Ferdinand fuhr indessen fort, sich dem Volk täglich mehrmals zu zeigen, und ritt oder fuhr fast ohne Begleitung durch die Straßen von Madrid, wo er immer mit Vivatgeschrei empfangen wurde. Er tat alles, um sich Napoleon und den Franzosen angenehm zu machen; wir wurden fast im Überfluß mit Lebensmitteln versehen, den französischen Offizieren wies man in der Oper und anderen Theatern besonders ausgezeichnete Plätze an, und da Mürat geäußert hatte, daß der Kaiser den Degen Franz I., der seit der Schlacht von Pavia in der Armeria real aufbewahrt wurde, gerne hätte, ließ ihn Ferdinand sogleich durch den Grafen Altemira an Mürat mit den Worten übergeben, daß er sich in keinen Händen besser als in denen des Helden des Jahrhunderts befinden könne. Der Großherzog von Berg, der unterdessen von seinem Schwager weitere Instruktionen bekommen hatte, gab nun dem jungen König zu verstehen, daß es der Kaiser gerne sehen würde, wenn ihm der Infant Don Carlos, Ferdinands Bruder, bis an die Grenzen des Reichs entgegenkäme. Als er dazu seine Einwilligung gab, ließ ihn Mürat bald darauf durch den französischen Gesandten Beauharnais wissen, daß, wenn sich der König Ferdinand entschlösse, Napoleon in eigener Person entgegen zu kommen, dies derselbe sehr hoch aufnehmen und es von dem größten Nutzen für Ferdinands Sache sein würde. Mürat bestätigte selbst die Versicherungen des Gesandten, und der junge König, noch ohne Antwort auf das Schreiben, durch welches er Napoleon seine Thronbesteigung angezeigt hatte, was ihn doch etwas beunruhigen mochte, schwankte noch zwischen Tun und Lassen, als der General Savary, Napoleons Adjutant, mit dem geheimen Auftrag zu Madrid ankam, Ferdinand zu der Reise nach Bayonne zu bewegen. Savary spielte den Fuchs und verbarg unter einer scheinbaren militärischen Offenherzigkeit den eigentlichen Zweck seiner Sendung, indem er sich stellte, als sei er nur gekommen, um den neuen König zu beglückwünschen, und machte diesen glauben, daß seine Gesinnungen gegen seine Eltern ganz mit denen des Kaisers übereinstimmten, daß derselbe die Vorfälle in Aranjuez insgeheim genehmige und ihn sicher als König von Spanien anerkennen werde. Dies alles ließ Savary nur so wie von ungefähr fallen. Er hatte nicht einmal ein Beglaubigungsschreiben aufzuweisen, dabei versicherte er, daß sein Herr bald zu Bayonne eintreffen würde, um sich von da nach Madrid zu begeben. Mürat und Beauharnais stimmten in Savarys Ton ein, ohne noch zu wissen, was Napoleon eigentlich beabsichtige. Um diesen Aussagen noch mehr Wahrscheinlichkeit zu geben, ließ man schon Wagen mit Effekten des Kaisers über die Grenze gehen, auf allen Poststationen Relais bestellen und reitende Garden zu seiner Bedeckung auf denselben verteilen. Es war sogar schon ein kaiserlicher Furier zu Madrid angekommen, der die Wohnung, die in dem königlichen Palast für seinen Herrn bestimmt wurde, besah, sogar die Badeanstalten in demselben anordnete, so daß nun niemand mehr die demnächstige Ankunft Napoleons bezweifelte. Savary fand, daß es jetzt Zeit sei, dem König die Zumutung, seinem Kaiser entgegenzureisen, zu wiederholen, da derselbe bereits von Paris abgegangen sei, was auch wirklich der Fall war, und wenn sich Ferdinand eile, so müsse er in Burgos mit ihm zusammentreffen. Nachdem dieser noch eine Unterredung deshalb mit Beauharnais gehabt, der natürlich mit Savary in ein Horn blies, entschloß er sich zur Abreise, obgleich er wußte, daß Mürat noch fortwährend mit seinen Eltern im Briefwechsel stand. Wir alle wunderten uns nicht wenig über diesen Entschluß, da selbst mehrere französische Generäle sich geäußert hatten: „Der wird schwerlich zurückkehren.“ Aber Ferdinands Räte schienen blind, wie ihr Herr, und fürchteten die Rückkehr des alten Königs und Godoïs, weshalb sie sich nur unter Napoleons Schutz sicher glaubten, und äußerten, es sei eine Beleidigung, einen so großen Helden eines heimtückischen Schurkenstreichs fähig zu halten.

