Die makedonische Kriegsmacht hatte schon König Philipp auf etwa 30 000 Mann Fußvolk und gegen 4000 Reiter gebracht; sie hatte unter ihm ihre eigentümliche Ausbildung erhalten; es war die entwickelte hellenische Militärorganisation, auf die Verhältnisse Makedoniens übertragen und ihnen entsprechend weitergebildet; sie war natürlich darauf gestellt, die verschiedenen Waffen, Infanterie und Kavallerie, leichte und schwere Truppen, Landesaufgebot und Soldtruppen in ungleich freierer und wirksamerer Durchbildung als in der hellenischen Kriegskunst bisher erreicht war, verwenden zu können.

Bei seinem Aufbruch nach Asien ließ Alexander, freilich nach einer Angabe, die sich als sehr unzuverlässig erweist, 12 000 Mann Fußvolk und 1500 Reiter unter Antipatros' Befehl in Makedonien zurück, und ihre Stelle ersetzten 1500 thessalische Reiter, 600 Reiter und 7000 Mann Fußvolk hellenischer Bundestruppen, 5000 hellenische Söldner, außerdem Thraker zu Fuß, odrysische und päonische Reiter. Die Gesamtstärke des Heeres[4], das nach dem Hellespont marschierte, wird nach der sichersten Überlieferung auf »nicht viel über 30 000 Mann zu Fuß und mehr als 500 Reiter« angegeben.

Die Gesamtstärke des Fußvolkes und der Reiterei war nach den Waffen und zum Teil nach Landsmannschaften geteilt, nicht nach Art der römischen Legionen und der Divisionen neuester Zeit, die in ihrer Verbindung aller Waffen gleichsam Armeen im kleinen sind. Gegen Feinde, wie die Völkermassen Asiens, die, ohne militärische Ordnung und Kunst, zu einem Hauptschlage zusammengerafft, mit einer Niederlage alles verloren geben, mit einem Siege über organisierte Truppen nichts als erneute Gefahr gewinnen, gegen solche Feinde hat die Ordnung nach der Waffe und der Landsmannschaft den Vorzug der einfachsten taktischen Form und der natürlichen inneren Geschlossenheit; in denselben Gegenden, in denen Alexanders Phalanx des Dareios Heer übermannte, erlagen sieben römische Legionen den ungestümen Angriffen der Parther.

Das Heer, das Alexander nach Asien führte, behielt als Grundlage die makedonische Organisation; die Kontingente der Bundesgenossen, die hinzukamen, sowie die außer dem alten Bestande von Geworbenen neu hinzugefügten Mietvölker dienten nur dazu, diese Organisation, der sie eingefügt wurden, nach ihren beiden Elementen, der Beweglichkeit und der Stetigkeit, möglichst zu vervollständigen.

In der hellenischen Taktik war das schwere Fußvolk die überwiegende Waffe gewesen, bis in den Peltasten eine leichtere Infanterie hinzugefügt worden war, der die Spartaner erlagen. Auch in dem makedonischen Heere bildeten in der Schlachtordnung diese beiden Formen des Fußvolkes, die Phalangiten und die Hypaspisten, die der Zahl nach stärkste Macht.

Das Eigentümliche der Phalanx bestand in der Bewaffnung der einzelnen und in ihrer Zusammenordnung. Die Phalangiten sind Hopliten im hellenischen Sinn, wenn auch nicht ganz so schwer wie die hellenischen; sie sind ausgerüstet mit Helm, Brustharnisch, Beinschienen und einem Rundschilde, der die Breite des Mannes deckt; ihre Hauptwaffe ist die makedonische Sarissa, ein Spieß von 14-16 Fuß Länge, und das kurze griechische Schwert. Für das Nahgefecht in Masse bestimmt, mußte sie so geordnet sein, daß sie einerseits den heftigsten Anlauf des Feindes ruhig erwarten, anderseits die feindlichen Reihen mit einem Vorstoß zu durchbrechen sicher sein konnten; sie standen in der Regel sechzehn Mann tief, indem die Spieße der ersten fünf Glieder über die Front hinausragten, dem gegen sie anstürmenden Feinde eine undurchdringliche, ja unangreifbare Mauer; die folgenden Reihen legten ihre Sarissen auf die Schultern der Vordermänner, so daß der Angriff dieser »Schlachthaufen« durch die furchtbare Doppelgewalt der Schwere und Bewegung durchaus unwiderstehlich war. Nur die vollendete gymnastische Ausbildung der einzelnen machte die Einheit, Präzision und Schnelligkeit, mit welcher die auf engen Raum zusammengedrängte Menschenmasse die künstlichsten Bewegungen ausführen mußte, möglich; sie sind in der Schlacht, wie zwei Jahrtausende später der Tataren Aga die geschlossenen brandenburgischen Bataillone, Vierecke von Pikenieren und Musketieren, genannt hat, »wandernde Kastelle«. Von diesen makedonischen Hopliten, den »Pezetairen«, waren in dem Heere, das nach Asien zog, sechs Taxeis oder Phalangen, die unter den Strategen Perdikkas, Koinos, Amyntas, Andromenes' Sohn, Meleagros, Philippos, Amyntas' Sohn, Krateros standen; die Taxeis scheinen kantonweise gebildet zu sein und rekrutiert zu werden, so war die des Koinos aus Elymiotis, die des Perdikkas aus der Orestis und Lynkestis, die des Philippos, die später Polysperchon führte, aus der Tymphaia.

