„Wir wissen schon lange, daß Sie ein arger Freigeist sind, Herr Fahrtrapp,“ erwiderte die Oberstin, das dargebotene Glas ausschlagend, „aber wer weiß, was noch aus Ihnen dereinst werden wird.“

„Was aus uns allen, Frau Gevatterin; die Substanz meines Leibes verspeisen meine Urenkel vielleicht einmal in einem saftigen Hammelbraten oder gar in einem Spanferkel, und meine Seele – je nun, ein großer Bösewicht bin ich nie gewesen, so wird sich wohl auch noch für diese ein Plätzchen im Elysium finden.“

„Aber um Himmelswillen, Herr Bruder,“ fiel nun Schöffe Weller dem Sprecher in die Rede, „laß doch dies bei einem Tauffest so unpassende Gesalbader.“

„Gerade bei einer Taufe möchte es am passendsten sein, denn jeder Neugeborne ist doch nur ein Kandidat des Todes. Doch das beiseite, muß ich selbst gestehen, daß es mir eines Tages bei einem Mahl, bei dem wir zu dreizehn waren, gewaltig unbehaglich wurde.“

„Wieso?“ fragte Herr Scholze.

„Aha, Herr Freigeist, jetzt kömmt’s,“ sagte die Stadtkommandantin.

„Ja, jetzt kömmt’s,“ fuhr der Antiquar fort, „denn es war kaum für sieben zu essen da, und Sie werden mir allerseits eingestehen, daß dies eine große Fatalität ist. Es war bei dem seligen Senator Brenner.“

„Aber wie zum Henker kamen Sie dazu, bei diesem Filz zu speisen?“ fragte der Oberst Schulter, „diesem wahrhaften Hieronymus Knicker, dem größten Geizhals auf hundert Meilen in der Runde. Der hat mir nie ein Glas Wein angeboten, so oft ich auch in Kriegszeugamtsangelegenheiten zu ihm kam und ...“

„Aber mit all dem Gerede sind wir noch immer zu dreizehn,“ unterbrach Frau Schulter ihren Mann halb im Zorn.

„Ja, wenn du uns verlassen wolltest, wären wir gerade noch ein Dutzend, mein Schatz,“ erwiderte der Oberst seiner Ehehälfte.