In Begleitung Savarys und seiner vertrautesten Ratgeber reiste Ferdinand den 10. April von Madrid ab. Auf der ganzen Route erwiesen ihm die französischen Truppen die militärischen Ehrenbezeugungen. In Burgos angelangt, wußte man noch nichts von Napoleons baldigem Ankommen; man ging nun nach Vittoria ab, wo es ebenso war. Hier aber übergab Savary, der unterdessen vorausgeeilt und wieder zurückgekommen war, dem hohen Reisenden ein Schreiben seines Herrn, in welchem ihm jedoch der Titel Majestät nicht gegeben wurde. Es enthielt sogar Verweise wegen der Vorfälle in Aranjuez, und Napoleon sprach sich bestimmt als Schiedsrichter über die Angelegenheiten der königlichen Familie aus. Trotz aller Versuche, die man zu Vittoria machte, dem Prinzen endlich die Augen zu öffnen und ihn zu bewegen, nicht weiter zu gehen, und trotz aller Warnungen, die ihm jetzt von mehr als zwanzig Seiten zukamen, indem man ihm sogar das Anerbieten machte, ihn durch einige tausend spanische Zollwachen mit Gewalt aus den Händen der Franzosen zu befreien, im Fall dies nötig sein würde, oder ihn als Maultiertreiber verkleidet in Sicherheit zu bringen, erklärte er dennoch weiter reisen zu wollen, und zwar bis auf französisches Gebiet. Das Volk, besser beraten, wollte ihn nicht fortlassen, schnitt die Stränge an seinem Wagen ab, und es fehlte wenig, so wäre es zum Handgemenge mit den französischen Truppen gekommen, die unter dem Gewehr standen. Trotz alledem ging Ferdinand über die Bidassoa und nach Bayonne, wo sein Bruder schon angekommen war, seine Eltern bald eintrafen, und wo man ihm anfänglich das Königreich Hetrurien für die Krone von Spanien bot.

Zu Madrid hatte unterdessen Mürat die Freilassung Godoïs von der daselbst seit Ferdinands Abreise eingesetzten Junta durch Drohungen ertrotzt, und er wurde den Franzosen übergeben, die auch ihn nach Bayonne sandten. Nun protestierte der alte König gegen seine Abdankung, als durch Aufruhr erzwungen, und Mürat schickte ihn vier Tage später mit der Königin Marie Louise ebenfalls nach Bayonne.

Wir waren indessen in Madrid nicht auf Rosen gebettet, wenigstens waren diese dornig und stachlich genug. Ich hatte mir jedoch, nachdem ich zweimal gewechselt, eine ziemlich angenehme Wohnung zu verschaffen gewußt, in der sich nicht weniger als fünf junge und hübsche Frauenzimmer befanden, von denen noch drei ledig und zwei ausgezeichnete spanische Schönheiten waren. Leider blieb mir gar zu wenig Zeit übrig, denselben gehörig zu huldigen; aber dennoch und trotz des sich schon allenthalben äußernden Franzosenhasses gelang es mir, in nähere Berührung mit zwei Schwestern zu kommen, von denen die eine, Donna Calvanillas, verheiratet, die andere aber, Señora Rosa Maria, noch ledig war. Beide besuchten jeden Tag die ehemalige Jesuitenkirche St. Isidor, die sich in der Nähe ihrer Wohnung befand. Wenn es mir möglich war, begab ich mich zur selben Stunde in diesen Tempel, wo ich weit mehr als im Haus selbst Gelegenheit hatte, mit den Damen bekannter zu werden. Meine Aufmerksamkeit wurde bemerkt und, wie es mir schien, nicht mit ungünstigen Augen. Ich schrieb nun mit Hilfe eines spanisch-französischen Wörterbuchs und einer solchen Sprachlehre ein Billettchen in spanischer Sprache, in welchem ich es versuchte, so lebhaft als möglich den Eindruck zu schildern, den diese kastilischen Schönheiten auf mein Gemüt gemacht. Während sie knieten und ihre Gebete herplapperten, stellte ich mich seitwärts und vor die frommen Schwestern, so daß ich sie im Auge hatte, und als ich sah, daß sie mich bemerkten und manchmal zu mir herüberschielten, hielt ich das Briefchen zwischen den Fingern der rechten Hand, so daß sie es gut sehen konnten, beobachtete auch, wie die eine die andere anstieß und beide dann leise miteinander sprachen. Ich suchte ihnen jetzt durch Zeichen zu verstehen zu geben, daß das Briefchen für sie bestimmt sei; an ihrem Erröten erkannte ich, daß sie mich wohl verstanden haben mußten, und beide hüllten sich tiefer in ihre Mantillas, was ihre Reize noch erhöhte. Als sie die Kirche verließen, kam ich ihnen schnell zuvor und stellte mich an den Eingang derselben, ihnen beim Heraustreten das Billettchen hinhaltend, beide glitten jedoch an mir vorüber, ohne Notiz davon zu nehmen, aber meinen Gruß erwidernd; sie schritten langsam voran, eifrig miteinander sprechend. Ich folgte ihnen in geringer Entfernung, hustete mehrmals, plötzlich drehte sich die eine der Damen um, ging mir ein paar Schritte entgegen, nahm mir mit zur Erde gesenkten Blicken das Billett schnell ab und eilte zu ihrer Schwester zurück. Im Hause sah ich sie diesen Tag nicht wieder, obgleich ich mir alle Mühe deshalb gab, aber den anderen Morgen traf ich sie in der Kirche und kniete hinter ihnen an einem Seitenaltar, sie bittend, mich mit einer Antwort zu beglücken. Ohne mich anzusehen, wurde mir erwidert, ich möge ihnen bei dem Ausgang folgen. In Spanien und namentlich in Madrid dienen die Kirchen noch weit mehr als in Italien zu verliebten Rendezvous, ja die Heiligkeit des Ortes hindert nicht, daß man sich nicht selten, an den Altarstufen kniend, küßt.

