Unter den vielen Kirchen dieser Stadt sind sehr prächtige, die, sowie die Klöster, besonders das der Dominikaner und der Inquisitionspalast in der Stadt, große Schätze und Sehenswürdigkeiten besitzen. Diese Stadt hat auch einen sehr schief gebauten überhängenden Turm, gleich denen zu Bologna und Pisa, der sehr hoch ist und mitten auf einem freien Platz steht. Die berühmteste Kirche ist die Unserer lieben Frauen del Pilar, ein sehr prachtvolles, reiches Gebäude, das wir aber nur, sowie die meisten anderen, aus gehöriger Ferne bewundern konnten. Die Spaziergänge an den schönen Ufern des Ebro und des Huerba sind reizend und zum Teil mit Torres (Landhäusern) und Alleen versehen. Die um die Stadt herumliegenden Gärten, Huertas, sind meistens groß, hübsch und mit Geschmack angelegt. Die vielen Klöster, welche zum Teil in der Nähe der Tore liegen und aus Backsteinen erbaut sind, kann man gewissermaßen als diese verteidigende Bastionen betrachten. Die mit gelblackierten glitzernden Steinen bedeckte Kuppel der Kirche der Madonna del Pilar und andere, sehen von ferne goldenen Dächern gleich.

In der Nähe von Saragossa fand am 20. August 1710 die berühmte Schlacht statt, in welcher die Truppen Philipp V. von denen Karls von Österreich, die sich um das Erbe Karl II. stritten, auf das Haupt geschlagen wurden.

Die Einwohner Saragossas, namentlich der niederen Klassen, sind ein sehr kräftiger, starker Menschenschlag, und gegen Witterung und Entbehrungen aller Art abgehärtet. Viele derselben kennen ein Bett nur dem Namen nach oder besteigen ein solches zum erstenmal, wenn sie sich verheiraten.

Es war ein Kartätschenschuß, der zuerst unter die Reihen der in Saragossa wie zu einer Parade einmarschierenden französischen Kolonne fuhr, die vordersten Glieder derselben blutig niederwarf und die Truppen zum schleunigen Rückzug aus der Stadt bewog. Lefebvre-Denouette hatte statt eines feindlichen Angriffes und der Kanonenschüsse eine bewillkommende Deputation erwartet. Er ließ zwar kurze Zeit darauf Angriffskolonnen formieren, um die Westseite der Stadt zu stürmen, auch war das Karmelitertor bald eingeschossen und genommen worden, aber dem weiteren Vorrücken standen die todbringenden Feuerschlünde entgegen, die des zu engen Raumes wegen nicht zu nehmen waren. Dabei wurde auch unausgesetzt aus den Häusern auf die Truppen gefeuert. Eine Abteilung von mehreren hundert Mann war zwar bis auf den Platz de la Misericordia über einen Teil der Stadtmauern vorgedrungen und wollte dem Feind in den Rücken fallen. Aber dieser Versuch fiel schlecht aus. Von der Übermacht umringt, fielen die meisten unter den Streichen der Spanier, nur wenigen gelang es, dem Tode für den Augenblick zu entrinnen, indem sie sich in eine Kaserne retirierten, aus der sie jedoch ebenfalls bald wieder flüchten mußten, da diese von den durch das Dach eindringenden Landleuten in Brand gesteckt wurde. Jetzt führte man einen allgemeinen Angriff, die Fahnen und Adler an der Spitze der Regimenter, gegen die Stadt aus und stürmte unter dem Ruf: „Vive l’Empereur!“ gegen die Tore. Die Kavallerie sprengte voran, wurde aber durch das Kanonenfeuer niedergeschmettert und zurückgetrieben. Nicht besser erging es der nachrückenden Infanterie, welche dem Kartätschenhagel in den Straßen und dem Kugelregen aus den Häusern ebenfalls weichen mußte. Als es den Spaniern an Kugeln und Blei zu mangeln begann, holten Weiber und Kinder solches aus den Magazinen herbei und brachten sie ihren Gatten, Vätern und Brüdern, sogar alte Knöpfe, Nägel, Eisenblech und altes Eisen schleppten sie hinzu, damit das Kartätschenfeuer unterhalten werden konnte; ebenso Wein, Brot, Käse und Wasser zur Erfrischung der Kämpfenden, denen sie oft die Bissen in den Mund steckten, während diese luden und abfeuerten, und dabei schrieen sie unaufhörlich: „Es lebe Maria del Pilar!