„Um Himmelswillen nicht, Frau Oberstin,“ rief der Antiquar, „wer zuerst weggeht, stirbt auch zuerst.“
Die Oberstin war indessen von ihrem Stuhl aufgestanden und hatte bis zur Hälfte den Weg zur Zimmertür zurückgelegt, unschlüssig, was sie tun sollte; endlich wandte sie sich an Frau Scholze und bat diese, sich mit ihr zugleich zu entfernen.
„Leiden Sie das nicht, Herr Scholze,“ sagte Herr Fahrtrapp, „sonst verlieren Sie Ihre schöne Frau, die dann in Kompagnie mit der Oberstin stirbt.“
„Herr Rasor, Herr Fahrtrapp, ich hoffe, daß Sie so galant sind, mich zu begleiten.“
„Oh, daß ich ein Narr wäre,“ antwortete der letztere, „die Galanterie gegen die Damen geht nicht bis zum Tod. Wenden Sie sich doch an Ihren Herrn Gemahl, dann haben Sie auch das Vergnügen, als Ehepaar das Himmelreich zusammen zu betreten.“
„Nun, Kaspar, so komm, wir wollen gehen.“
„Mit nichten, liebes Weib, und am allerwenigsten, wenn ich bei altem Hochheimer sitze, möchte ich diesen im Stich lassen, um in den – Tod zu gehen. Sei keine Närrin und setze dich wieder zu uns.“
Frau Schulter suchte noch einige andere Personen zu bewegen, sich mit ihr zu entfernen, aber zu ihrem großen Verdruß spielten alle die Gefühllosen und die Tauben, namentlich auch die Frau Rat Goethe, welche endlich zu ihrer Schwester sagte:
„Schäme dich doch, die Tante meines Wolfgangs, und so abergläubisch; du machst der ganzen Familie Schande.“
Die Oberstin nahm endlich mit einem süßsauern Gesicht ihren Platz wieder ein.