Als die Donnas nach kurzem Gebet aufstanden und sich entfernten, gab mir die, welche mir das Billett abgenommen, nochmals ein Zeichen, ihnen zu folgen. Sie gingen nun durch verschiedene Kreuz- und Querwege, durch enge und abgelegene Straßen in eine Calle (Gasse) unweit des Plazuela de la Costanillas, wo sie in ein kleines Haus traten, an dessen Tür sie ein wenig warteten, bis auch ich um die Ecke der Gasse gekommen war und sehen konnte, wo sie eintraten. Man gab mir nochmals einen Wink mit der Hand und verschwand. Ich folgte; eine alte Sybille empfing mich an der Haustür und führte mich durch ein kleines Vorzimmer in ein zweites, wo ich meine beiden Schönen traf. Ich war etwas verlegen, welcher von beiden ich ewige Liebe und Treue schwören sollte, denn das Billett, in dem ich am Schluß auf das dringendste um eine baldige Zusammenkunft gebeten hatte, da ich nicht wissen könne, wieviel Stunden ich noch in Madrid zubringen würde, hatte keine Aufschrift gehabt, Donna Calvanillas aber war es, die es mir abgenommen hatte. Ich war wirklich in einer seltsamen Lage, nicht wissend, welcher ich jetzt eine Liebeserklärung machen sollte. Rosa Maria wäre mir als Mädchen allerdings die liebste gewesen, aber mit der Verheirateten war schneller zum Ziel zu kommen, wenigstens war dies meine Meinung, und es war die richtige. Die Damen schienen meine Unentschlossenheit zu bemerken, und nachdem ich einige spanische Artigkeiten, so gut ich es vermochte, mit italienischen vermischt, gesagt, ging Rosa Maria an ein Fenster des Vorzimmers, die Straße oder den Himmel beschauend und mich mit der Schwester ungestört allein, aber doch die Tür offen lassend. Die Unterhaltung mit der Zurückgebliebenen war an Worten karg und einsilbig, denn wir hatten zu große Mühe, uns zu verständigen, dagegen war sie desto beredter durch Blicke und Mienen, und bald lag die Donna in meinen Armen. Ich bemerkte indessen, daß sich das schwarze Köpfchen der Schwester einigemal an der offen gebliebenen Tür des Vorzimmers zeigte, wohin die Senora auf den Zehen geschlichen war, und neugierige Blicke auf uns warf. Dies hielt mich jedoch nicht ab, an die in den Armen habende Donna die zärtlichsten Liebkosungen zu verschwenden und sie endlich einzuladen, sich mit mir auf die nicht sehr schwellenden Polster einer Art Sofa niederzulassen, wo wir eine halbe Stunde, im Entzücken schwelgend, hinbrachten. Jetzt rief meine Donna auch Rosa Maria wieder ins Zimmer. Nun hatte ich bald eine Schwester in jedem Arm, und der Schäfereien und Tändeleien wurden mancherlei getrieben. Nachdem man sich endlich satt und matt geküßt und die liebenswürdigen Schönen wohl hundertmal „Corazon! Corazon!“, den Lieblingsruf der entzückten Spanierinnen, hatten hören lassen, den ich immer mit einem: „Carissima, bellissima!“ beantwortete, denn an eine zusammenhängende Unterhaltung war nicht zu denken, da ich nicht den zehnten Teil von dem verstand, was mir die lieben Kinder vorschwatzten, so machten wir endlich Anstalt, uns zu entfernen. Nur soviel hatte ich herausgebracht, daß das Haus, in dem wir waren, einer alten Amme der beiden Senoras gehörte, und daß ich mich hüten müsse, sie ferner in unserer Wohnung, auf der Straße oder auch in der Kirche anzusprechen, indem der Cortejo (ungefähr das, was ein Cecisbeo in Italien ist) der Donna Calvanillas, ein ältlicher geistlicher Herr, sie sorgsam bewache. Dagegen könnten wir uns jede Woche einigemal ohne alle Gefahr in der Wohnung der alten Amme sprechen, vielleicht auch bei einer Refrescos oder Tartulia (ersteres sind Nachmittagsgesellschaften, bei denen farbiges Eiswasser, Schokolade, Sorbetti, Gefrorenes, Konfitüren und allerlei Zuckerwerk in großer Profusion gereicht und geplaudert wird, die Tartulia aber sind Abendgesellschaften, die recht munter und unterhaltend sind, zu denen man gerne Fremde einladet und mit zuvorkommender Artigkeit behandelt), die ihre Verwandten bisweilen in ihrer Wohnung veranstalten, sie manchmal sehen, indem sie zu veranlassen hofften, daß ich eingeladen würde. Nach einem zärtlichen Abschied trennten wir uns in der Hoffnung, uns bald wieder hier zu treffen, was aber nur noch einigemal der Fall und zuletzt mit Gefahr verbunden war.