“ In die meist dreistöckigen, von Backsteinen erbauten Häuser trugen sie schwere Steine, Balken, Eisen und so weiter, um es den andringenden Truppen auf die Köpfe zu werfen. Eine Fahne, die ein tödlich getroffener Unteroffizier vom zweiten Weichselregiment hatte fallen lassen, holte ein zehnjähriger Knabe, unter den Kämpfenden hinkriechend, und lief mit seiner Beute jubelnd davon. Schon lagen ganze Haufen von Toten an den Toren und noch hatten die Franzosen wenig oder gar kein Terrain gewonnen. Ein abermaliger allgemeiner, im Sturmschritt stattfindender Angriff hatte keinen besseren Erfolg und wurde mit großem Verlust zurückgeschlagen. Über dreitausend Mann, sechs Kanonen und mehrere Fahnen hatte man schon vor Saragossa, einer nicht befestigten Stadt, verloren, und die Aragonier schmückten sich mit den Waffen und Kleidern der in der Stadt gefallenen Feinde. Nach der letzten Waffentat wurde die folgende Nacht ganz Saragossa, gleichsam zum Hohn des Feindes, illuminiert, und man brachte sie betend in den Kirchen zu. Während die Franzosen den anderen Tag Streifzüge in die umliegenden Dörfer machten, diese plünderten und Subsistenzmittel requirierten, warfen die Einwohner neue Verschanzungen auf und setzten ihre Stadt in den besten Verteidigungszustand, Batterien errichtend und alle Mauern und Gebäude an derselben mit Schießscharten versehend. Sie hieben zugleich alle in der Nähe befindlichen Bäume um und machten Verhaue an allen Eingängen der Stadt, um der Reiterei das Vordringen unmöglich zu machen. Angetragene Kapitulationen wurden stolz zurückgewiesen und durch racheatmende Manifeste beantwortet, in denen es hieß: daß man alle französischen Gefangenen niedermachen würde und so weiter. Die Mönche, Geistlichen und Gerichtsspersonen machten Sicherheitsronden und Patrouillen, man tat sogar Ausfälle auf die Belagerer und nahm ihnen einige Kanonen weg. Indessen war Palafox, der einen nächtlichen Marsch nach Epila mit siebentausend Mann, bei denen auch das neuorganisierte Regiment Ferdinand VII. war, unternommen, zurückgeworfen worden und hatte dabei mehrere Kanonen verloren. Wenige Tage darauf kam Verdier mit seiner Division, nebst Belagerungsgeschütz von Pampeluna und auch unser Bataillon vor Saragossa an. Verdier übernahm nun den Oberbefehl sämtlicher Belagerungstruppen, die Belagerten erhielten aber auch von Zeit zu Zeit Sukkurs. Kurz nach unserer Ankunft fand eine furchtbare, die Erde erschütternde Explosion in der Stadt selbst statt. Das zu einem Pulvermagazin umgeschaffene Seminarium, in welches man das Pulver von Monte Torrero gebracht hatte, wurde durch Unvorsichtigkeit in die Luft gesprengt. Die Wirkung war schrecklich. Es schien, als wanke der ganze Erdboden, alle Häuser zitterten, und außer dem Seminarium lagen noch einige zwanzig Gebäude in Trümmern und ihre Bewohner unter denselben begraben. Nachdem die erschrockenen Einwohner aus den Häusern gestürzt, und erfahren hatten, was die Ursache dieser entsetzlichen Erschütterung gewesen, war ihre erste Sorge, neues Pulver anzuschaffen. Gewiß ist es, daß, wenn wir die erste Bestürzung, in die dieses Ereignis die ganze Stadt versetzt, benutzt und einen allgemeinen Sturm unternommen hätten, wir leicht Herr derselben geworden wären. So aber ließ man beinahe vierundzwanzig Stunden verstreichen, ehe man einen solchen Angriff begann. Die Einwohner hatten Zeit gehabt, sich zu sammeln und zu beruhigen, da sich noch hinlänglich Munition vorfand, und die Attacke wurde auf allen Seiten abgeschlagen. Doch nahmen wir bald darauf den von Bürgern und Bauern besetzten Monte Torrero, der die Stadt von der Südseite dominiert, nach kurzem Widerstand, da er nicht besonders gut verschanzt war. Der spanische Offizier, der daselbst kommandiert hatte, Oberst Falio, wurde auf Befehl der Junta vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode verurteilt und erschossen. Auf dieser Höhe wurden nun Batterien gegen die Stadt errichtet und dieselbe von hier aus heftig bombardiert. Die meisten Bomben fielen in die Mitte der Stadt und richteten manchen Schaden an, ebenso die Batterien von San Bernardo, und das Sturmläuten von den Türmen währte nun Tag und Nacht ununterbrochen fort. Bei der Nacht bildeten die Bomben und glühenden Kugeln feurige Bogen in der Luft, ein furchtbar-schönes Schauspiel! Einige fielen in die Kirche Madonna del Pilar, viele auch zischend in die Fluten des Ebro, und der Schaden war nicht so groß als wir glaubten, obgleich schon weit über tausend Bomben geworfen waren. Die in die Kirchen gefallenen Kugeln hatten fast gar kein Unheil gestiftet, und die Priester machten das Volk glauben, daß man es der Madonna zu danken habe, daß so viele feurige Kugeln in den Fluß fielen. Unser Bataillon