Die hellenischen Schwerbewaffneten, Söldner sowohl wie Bündner standen unter besonderem Kommando; Strateg der Bündner war Antigonos, der spätere König, Strateg der Söldner Menandros, einer der Hetären. Für größere Aktionen scheinen diese Bündner und Söldner mit den makedonischen Hopliten kombiniert worden zu sein in der Art, daß die soundso viel Lochen der makedonischen Taxis, die Pezetären, mit soundso viel Bündnern und Söldnern die Phalanx des Perdikkas, des Koinos usw. bildeten. Das gesamte schwere Fußvolk in Alexanders Heer mag sich auf 18 000 Mann belaufen haben.

Sodann die eigentümlich makedonische Truppe der Hypaspisten. Schon der Athener Iphikrates hatte, um eine Waffe zu haben, die behender zum Angriffe als die Hopliten und schwerer als die Leichtbewaffneten wäre, ein Korps mit linnenen Panzern, mit leichterem Schild und längerem Schwert, als die Hopliten trugen, unter dem Namen von Peltasten errichtet. In Makedonien fand diese neue Waffengattung Eingang vielleicht für die Truppen, die, im Gegensatz gegen das Aufgebot der Miliz, in beständigem Dienst gehalten wurden, wie ihr Name, der Trabanten, Schildtruppen (des Königs) bedeutet, anzudeuten scheint. Der Feldzug von 335 hat uns die Verwendung dieses Korps in mehrfachen Beispielen gezeigt. Oft hinderte das Terrain den vollen Gebrauch der Phalanx, öfter noch waren Überfälle, rasche Züge, Handstreiche aller Art zu wagen, zu denen die Phalangen nicht beweglich, die leichten Truppen nicht fest genug waren; Höhen zu besetzen, Flußübergänge zu forcieren, Kavallerieangriffe zu unterstützen und auszunutzen, waren diese Hypaspisten vor allen geeignet. Das ganze Korps, »die Hypaspisten der Hetairen«, wie sie bezeichnet werden, führte Nikanor, dessen Bruder Philotas die Ritterschaft der Hetairen befehligte, der Sohn des Parmenion. Die erste Taxis führte den Namen des Agema, des königlichen Geleites der Hypaspisten.

In der Reiterei den ersten Rang haben die makedonischen und thessalischen Ilen. Sie sind aus dem ritterlichen Adel Makedoniens und Thessaliens; gleich an Waffen, Übung und Ruhm wetteifern sie unter den Augen des Königs, sich auszuzeichnen, der in der Regel an ihrer Spitze kämpft. Von welcher Bedeutung diese Waffe für Alexanders Unternehmen war, zeigt jede der großen Schlachten, die er geschlagen hat, und vielleicht mehr noch Kavalkaden, wie die letzte Verfolgung des Dareios, die Jagd auf Bessos. Gleich furchtbar in Masse wie im Einzelkampf, waren Alexanders Reiter durch Ordnung und Übung der asiatischen Reiterei, in wie großen Massen sie auch erscheinen mochte, überlegen, ihr Angriff auf das feindliche Fußvolk in der Regel entscheidend. Sie haben Helm, Halsberge, Brustharnisch, Achsel- und Hüftstücke; auch das Roß ist an Stirn und Brust gepanzert; sie führen den Stoßspeer und an der Seite das Schwert. Die makedonischen Hetairen führt Philotas, des Parmenion Sohn, wie es scheint mit dem Namen Hipparch; sie führen den Namen der »Ritterschaft der Hetairen«. Sie bilden acht Ilen oder Geschwader, die bald nach ihrem Ilarchen, bald nach makedonischen Landschaften benannt werden. In der Schlacht bei Arbela stehen die einzelnen Geschwader unter Kleitos, Glaukias, Ariston, Sopolis, Herakleides, Demetrios, Meleagros und Hegelochos. Das Geschwader des Sopolis heißt nach Amphipolis am Strymon, das des Herakleides nach der Landschaft Bottiaia usw. Das des Kleitos wird die königliche Ile genannt und bildet das Agema der Ritterschaft. Unter den thessalischen Ilen ist die von Pharsalos die stärkste und tüchtigste; den Befehl über die thessalische Ritterschaft hat Kalas, des Harpalos Sohn.

Auch hellenische Reiter, Bundeskontingente, sind mit im Heer; sie werden in der Regel den thessalischen zugeordnet, aber als besonderes Korps; sie stehen unter Befehl des Philippos, Menelaos' Sohn. Geworbene Reiter aus Hellas kommen erst in den späteren Feldzügen vor.