Wenig Zeit blieb mir auch übrig, die Merkwürdigkeiten Madrids kennen zu lernen, denn es verging jetzt beinahe kein Tag mehr, an dem es nicht Alarm gegeben hätte.

Auch die Theater besuchte ich nur wenig, kaum ein halbes dutzendmal, da mir der Dienst dies nicht öfter gestattete und ich mich auch langweilte, indem ich die Sprache zu wenig verstand und meist nur Tonadillas und Sayanetes gegeben wurden, in denen es sehr frei und ungeniert auf der Bühne zuging und wollüstige Stellungen und sehr unanständiges Küssen häufig vorkamen, was nicht hinderte, daß sich Geistliche und Kutten jeder Farbe in Parterre und Logen blicken ließen und sichtbar ergötzten. Auch die italienische Oper besuchte ich, fand mich aber wenig befriedigt, da sie kaum mit den mittelmäßigsten Italiens konkurrieren konnte. Die Theater waren nicht sehr besetzt; bei einem Stiergefecht drängen sich die Spanier ganz anders hinzu.

Der Prado ist so ziemlich der einzige Spaziergang innerhalb der Stadt, wozu man noch die Straße Alcala und Puerta del Sol rechnen kann, da auch diese zum Spazierengehen benützt werden. Er ist aber der unterhaltendste, den man sich denken kann, vielleicht der angenehmste der Welt, und historisch merkwürdig. Er war von jeher auch ein Rendezvous für verliebte Intrigen und Abenteuer, und die Romanschreiber und Dichter Spaniens haben ihn weltberühmt gemacht. Bald waren es die greulichsten Mordszenen, bald politische Komplotte, Verschwörung und Verrat, die zu seiner Berühmtheit beitrugen. Er hat wenigstens siebentausend Fuß im Umfang, eine breite Allee mit vielen Seitengängen durchzieht seine ganze Länge, die Wagen fahren in der Mitte, die Seiten sind für die Fußgänger bestimmt. Diese Promenade beginnt am Tor Ricoletos, geht über die Straße Alcala, bis an das Tor Atocha, ein Weg von beinahe einer Stunde. Der Zulauf ist hier außerordentlich. Die Damen der höheren Stände besuchen ihn nur in Wagen, die zu Fuß Gehenden sind meistens aus dem niederen Bürgerstande, schwarz gekleidet und mit der beliebten Mantilla versehen, die nur eine Spanierin zu tragen versteht.