wurde zu einem Angriff gegen das Portillo-Tor verwendet, und als wir nahe daran waren, die daselbst errichteten Batterien, deren Kommandant schon gefallen war, zu nehmen, stürzten sich ganze Haufen bewaffneter Bürger auf dieselben, machten sie uns von neuem streitig und die Wegnahme unmöglich. Bei dieser Gelegenheit zeichnete sich ein kaum neunzehnjähriges hübsches Mädchen, das Augusta geheißen haben soll, durch einen selbst bei Männern seltenen Heroismus aus. Sie hatte nämlich ihrem Geliebten, der daselbst kämpfte, das Essen gebracht. Aber in dem Augenblick, als sie ankam, stürzte dieser tödlich getroffen nieder. Das Mädchen warf das Essen zu Boden und sich auf den geliebten Gegenstand, den sie fest umklammerte. Dann rafft sie sich aber wieder schnell und gefaßt auf, ihre Blicke verraten Schmerz, Zorn und Wut zugleich. Noch hält der Sterbende die brennende Lunte, mit welcher er die geladene Kanone auf uns abfeuern wollte, krampfhaft zuckend in der Hand. Sie entreißt ihm dieselbe, entzündet das Geschütz, auf das wir im Begriff waren, einzudringen, und mehr als ein halbes Dutzend der Unsrigen sinken tödlich getroffen nieder. Das Mädchen war schön, hatte besonders einen herrlichen Wuchs, ihre zornglühenden Wangen, ihre feuersprühenden Augen gaben ihr das Ansehen einer Pallas. Durch das Beispiel dieser Heroine angefeuert, eilen die erst vor Staunen starren Spanier ihr zu Hilfe. Es erhebt sich ein mörderischer Kampf um die Kanonen, und wir müssen zuletzt mit bedeutendem Verlust vor den sich immer mehrenden Haufen, in deren Mitte die neue Johanna d’Arc anfeuernd kämpft, zurückweichen, die Kanone im Stiche lassend, die nun aufs neue den Tod in unsere Reihen sendet. Das Mädchen war in der Tat sehr schön und erschien uns hier als ein höheres, wunderbares Wesen. Alles hätte ich darum gegeben, sie lebendig fangen zu können, und lange schwebte mir dieses Bild vor Augen. Auch ich hatte einen Streifschuß am linken Oberarm erhalten und zwei Kugeln waren mir durch den Hut gegangen. Hiebe und Stiche hatte ich unzählige pariert. Die Spanier erlangten nun verschiedene Vorteile und entrissen uns mehrere schon besetzte Punkte, namentlich auch ein Kloster, das wir schon genommen hatten. Erst als wir wieder unter den Oliven angekommen waren, ließ ich meine leichte Wunde verbinden. Nachdem wir uns wieder mit frischer Munition versehen hatten, die zum Teil von Calatayud geholt werden mußte, machten wir uns zu neuen Angriffen bereit. Palafox schien ein wahrer Überall und Nirgends zu sein. Bald war er in der belagerten Stadt, bald hieß es: er sei hinter unserem Rücken mit einem bedeutenden Hilfskorps im Anzuge. Bald spukte er auf dem rechten, bald auf dem linken Ufer des Ebro und so weiter, und wohin er kam, belebte er alles mit neuem Mut. Eine der größten Schwierigkeiten war, die nötigen Lebensmittel für unser Armeekorps herbeizuschaffen. Bei diesem Geschäft wurden die zunächst liegenden Städte und Orte beständig in Requisition gesetzt, die aber alle, besonders die cinco Villas (fünf verbundene Städte in der Umgegend), sehr patriotisch und sehr feindlich gegen uns gesinnt waren, und kleine Detachements bisweilen zu Gefangenen machten. Ein seltsames Verteidigungsmittel hatte eine derselben, die Stadt Exea, ersonnen, als sie mit Gewalt Lebensmittel und andere Dinge liefern sollte. Zwei Kompagnien waren dahin abgeschickt worden, um die Requisition beizutreiben. Sie marschierten auch ohne den mindesten Widerstand bis in die Mitte der Stadt. Kaum aber hatten sie auf einem Platz derselben das Gewehr bei Fuß genommen, als sich plötzlich die großen Tore eines langen Gebäudes öffneten und einige zwanzig wütender Stiere heraus und auf sie lossprangen. Zu gleicher Zeit wurde aus allen Fenstern der umstehenden Häuser auf die Mannschaft gefeuert, die genug zu tun hatte, den unbändigen gehörnten Feind abzuwehren. Der größte Teil dieses aus hundertsechzig Mann bestehenden Detachements wurde getötet oder gefangen, und nur einer kleinen Zahl gelang es, das Belagerungsheer zu erreichen und den seltsamen Überfall und Kampf zu berichten. Dies war gewiß ein ganz eigenes Stiergefecht. Diese Stadt, deren Namen Exea-de-Los-Caballeros ist, und die zwölftausend Einwohner hat, liefert die vorzüglichsten Stiere zu den gewöhnlichen Stiergefechten.

