„Ja,“ setzte Lucilla, die ältere Tochter, hinzu, „man hat uns sehr ernstlich vor diesen Herren gewarnt, sie sollen den Mädchen nur die Köpfe verrücken und, sich dann den Mund abwischend, lachend davongehen.“

„Lügen, lauter Lügen, das können Sie mir glauben, Illustrissima, und zudem bin ich ja kein Franzose, sondern ein ehrlicher tedesco.“

Die Damen sahen mich nun mit großen Augen an, und Giuglietta sagte endlich: „Ja, das habe ich immer sagen hören, daß die Signori tedeschi treu wie Gold und die besten Ehemänner seien.“

„Da hat man Ihnen vollkommen die Wahrheit gesagt, Signorina.“ – Auf dem Rückweg wurden wir nun schon weit vertraulicher, trennten uns aber wieder vor den Toren der Stadt, und den Abend brachte ich bis zum Abmarsch des Bataillons, der um zehn Uhr in der Nacht festgesetzt war, bei der liebenswürdigen Familie zu; bei dem Abschied wurde mir gestattet, die Damen, versteht sich Mama zuerst, zu küssen, und ich wurde auch eingeladen, wenn mich der Zufall wieder nach Bologna führe, nicht vergessen zu wollen, sie zu besuchen, was ich feierlich versprach, und schied, ärgerlich, nicht ein paar Tage länger hier weilen zu können. Aber das ist ja das Los des Soldaten und war es besonders zu jener Zeit. Ich eilte nun auf den Sammelplatz, mein ‚Non piu andrai‘ wieder trillernd, und kam gerade noch zur rechten Zeit an, denn man hatte schon lange rappeliert, als ich noch immer mit meinen Schönen plauderte.

Es war halb elf, als wir den nächtlichen Marsch durch die finsteren Straßen Bolognas zu dem nach Imola führenden Tor hinaus mit klingendem Spiel antraten, welches manche Schöne im Nachtkleid noch ans Fenster lockte.

Da ich in Bologna wenig geruht und also ziemlich müde war, so blieb ich gleich anfangs hinter dem Bataillon zurück, um bequemer marschieren und von Zeit zu Zeit ruhen zu können. Bald hörte ich einen Wagen kommen und erkannte ihn für den der Madame Grenet; dieses Renkontre war mir gerade nicht angenehm, und ich hätte es gerne vermieden, aber die Dame hatte mich trotz der Finsternis bereits erkannt und mir zugerufen: „Herr Leutnant Fröhlich, gehören Sie auch zu den Maroden?“

„Um Vergebung, ich habe mich nur ein wenig verspätet.“

„Nun, was machen Sie denn, Sie lassen sich ja gar nicht blicken.“ (Ich hatte die Dame auf dem ganzen Marsch bisher möglichst gemieden.) „Nicht wahr,“ fuhr sie fort, „Ihre Streiche in Genua, ja, da muß man sich freilich verstecken.“

„Das gerade nicht, Madame, und ich glaube, daß gewisse Damen, deren Anschläge ich genau kennen gelernt, noch mehr Ursache hätten, sich vor mir zu verbergen, als ich mich vor ihnen. Ich bin noch im Besitz eines Billetts, das ...“

„Wozu diese Zänkereien?“ fiel mir Madame Grenet ins Wort. „Ich bin nicht so rachsüchtig, machen wir Frieden; es ist ziemlich kühl, ich biete Ihnen einen Platz in meinem Wagen an, es fährt sich doch besser, als man geht, und Sie kommen dann weniger ermüdet auf der Station an.“