Kaffeehäuser gibt es zwar in großer Zahl zu Madrid, aber sie sind mit denen in Frankreich und Italien nicht zu vergleichen, oft wahre Spelunken, in denen man sehr schlecht bedient wird. Nicht viel besser sind die Gasthöfe. – Nirgends sind wohl die Nymphen der Freude so verführerisch wie in Madrid. Man teilt sie in Cortesanos, Majos und Muchachas, von denen die ersten die vornehmsten, meist unterhaltene Mädchen sind, die aber noch ihre Extraliebhaber nebenher haben. Die Majos, wie die Loretten in Paris, wählen noch, die letzten aber sind völliges Gemeingut. Sobald die Göttin der Nacht ihren Schleier auszubreiten und die Dämmerung beginnt, schwärmen sie gleich Bienen und Fledermäusen aus allen Gassen hervor, wobei sie Rosenknospen ähnliche Mäulchen machen und ihr meist rabenschwarzes Seidenhaar zum Teil sehen lassen. Öffnen sie den Mund, so zeigen sie zwei Reihen der schönsten Perlenzähne. Ihr Wuchs ist in der Regel ätherisch schlank. Sie haben immer ein recht frisches Aussehen und meist die verführerischesten kleinen Füße, dabei eine wohltönende, melodisch-lockende Sirenenstimme. Dennoch ließ ich mich nicht verlocken, obgleich ich mir die Ohren nicht mit Baumwolle verstopft und scharfsehende Augen hatte. Die Geistlichkeit und Mönche sind ihre besten Kunden, zahlen aber oft nur mit Absolution, büßen aber nicht selten dafür durch abscheuliche Krankheiten.

Die Einwohner Madrids sind ein sehr lebenslustiges Volk. Besonders heiter ist man des Abends und bis tief in die Nacht hinein, wo alle Spaziergänge und öffentliche Orte mit Menschen angefüllt sind und man sich auch im Freien zu Tartulias versammelt, sehr munter ist, und wo es oft toll genug zugeht. Die Frauen sieht man selten ohne ihre Mantilla, unter welcher sie die Basquina, ein langes schwarzseidenes Kleid tragen. Namentlich sind in den Kirchen alle so gekleidet, und diese Tracht steht denen, die schön gewachsen, was die meisten sind, bezaubernd. Auch haben sie die schönsten Augen von der Welt, mit denen sie wahrhaft durchbohrende Blicke zu schleudern verstehen. Der Cortejo (Cicisbeo oder Courmacher) der Damen ist meistens ein Kanonikus oder Geistlicher, bisweilen auch ein Offizier, ein Verwandter des Mannes. Die ersteren sind in der Regel schon bei Jahren, betrügen dennoch aber die Ehemänner, die sie anstellen, nicht selten. Die machen gar oft den Bock zum Gärtner, und je älter der Bock, desto steifer das Horn, heißt es bei diesen gezwungenen Hagestolzen der Kutte. Die spanischen Damen haben auch eine ganz besondere Liebhaberei an Papageien, Kakadus, Affen und ähnlichen Tieren, die man an den Fenstern fast eines jeden nur mittelmäßigen Hauses sieht. In den Nächten hört man, bis die Mitternachtsstunde vorüber, Gitarren und Mandolinen auf allen Straßen vor den Balkonen der Schönen erklingen, ein Gebrauch, den, wie diese Instrumente selbst, die Mauren nach Spanien brachten. Der Fandango ertönt allerorten und ist, von den reizenden üppigen Spanierinnen aufgeführt, ein Tanz, der den Zuschauern alles Blut in Wallung treibt und selbst in Wollust getaucht scheint. Der heilige Antonius selbst würde, und wenn er auch zehn Jahre lang nichts als Wurzeln und Kräuter gegessen und nur noch Haut und Knochen gewesen, diesem Versucher schwerlich widerstanden sein. Ja der frömmste Büßer muß seine Buße zu allen Teufeln wünschen, wenn eine junge, vollbusige, schlanke Andalusierin diesen, alle Sinne verwirrenden Tanz mit ihrer unwiderstehlichen, fast überirdischen Anmut aufführt.