„Dein Wolfgang, geh mir nur mit dem, das ist mir auch der Rechte, der glaubt an keinen Gott und an keinen Teufel mehr, an dem werden wir noch schöne Dinge erleben.“
„Frau Schwester, das verbitte ich mir, sein Werther hat die ganze Welt entzückt und gerührt und mehr Tränen vergießen machen, als ... als ...“
„Als Wein in allen Kellern Frankfurts ist,“ fiel der Oberst ein.
„Das wollte ich gerade nicht sagen,“ fuhr die Frau Rat fort, „aber Werther, Götz von Berlichingen und Clavigo haben ihm in ganz Deutschland einen Namen gemacht, wenn man in Frankfurt auch diese Werke nicht nach Verdienst zu schätzen weiß[2]. Kein Prophet gilt in seinem Vaterland, und am wenigsten in unserer freien Reichsstadt, da kennt man keinen andern Klang als Batzengeklimper und höchstens den der Posthörner, wenn sie Passagiere verkünden. Aber die Nachwelt, die Nachwelt wird noch erkennen, was ich ihr für ein Geschenk mit meinem Wolfgang gemacht, und wenn wir lange nicht mehr sind, wird Frankfurt stolz auf meinen Sohn sein!“
„Mag sein,“ sagte der Antiquar, „wünsche Glück dazu, aber was nützt es mir, daß der Schornstein vom Bratendampf raucht, wenn ich nicht mehr genießen kann.“
„Eigne Schuld, Herr Fahrtrapp, hatte Ihnen mein Sohn den Werther nicht zu Verlag angeboten?“
„Ich befasse mich nicht mit so sentimentalen Produkten.“
„Aufrichtig, lieber Herr Fahrtrapp, wenn Sie gewußt hätten, was diese Sentimentalität einbringt, Sie würden ihr gewiß die Ehre Ihres Verlags erwiesen haben.“
„Um Vergebung, nein, aber wäre es sein Götz gewesen, den mir Ihr Herr Sohn angeboten, dann würde ich sogleich mit beiden Händen zugegriffen haben.“
„Bei seiner letzten Anwesenheit las mir der Wolfgang einige Stellen aus einem Manuskript, Faust betitelt, vor,“ sagte die Frau Rat, „da hätten Sie hören sollen, welcher Gedankenflug des menschlichen Geistes, welche sublimen Ideen ... und diesen Geist habe ich geboren.“