Der Kampf in und um Saragossa währte ununterbrochen fort. Ein Bataillon aragonischer Freiwilliger, das kürzlich unter dem Schall der Musik einmarschiert war, machte einige glückliche Ausfälle, wobei es sogar einige unserer Batterien demolierte. Außerdem wurden wir auf unseren Flanken und im Rücken fast unaufhörlich von Guerillas beunruhigt, die sich jetzt zu zeigen begannen und die wir nur mit Mühe abwehren konnten. Bomben und Granaten wurden nur noch spärlich in die Stadt geworfen, der wir durch die Arbeiten der Ingenieure immer näher zu kommen suchten. Endlich gelang es, eine Brücke über den Ebro unterhalb Saragossa zu schlagen, und so auch auf dem linken Ufer dieses Flusses Posto zu fassen, durch welchen die Kavallerie, da er sehr seicht war, ritt. Wir suchten nun auch die Vorstadt einzuschließen und so der Stadt alle Kommunikation mit der Umgegend abzuschneiden, verbrannten die Mühlen, wodurch die Belagerten gezwungen waren, Pferdemühlen in der Stadt einzurichten, um Mehl zu haben, ebenso die Fabrikation des Pulvers innerhalb ihrer Mauern vorzunehmen, dessen sie täglich einige Zentner verfertigten. Die Mönche füllten die Bomben und machten die Patronen. Bei all dem konnten wir sie doch nicht so gänzlich einschließen, daß es ihnen unmöglich gewesen wäre, von Zeit zu Zeit Zufuhren und Verstärkungen einzulassen. Unterdessen machten unsere polnischen Truppen einen Angriff auf das Kloster Sankt Joseph, das mit vielen Schießscharten versehen war, wurden aber bei der ersten Attacke zurückgeworfen. Bei einer zweiten gelang es ihnen, dasselbe mit bedeutendem Verlust zu nehmen, wobei sie alles niedermachten, was ihnen in die Hände fiel. Noch hartnäckiger war der Kampf um das Kapuzinerkloster, wo man sich mit der größten Erbitterung von Zelle zu Zelle, bis in die Kreuzgänge, die Kirche und an den Chor um den Hochaltar herumschlug, und endlich wurde das Kloster von seinen Verteidigern, als sie sahen, daß sie es nicht behaupten konnten, in Brand gesteckt. Wir waren nun der Stadt von allen Seiten bis auf Büchsenschußweite näher gerückt. Das Schloß Aljaferia zu nehmen war uns jedoch trotz der größten Anstrengungen nicht geglückt, obgleich die Batterien bald Bresche gemacht hatten. Aber es fehlte uns hauptsächlich an den nötigen Sturmleitern. Noch mehrmals wurden Stürme auf verschiedene Tore vergeblich versucht, und bei dem Kloster der Barfüßer verloren wir viele Leute, ohne es nehmen zu können. Von dem Josephskloster aus, das jetzt in unseren Händen war, hatten wir indessen die Stadt so eingeschlossen, daß von dieser Seite alle Verbindung nach außen unmöglich war. Wütende Ausfälle, welche die Belagerten machten, um diese Kommunikation wiederherzustellen, sowie stürmische Angriffe auf die über den Ebro geschlagene Brücke wurden siegreich und mit großem Verlust von seiten der Spanier, denen die Reiterei viele Leute tötete, zurückgeschlagen.

