Schon ist auch eine Waffe der Akontisten zu Pferd eingerichtet, ihre Zahl ist nicht mehr zu erkennen.

Die nicht minder bedeutenden Veränderungen in der Formation des Fußvolkes, die in dem indischen Feldzuge hervortreten, scheinen erst nach den großen Verstärkungen, die das Heer in Baktrien erhielt, durchgeführt zu sein.

Schon in Persepolis hatte der König Befehl in die Satrapien gesandt, junge Mannschaften auszuheben, im ganzen 30 000 Mann, die nach makedonischer Art zum Dienst ausgebildet und dann als »Epigonen« in die Armee eingestellt werden sollten. Aber schon demnächst, bei seinem zweijährigen Aufenthalt in den baktrischen Landen nahm er Baktrier, Sogdianer, Paropamisaden usw., namentlich als Reiter in Dienst.

Mit einem Wort, das Heer des Königs, bisher aus Makedonen, Hellenen und europäischen Barbaren bestehend, begann sich in dem hellenistischen Charakter, den Alexander seinem Reiche geben wollte, zu entwickeln; und während überall in den Mittelpunkten der Satrapien mehr oder weniger starke makedonisch-hellenistische Garnisonen zurückblieben und sich, so dauernd angesiedelt, aus der bloß militärischen Ordnung auch zu zivilen Gemeinwesen, zu Politien nach hellenischer Art umbildeten, mußten in der Feldarmee die eingereihten Asiaten durch die militärische Gemeinschaft und Disziplin sich zu hellenisieren beginnen.

Diese Feldarmee war doch nicht bloß ein militärischer Körper; sie umschloß noch andere Elemente, andere Funktionen; sie bildete eine höchst eigentümliche Welt für sich. Das Feldlager war zugleich das Hoflager, umschloß die zentrale Verwaltung des ungeheuren Reiches, dessen obersten Zivildienst, das Kassawesen, die Intendanturgeschäfte, die Vorräte für Bewaffnung und Bekleidung der Armee, für den Unterhalt der Menschen und Tiere, den Lazarettdienst; mit dem Heere zogen Händler, Techniker, Lieferanten, Spekulanten aller Art, nicht wenige Literaten, nicht bloß die zum Unterricht der jungen Herren von Adel bestimmten; auch Gäste, hellenische und Asiaten, Laien und priesterliche; an einem Troß von Weibern wird es nicht gefehlt haben; wenn der Lynkestier Alexandros seit den Vorgängen in Pisidien gefangen dem Heere folgte, so wird auch der schwachsinnige Arrhidaios, Philipps Bastard, nicht zurückgelassen sein. Kurz, dies Feld- und Hoflager war gleichsam die bewegliche Residenz des Reichs, der mächtige und mächtig pulsierende Schwer- und Mittelpunkt desselben, der sich von einem Lande zum anderen schob und weilend wie weitereilend sein Machtgewicht wirken ließ.

Vielleicht darf an dieser Stelle noch ein anderer Punkt angeführt werden, auf den die Natur der Sache zu führen scheint. Alexanders Truppen waren in der Bekleidung ausgezogen, welche dem Klima und der Landessitte der Heimat entsprach; war sie für die doch sehr anderen Verhältnisse Irans, Turans, Indiens, für die Strapazen endloser Märsche, für die unvermeidlichen schroffen Wechsel der Ernährung, für Sonnenglut, Winterwetter im Hochgebirge, bald tropischer Regenmonate in gleichem Maße angemessen? Ergab nicht die Fürsorge für die Gesundheit der Mannschaften die Notwendigkeit, den Leib mit dichter schließenden Kleidungen warm zu halten, den Schädel vor Sonnenstich zu hüten, die Beine einzuhüllen, die Füße besser als mit Sandalen oder niederen Schuhen zu schützen, vielleicht nach der Art, wie man sie bei den Völkern dort in Gebrauch sah? Ist das vielleicht die Einführung asiatischer Tracht, die dem Könige zu schwerem Vorwurf gemacht wird? Freilich in der Dürftigkeit unserer Überlieferungen findet sich auf diese, wie auf so viele Fragen keine Antwort.

Zweites Kapitel

Alexanders Zug nach Baktra — Verfolgung des Bessos, dessen Auslieferung — Zug gegen die Skythen am Jaxartes — Empörung in Sogdiana — Bewältigung der Empörer — Winterrast in Zariaspa — Zweite Empörung der Sogdianer — Bewältigung — Rast in Marakanda — Kleitos' Ermordung — Einbruch der Skythen nach Zariaspa. Winterrast in Nautaka — Die Burgen der Hyparchen — Vermählung mit Roxane — Verschwörung der Edelknaben — Kallisthenes' Strafe

Der nächste Feldzug galt dem oxianischen Lande. Dort hatte Bessos, der die Tiara des Großkönigs und den Namen Artaxerxes angenommen, eifrigst Vorbereitungen getroffen, um sich dem weiteren Vordringen der Makedonen zu widersetzen. Außer den Truppen, die noch seit der Ermordung des Großkönigs um ihn waren, hatte er aus Baktrien und Sogdiana etwa 7000 Reiter um sich versammelt, auch einige tausend Daer waren zu ihm gestoßen; mehrere Große des Landes, Dataphernes und Oxyartes aus Baktrien, Spitamenes aus Sogdiana, Katanes aus Parätakene, befanden sich bei ihm; auch Satibarzanes hatte sich, nachdem seine Empörung im Rücken Alexanders mißglückt war, nach Baktrien geflüchtet — ein Unfall, der für Bessos den großen Vorteil mit sich zu führen schien, daß Alexander, zumal von dem großen Wege nach Baktrien abgelenkt, wahrscheinlich die schwer zugänglichen Pässe über den Kaukasus scheuen, und den Feldzug gegen Baktrien entweder ganz aufgeben oder wenigstens Zeit zu neuen und größeren Rüstungen lassen, vielleicht einen Einfall nach dem nahen Indien machen werde; und dann konnte es nicht schwer sein, in den neuunterworfenen Ländern in seinem Rücken einen allgemeinen Aufstand zu organisieren.