; einen dritten aus der Landschaft Açagarta (Sagartien, II, 14) besiegt der gegen ihn Gesandte: »und führte ihn her zu mir, drauf schnitt ich ihm die Nase und die Ohren ab und führte sein … an meinem Hof wurde er gefesselt gehalten, alle Leute sahen ihn, dann kreuzigte ich ihn in Abira.« In Arbela ist also wohl der σύλλογος für Sagartien oder vielleicht ganz Assyrien. — Was sich Arrian unter dem Wort Hyparch denkt, das er in diesen baktrischen Vorgängen mehrfach braucht, ergibt sich aus IV, 21, 1, wo Chorienes der Herr einer Felsenburg genannt wird καὶ ἄλλοι τῶν ὑπάρχων οὐκ ὀλίγοι und IV, 21, 9, wo Alexander dem Chorienes seine Burg zurückgibt καὶ ὕπάρχος εἶναι ὅσωνπερ καὶ πρότερος.

[Anmerkung 13 zu Seite 397]:

Die Stärke des Heeres beim Beginn der Fahrt den Indus hinab gibt Arrian (Ind. 19) an. — Arrian nennt Reiter aus Arachosien und den Paropamisaden (V, 12, 7), baktrische, sogdianische, skythische Reiter, Daer als Bogenschützen zu Pferd. Im indischen Feldzuge kommen folgende Taxeis mit Namen vor: einmal die alten, Koinos (IV, 25, 6), Polysperchon (IV, 25, 6), Meleagros (IV, 22, 7); die des Krateros wird zuletzt in der letzten baktrischen Expedition (IV, 22, 1) genannt und ist entweder in Baktrien geblieben oder infolge einer höheren Stellung, die Krateros erhielt, an einen anderen Strategen gegeben; sodann die schon im baktrischen Feldzuge genannten: Philotas (IV, 24, 1), Alketas (IV, 22, 7), Attalos (IV, 24, 1), Gorgias (IV, 22, 7), Kleitos (IV, 22, 7 wohl der weiße Kleitos), Balakros (IV, 24, 10); endlich noch Philippos (IV, 24, 10), Peithon (IV, 6, 1), Antigenes (V, 16, 3; VI, 17, 3). Da Antigenes in der Diadochenzeit wiederholt als Führer der Hypaspisten genannt wird, so ergibt sich aus V, 16, 3: τῶν πεζῶν τὴν φάλαγγα Σελεύκῳ καὶ Ἀντιγένει καὶ Ταύρωνι, daß die Taxis des Antigenes nicht schweres Fußvolk, keine sogenannte Phalanx war. Philippos, des Machatas Sohn, ist bereits vor der Schlacht am Hydaspes zum Satrapen in Indien bestellt, und wenn derselbe Philippos der Strateg jener Taxis war, so hat sie dann wohl einen anderen Strategen erhalten; vielleicht Peithon des Krateuas Sohn (VI, 6, 1: τῶν πεζεταίρων πολουμένων τὴν Πείθωνος τάξιν). — Die Formation der makedonischen Ritterschaften der Hetären hat sich seit 330 mehr und mehr erweitert; nach Arrian (VI, 22, 7) zählt das Heer außer dem Agema der Ritterschaft acht Hipparchien, von deren Führern fünf gelegentlich genannt werden: Hephaistion, Perdikkas, Demetrios (V, 12, 2), Kleitos (VI, 6, 4), Krateros (V, 11, 3). Das Agema führt Koinos (V, 16, 3). Die Stärke dieser Hyparchien läßt sich aus der Schlacht am Hydaspes so weit bestimmen, daß deren vier mit den sogdischen, baktrischen, skythischen Reitern und den 1000 dahischen Bogenschützen zu Pferd (Arr. V, 16, 4) 5000 waren (V, 14, 1). Wenn in dieser Schlacht von den Hetären 20, von den Barbaren 200 gefallen sind (Arr. V, 18, 4), so gibt das natürlich kein Maß für die Stärke des einen und anderen Korps.

[Anmerkung 14 zu Seite 400]:

Der Feldzug Alexanders in dem Gebirgslande auf der linken Seite des Kabulflusses ist bei der unzulänglichen Kunde von diesen Gebieten noch nicht hinlänglich aufzuklären, namentlich hat man für die Ansetzung der im Lauf desselben erwähnten Städte und Festen keinerlei Anhalt. Nur eine Stelle ist durch General Cunningham mit Sicherheit festgestellt, die der Feste Aornos, der Tafelberg von Rani-gat, und nach der Schilderung, die Dr. Bellew von den Trümmern auf diesem »Königstein« gibt, darf man in ihnen wohl einen Neubau hellenistischer Architektur erkennen. — [14A] Es wird nicht überliefert, liegt aber wohl in der Natur der Sache, daß das Vorgehen Alexanders in zwei Kolonnen im Norden und Süden des Kophen den im Text angedeuteten Zweck hatte. Die Kurumpässe im Süden des Sefid-Kuh ließ der König unberücksichtigt, da sie seine Bewegung exzentrisch gemacht haben würden. Anders motiviert Strabo (XV, S. 697) Alexanders Operationen: »Er hatte in Erfahrung gebracht, daß die Gegenden im Norden und in den Bergen fruchtbar und wohl bevölkert seien, die südlichen dagegen ganz wasserlos oder, wo Ströme flössen, von glühender Hitze und mehr für Tiere als für Menschen passend; deshalb und weil er die Flüsse, ihren Quellen näher, leichter passieren zu können meinte, ging er die nördlichsten Wege.«

[Anmerkung 15 zu Seite 438]:

Dieser Sopeithes, Fürst im Lande der Kathaier, wird in dem Açvapati König der Kekaya wieder erkannt, der schon im Çatap. Br., dann auch im Ramâyana vorkommt, nicht ohne Erwähnung seiner vortrefflichen Hunde, der Tigerhunde bei Diod. XVII, 92, der nobiles ad venandum canes, wie sie Curt. IX, 1, 24 eingehend beschreibt. Jetzt ist von diesem Fürsten eine Silberdrachme bekannt, die auf der Vorderseite den behelmten Kopf des Königs Seleukos I. hat, auf der Rückseite einen Hahn, daneben einen Hermesstab und die Beischrift ΣΩΦΥΤΟΥ (S. v. Sallet, Die Nachfolger Alexanders in Baktrien und Indien, S. 87).

Zum vierten Buch

[Anmerkung 16 zu Seite 495]:

Die Chronologie der Fahrt Nearchs ist dadurch unsicher, daß bei Arrian (Ind. 21) ein falscher Archont genannt und zugleich neben dem attischen Monatstage (20. Boedromion) nicht das entsprechende makedonische Datum, sondern nur das Jahr (11. Jahr Alexanders) angegeben ist. Aber die Angabe, daß Nearch am 20. Boedromion vom Indus abgefahren ist, gewährt ein relativ sicheres Datum; es ist, wenn man Idelers Berechnung des metonischen Zyklus für die Ansetzung der entsprechenden julianischen Daten in konventioneller Weise gelten läßt, der 21. September; die Fahrt vom Indus bis Harmozia ist ziemlich überzeugend auf 80 Tage berechnet worden und danach die Daten S. 495 angesetzt.