Napoleon, der beinahe vor Ungeduld vergehen wollte, weil das unbefestigte Saragossa so lange nicht bezwungen werden konnte, hatte seinen Adjutanten, den Ingenieuroberst Lacoste, abgesandt, die Belagerung zu leiten, der nun alle Angriffe anordnete. In der belagerten Stadt sah es indessen auch nicht zum besten aus, die Munition fing an zu fehlen, die Toten lagen in vielen Gassen unbegraben, die Lebensmittel wurden immer teurer, seltener und schlechter; dennoch verloren die Einwohner den Mut nicht, die Frauen teilten sich sogar in Kompagnien ein, um den Dienst oder die Pflege der Verwundeten zu besorgen; eine Gräfin Burista war Kommandeur dieses seltsamen Regiments. Einen Ausfall, den die Spanier aus der Vorstadt auf dem linken Ufer des Ebro unternahmen, glückte ihnen so, daß sie sich, trotz der heftigsten Gegenwehr, eines Postens bemächtigten, ihn behaupteten, auch mehrere Gefangene machten, die sie im Triumph unter dem Jubelgeschrei des Volkes durch die Straßen führten. Hierbei hatte sich das von Palafox neuformierte Ulanenregiment besonders ausgezeichnet. Lacoste ließ nun Wurfbatterien errichten und von denselben unaufhörlich Bomben in die Stadt schleudern, ebenso Breschbatterien, von denen eine mit zehn Haubitzen vom größten Kaliber besetzt war; nichtsdestoweniger wütete der Kampf unter Mauern und Toren fort. Wir hatten die Nachricht erhalten, daß König Joseph, der Spanien mit einer neuen Konstitution beschenkte, in Madrid eingezogen sei, und Verdier hoffte, daß sich auf diese Nachricht Saragossa ergeben würde; aber Palafox beantwortete diese mit der Neuigkeit der Schlacht von Baylen und der, daß Dupont mit seinem fünfzehntausend Mann starken Korps kapituliert und das Gewehr gestreckt habe, was Napoleon wütend machte. Palafox wollte weniger als je von einer Übergabe reden hören. Man sprach auch viel von dem schönen Empfang, der Joseph bei seinem Einzug in Madrid geworden, erzählte sich sogar, daß er mit Steinwürfen begrüßt sei. Jetzt wurde von unserer Seite alles getan, die Stadt bald zu erobern, alle Mörser und Kanonen versah man sofort mit einem Bedarf für vierhundert Schüsse, und den 4. August spielten mit dem Grauen des Tages die Geschütze aller Batterien, welche meistens auf Kirchen und Klöster gerichtet waren, auf die jetzt ein Bomben- und Kugelregen fiel. Mönche und Nonnen verließen ihre Zellen, sich in Privathäuser flüchtend, Kranke und Wahnsinnige aus dem großen Hospital Nuestra Senora de gracia, in deren Gemächer Bomben gefallen waren, hatten sich von ihren Ketten befreit, und durch den Schrecken noch wütender gemacht, rannten sie mit tollen Geschrei durch die Straßen. Alle Reliquien, Monstranzen und andere heilige Kostbarkeiten wurden eiligst in feuerfeste Gewölbe geschafft. Aus den nahen Laufgräben unterhielten wir zu gleicher Zeit ein rollendes Gewehrfeuer auf alle, die sich blicken ließen. Als endlich mehrere Breschen durch das Kanonenfeuer praktikabel gemacht waren, rückten wir im Sturmschritt von zwei Seiten auf die Stadt los, und nun kam es auf den Trümmern der Mauern und Gebäude zum wütendsten Handgemenge. Die Kolonne, zu der wir gehörten, nahm gegen elf Uhr das Kloster Santa Ingracia, bald darauf wurde auch die Puerta del Carmen genommen, und über die Leichen ihrer Verteidiger schreitend, breiteten wir uns in den nächsten Straßen aus. Den eindringenden Truppen hatte man den Coso, die größte mitten in der Stadt gelegene Straße als Vereinigungspunkt angegeben. Wir marschierten jetzt durch die Ingracia-Straße im Sturmschritt nach diesem Punkt, wo wir Befehl erhielten, uns nach verschiedenen Richtungen zu verbreiten, um den stärksten Posten in der Stadt in den Rücken zu fallen; aber es war unmöglich, sich Bahn durch die alten, sehr engen Gassen zu brechen, welche Haufen verzweifelter Wütender, die meistens von einem Priester im Ornat, ein Kruzifix schwingend und eine geweihte Hostie in der Hand, angefeuert, sich gleich gereizten Löwen verteidigten, und dabei regnete es Steine, siedendes Wasser und Öl auf uns herab. Unser Bataillon erreichte dennoch den Magdalenenplatz, wurde aber daselbst mit Kartätschenfeuer empfangen, und wir mußten uns, wollten, wir nicht abgeschnitten werden, da aus allen Straßen bewaffnetes Volk herbeiströmte, wieder gegen die Mitte des Coso zurückziehen. Hier griff uns ein wütender Haufen, von einem Priester, der eine Kirchenfahne schwang, angeführt, ganz unvermutet an, und der Anführer unserer Kolonne wurde von einem rasenden Mönch niedergestochen. Ich übernahm jetzt das Kommando derselben und zog mich fechtend auf das Kloster Santa Fé zurück, von wo aus ich die Feinde mit Vorteil angriff und mich dann in der Kaserne Minones, die neben dem Kloster lag, festsetzte. – Wir glaubten nun endlich die Stadt genommen und daß die Einwohner zu Kreuz kriechen würden. Dies würde sicher auch der Fall gewesen sein, wenn sich unsere Leute nicht so früh der Plünderungswut überlassen hätten und in die Häuser gedrungen wären, ohne daß es möglich gewesen, sie davon abzuhalten; die wenigsten kamen wieder lebendig heraus, sondern fanden den Tod in denselben. Ich hatte zuletzt kaum mehr zweihundert von der an tausend Mann starken Kolonne beisammen; so wie die Offiziere den Rücken drehten, liefen zehn und zwanzig in ein Haus. In einer Kirche, durch die wir bei dieser Gelegenheit zogen, erinnere ich mich ein Gemälde im Vorübergehen gesehen zu haben, das einen Heiligen darstellt, der in einer vierspännigen Galakutsche in den Himmel einfährt!

Den Moment für günstig haltend, bot Verdier, der sein Hauptquartier in dem Kloster Santa Ingracia aufgeschlagen hatte, nochmals eine Kapitulation an, auf die mit den Worten: „Krieg bis in den Tod!“ durch Palafox geantwortet wurde. Zugleich ließ er auf den schiefen Turm der Stadt zwei Fahnen pflanzen, die eine blutrot und die andere weiß mit einem roten Kreuz, um den Spaniern in der Vorstadt und der Umgegend zu beweisen, daß er noch Herr der Stadt sei. Bald rückten auch neue Verstärkungen ihren Landsleuten zu Hilfe an und über die Brücke in die Stadt, aus deren Häusern man jetzt die getöteten oder noch halb lebenden Soldaten von den höchsten Stockwerken hinabwarf, wobei die Weiber, auch Kinder hilfreiche Hand leisteten, und mehr als einer dieser Unglücklichen war durch den Dolchstich einer schönen Saragosserin gefallen, mit der er den Tod umarmt und so den Moment der Ausschweifung mit dem Leben bezahlt hatte. Der Kampf in den Straßen wurde noch heftiger, und aufgetürmte Leichen bildeten nicht selten eine Brustwehr. Die Kompagnie eines Weichselregiments hatte sich hinter lauter getöteten Kapuzinern und Karmelitern verschanzt, andere machten sich Bollwerke aus in Häusern weggenommenen Matratzen. Bald sah ich ein, daß ich mich nicht lange mehr in Santa Fé würde halten können, suchte mich daher kämpfend dem Coso zu nähern und mußte dabei über ganze Haufen von Toten steigen. Hier hatten wir noch das Franziskanerkloster und dessen Kirche inne und verschanzt. – Das Bombardement währte beständig fort sowie das Sengen, Brennen und Morden, und die klaffenden Wunden der Leichen gingen bei der großen Hitze schnell in Fäulnis über und verpesteten die Luft. – Nach diesem furchtbaren Tag brachten wir auch noch die von den Flammen der brennenden Gebäude hellgelichtete Nacht unter den Waffen und zum Teil fechtend zu. Mit Tagesanbruch erhielten die Spanier abermals bedeutende Verstärkungen, welche durch die Vorstadt, die wir nie ganz hatten einschließen können, gedrungen waren, und die reichliche Munition für die Belagerten brachten. Dies machte, daß wir uns außerstande befanden, die Stadtteile länger zu behaupten, in deren Besitz wir waren, besonders da die Feinde die hinteren Mauern der Häuser, in denen sich unsere Leute befanden, einschlugen, in dieselben drangen und so ein Haus nach dem anderen kämpfend und mit großem Verlust geräumt werden mußte. Zugleich wurde ein furchtbares Feuer von allen Dächern und aus allen Fenstern auf die aus den Häusern flüchtenden sowie überhaupt auf alle in den Straßen sich befindenden Truppen unterhalten. Mehrere Stunden währte dieser mörderische Häuserkampf fort. Noch waren wir im Besitz des Franziskaner- und des San Diegoklosters sowie von Santa Ingracia. Jetzt erhielt Verdier die Nachricht, daß Palafox, der während der Nacht die Stadt verlassen, mit sechstausend wohlbewaffneten Aragoniern im Anzug sei. Wir mußten eiligst alle unsere auf dem linken Ufer stehenden Truppen zurückziehen und stellten eine starke Reserve auf dem Monte Torrero auf. Dies gab Veranlassung zu einer komischen und galanten Episode dieses Wettkampfes. Um unsere Kommunikation mit den noch von uns besetzten Teilen der Stadt zu unterhalten, mußten wir ein Nonnenkloster wegnehmen, dessen wir zu diesem Zweck bedurften; hier fanden wir ungefähr dreißig Schwestern nebst einer Äbtissin, die gefangen abgeführt wurden und unter denen sich zwei sehr artige Novizen und ein halbes Dutzend noch ganz junger und hübscher Nönnchen befanden. Mir wurde der Auftrag zuteil, die frommen Kinder in Sicherheit zu bringen. Nachdem ich die verzweiflungsvollen Schönen so gut als möglich zu beruhigen gesucht, eskortierte ich sie selbst, und zwar nicht ohne Gefahr, daß eine oder die andere verwundet oder gar getötet würde, denn die Kugeln hörten nicht auf zu sausen, nach dem Monte Torrero; aber trotz meiner kräftigsten Versicherungen, daß ihnen nichts zuleide geschehen solle, weinten sie dennoch unaufhörlich und schienen trostlos. Nichts half es anfänglich, daß alle Offiziere, die mit ihnen in nähere Berührung kamen, ihnen ein Gleiches versicherten. Als sie aber sahen, daß man fortfuhr, sich so artig und galant gegen sie zu benehmen und ihnen alle mögliche Aufmerksamkeit und Zuvorkommenheit erwies, fingen sie endlich an, sich in ihr Schicksal zu ergeben, ihre Tränen zu trocknen und nahmen etwas Speise und Trank zu sich. Man räumte ihnen die besten Erdhütten ein, welche die Soldaten noch besonders bequem für sie einrichteten und verwahrten, und nach zweimal vierundzwanzig Stunden waren sie schon ziemlich dieses Kampagneleben gewöhnt, besonders die Jüngeren. Sie fingen an, mit uns zu lächeln, wohl auch zu schäkern und ließen sich bald halb gezwungen, halb freiwillig ein Küßchen rauben; die meisten waren aus angesehenen spanischen Familien. Da sie sahen, daß wir keine Eisenfresser waren, und da die spanischen Nonnen überhaupt noch unendlich mehr Freiheit haben als die italienischen, auch Liebesintrigen derselben eben nicht zu den Seltenheiten gehören, so wurden sie immer vertrauter mit uns. Eine der Novizen, kaum fünfzehn Jahre alt, ein wahres Madonnengesicht, schön wie eine Verklärte, fand ich für gut, mit noch zwei jüngeren Schwestern unter meine besondere Protektion zu nehmen und ihnen ein eigenes Lokal einzuräumen; sie hatten alle getrennt und zu zwei und drei in unsere Baracken einquartiert werden müssen. Ich ließ auch Matratzen für sie herbeischaffen, die ich aus noch von uns besetzten Häusern nahm, sorgte dafür, daß ihnen immer mit den delikatesten Speisen, die zu haben waren, aufgewartet wurde, ließ sie durch meinen Burschen bedienen und übergab sie der Sorgfalt eines zurückbleibenden Unteroffiziers, wenn ich sie verlassen mußte, um an dem Kampf teilzunehmen; zum Abschied erlaubte ich mir, sie zu küssen. Den heiligen Mädchen standen die Tränen in den Augen, so oft ich sie verließ; sie baten mich, ja recht bald wiederzukommen. Da wir den dritten Tag nach der Wegnahme dieses Klosters alle Saragossa räumen mußten, um wieder Posto vor der Stadt zu nehmen, so konnte ich mich gegen zehn Uhr in der Nacht bei meinen Schützlingen wieder einfinden, die vergnügt waren, mich wiederzusehen. Die Nonnen schienen mit der Behandlung, die ihnen bis jetzt geworden, alle sehr zufrieden, und selbst die schon betagte Äbtissin schickte sich darein. Ich beredete meine drei liebenswürdigen Gäste noch zu einem Spaziergang unter die nahen Oliven, wo wir unter freiem Himmel in der schönsten spanischen Sommernacht das gestirnte Firmament bewunderten, ich aber, da alle drei hübsch und jung waren und um keinen Neid bei den anderen zu erregen, sie alle liebkoste und küßte, doch die Novize mit großer Vorliebe. So saßen oder lagen wir vielmehr alle vier recht traulich unter den Bäumen, als wir in einiger Entfernung mehrere schwarze Gestalten auf uns zuschreiten sahen, in denen wir, als sie näher kamen, noch drei Offiziere und zwei Nonnen erkannten, die ebenfalls im nächtlichen Promenieren begriffen waren; ich trat eine der meinigen einem Kameraden ab, und wir spazierten nun, ich mit der Novize und einer Schwester am Arm, unter den Oliven. Bald verloren sich die verschiedenen Paare aus dem Gesicht, und ich hatte mich mit meinen beiden Schönen wieder an einem etwas entfernteren Orte niedergelassen, wo wir uns ganz vortrefflich unterhielten, vergnügten und auf das freundschaftlichste miteinander fertig wurden. – Ob die guten Kinder wohl alles, was zwischen uns vorfiel, gebeichtet haben mögen? – Ich möchte es sehr bezweifeln. – Seit Madrid hatte ich, obgleich ich kein Keuschheitsgelübde getan, doch diese gewiß strenger beobachtet als Franziskaner und Kapuziner, und zwar aus dem triftigen Grund, weil sich keine Gelegenheit gefunden, sie zu brechen. Nachdem wir uns in einem Wonnemeer von Vergnügen satt geschwelgt hatten, führte ich die guten Schwestern wieder in ihr Gemach zurück, wo die dritte in Gesellschaft ihres Begleiters sie schon erwartete. Nur ein paar Tage dauerte noch der Umgang mit den liebenswürdigen Kindern, welche auf höheren Befehl alle, samt der Äbtissin, jetzt in das Kloster eines benachbarten Städtchens gebracht wurden. Dieser Befehl kam ein wenig spät, läßt sich aber durch die weit wichtigeren Dinge, mit denen sich die kommandierenden Generäle vor allem zu befassen hatten, wohl entschuldigen. Ich gab den lieben Kindern noch das Geleit, nahm zeitlichen Abschied von ihnen, selbst der Frau Äbtissin die alte Hand küssend.

Nachdem Palafox mit seiner Verstärkung in Saragossa eingerückt war, beschränkten wir uns fast nur noch darauf, die Stadt zu bombardieren. Verdier, der selbst verwundet worden und das Kommando deshalb wieder momentan an Lefebvre abgetreten, hatte nochmals, und zwar durch gefangene Mönche, eine Kapitulation angetragen, die gleich den früheren zurückgewiesen wurde, mit dem Bedeuten, man würde sich, wenn es nötig sei, von Haus zu Haus bis zum letzten schlagen und unter dessen Trümmern begraben. Dazu kam es nicht; man murmelte seit vierundzwanzig Stunden, und die Generäle wußten es gewiß und hatten geheime Instruktionen erhalten, daß Joseph Madrid bereits wieder verlassen habe, weshalb jetzt Vorbereitungen zur Aufhebung der Belagerung gemacht wurden. Den 12. August kam endlich in der Nacht vom Hauptquartier zu Burgos der bestimmte Befehl an, die Stadt zu räumen, wenn wir schon im Besitz derselben seien, und wenn dies nicht, die Belagerung sofort aufzuheben.

Um unsern bevorstehenden Rückzug zu decken und zu verbergen, wurden jetzt noch einmal mit großer Ostentation alle Anstalten zu einem allgemeinen Angriff gemacht und die Stadt heftig bombardiert. Die Magazine, Gebäude auf dem Monte Torrero und anderen Orten, die wir inne hatten, wurden sodann angezündet. Auch das Kloster Santa Ingracia wurde mit all den Leichen seiner heiligen Märtyrer vor unserem Abzug in die Luft gesprengt, und zwar ging in der Mitternachtsstunde die furchtbare Explosion vor sich. Das mit so großer Mühe herbeigeschaffte Belagerungsgeschütz wurde in die Wellen des Ebro und die Wasser des Kanals geworfen, da wir nur das Feldgeschütz mitnehmen konnten. Auch den gefangenen Nonnen und Mönchen gab man ihre völlige Freiheit, wobei es mit den ersteren etwas bunt hergegangen sein soll. Durch einen Offizier, der die zweite, noch furchtbarere und grausamere Belagerung von Saragossa mitgemacht hatte, erfuhr ich später, daß sich manche der frommen Christusbräute in der Hoffnung befunden, aber nicht bestraft wurden, da sie Gewalttätigkeit vorgeschützt, und unter französischem Schutz niedergekommen seien.

Unser Abzug wurde nicht im mindesten durch die Belagerten beunruhigt, die sich aber des ins Wasser geworfenen Geschützes, ein halbes Hundert Kanonen, Mörser, Haubitzen, Feldschlangen und so weiter bemächtigten, das ihnen bei der zweiten Belagerung gute Dienste tat.