Die spanischen Theater, von denen ich nur wenige frequentieren konnte, geben oft Vorstellungen, wie man sie in keinem anderen Lande Europas mehr zu sehen bekommt, namentlich wenn sie ihre sogenannten heiligen Komödien aufführen, wo Profanes, Heiliges und Absurdes auf das seltsamste vermengt wird. Da sieht man Engel und Teufel, Priester und Heilige, alle Laster und Tugenden und nicht selten Gott selbst personifiziert. Die Handlungen der Frommen und die Abscheulichkeiten Satans durchkreuzen sich, und das Ganze ist oft ein wahrer Skandal für Religion und Sitten. Luzifer erscheint mit Hörnern und Schwanz und unterhält sich unbefangen mit Heiligen und mit Gott. Wunder aller Art geschehen, Märtyrer werden verbrannt, und was die tollste Phantasie erfinden kann, geht in buntem Gewirre vor den Augen der Zuschauer vorüber. Maschinerie und Dekorationen sind dabei oft in höchster Vollkommenheit. Man sieht bald das Innere des Himmels, bald die Hölle, bald beides zugleich, über- oder nebeneinander. Das himmlische Paradies, das Fegfeuer mit den brennenden Seelen, ein Konklave und so weiter, alles wird dem bewundernden Auditorium vorgeführt. Namentlich wurden diese Komödien am schönsten und tollsten in Barcelona gegeben, wo man den Teufel sogar zwingt, in einer Franziskanerkutte, aus der die Hörner hervorragen, auf einer Kanzel die christliche Moral zu predigen!!! Man sieht auch Stücke, deren Handlungen durch zwei Jahrhunderte in einem Abend spielen. –
Die Theater haben im Innern in der Regel ein Patio (Parterre) und mehrere Reihen Logen, palcos oder aposentos genannt. Das Parterre ist meistens in drei verschiedene Abteilungen geteilt, von denen die vorderste Lehnstühle, die mittlere, das eigentliche Patio, Bänke, die hinterste Gradas, das heißt amphitheatralisch geordnete Sitze hat, doch ist dies nur in den größeren Theatern der Fall. Die Logen sind fast wie in Italien beschaffen. Die meisten Theater haben, der Bühne gegenüber, in jedem Rang eine große Loge, die man Cazuela nennt. Diese ist nur allein für Frauen bestimmt, die sich daselbst, in die Mantillen gehüllt, aus allen Ständen und von jedem Alter einfinden; auch die vornehmsten Damen, die keine Toilette machen wollen oder sonst eine Ursache dazu haben, besuchen oft die Cazuela, durch ihre Schleier unkenntlich gemacht. Die Liebe ist bei den Spanierinnen die Hauptangelegenheit ihres Lebens, und schon manche Donna hat ihren Geliebten, als Frau verkleidet, mit in eine Cazuela genommen. Sie lieben höchst leidenschaftlich und sollen dabei sehr beständig sein, dagegen aber fordern sie die unbedingteste Ergebung und große Aufmerksamkeit von dem Geliebten und sind nicht selten dessen schrecklichster Tyrann, während sie oft die Sklavinnen ihrer Eheherren sind. Ihr Wille muß ihm das strengste Gesetz sein, gegen das keine Appellation stattfindet, dabei besitzen sie eine große Energie und trotzen jeder Gefahr, besonders die Kastilianerinnen, welche die zärtlichsten wie die Andalusierinnen die verführerischesten Frauen sind. Sitten, Gebräuche, Kleidung und sogar die Sprache sind in jeder Provinz verschieden, und in keinem Land ist eine so große Mischung von verschiedenen Nationen, wie in Spanien, wo neben dem Element der Urbewohner, das der Karthager, der Römer, der Celtiberier, der Germanen und namentlich der Goten und Mauren, das glühende Orientalische neben dem ernsten Nordischen sich kundgibt und in vielen Charakterzügen zeigt, sowie ihre wunderbaren Märchen von verbannten und verwünschten Jungfrauen und Rittern, verborgenen Schätzen, verwünschten Schlössern, verzauberten Gärten, Palästen, ritterlichen Kämpfen mit Riesen und Ungeheuern, unterirdischen Bewohnern und Geistern und so weiter, bald die glühende Phantasie der Orientalen, bald die romantische des Nordens atmen. Das ganze Land mit seinen römischen und maurischen Ruinen, seinen Bergen, Wäldern, Schlössern, Palästen, Kirchen, Klöstern, Kapellen, Einsiedeleien und Gärten erscheint fast wie eine verzauberte Gegend.
Gerne hätte ich den so naheliegenden Montserrat mit seinem berühmten Kloster und seinen merkwürdigen Einsiedeleien besucht, aber mein krankhafter Zustand machte es mir unmöglich, mein Fieber wollte gar nicht nachlassen und jetzt keinem Mittel weichen, obgleich die Wunde fast ganz zugeheilt war. Die Ärzte schrieben meinen Zustand der feuchten Luft Barcelonas zu, sie hielten für das beste, meinen Aufenthalt zu wechseln und mit dem südlichen Frankreich zu vertauschen, etwas, das aber nicht so leicht zu bewerkstelligen, da zu Land und zu Wasser die Kommunikation mit Frankreich sehr schwierig war. Unter den jetzigen Umständen allein oder selbst in Gesellschaft mehrerer über die Pyrenäen zu kommen, daran konnte man nicht denken, und vor dem Hafen kreuzten englische Fregatten und spanische Kriegsschiffe. Ich sprach deshalb mit dem kommandierenden General Lecchi, der mir mitteilte, daß er dieser Tage ein kleines Küstenfahrzeug nach Frankreich absenden müsse und, wenn ich es wagen wolle, ich mit diesem, dessen Kapitän ein Franzose aus Agde sei, gehen könne; das Schiff sei erst vor wenigen Tagen, den Engländern eine Nase drehend, in den Hafen eingelaufen. Ich suchte den Kapitän selbst auf, der mir zuredete, mich ihm anzuvertrauen, und sagte, er stehe dafür ein, mich glücklich an die französischen Küsten zu bringen. Ich fürchtete nichts mehr, als in englische Gefangenschaft zu geraten, aber auf sein Zureden entschloß ich mich, das Wagnis zu bestehen, ließ mir die nötigen Papiere und Zertifikate ausfertigen und schiffte mich in einer dunklen Nacht, den 12. September nach zehn Uhr abends, ein. Wir verließen den Hafen mit sehr günstigem Westwind, segelten, von den feindlichen Schiffen unbemerkt, längs der Küste hin und hatten, als der Tag anbrach, schon die Höhen von Rosas passiert. Die Fahrt wurde mit gleichem Glück bis zu den Küsten Frankreichs fortgesetzt, an Perpignan und Narbonne vorüber, und den dritten Tag erreichten wir glücklich den Hafen von Agde. –
XIII.
Ankunft zu Montpellier. – Ich werde zum 29. Regiment versetzt. – Murat, König von Neapel. – Ermordung einer Kompagnie Voltigeurs. – Der neue König macht sich beim Volk beliebt. – Einnahme der Insel Capri. – Ich werde dekoriert. – Helenes Hochzeitsfeier. – Castellamare. – Dritter Feldzug in Kalabrien. – Rückkehr nach Neapel, wo ich das Ehrenkreuz erhalte. – Ich werde nach Nola detachiert und daselbst beinahe erschossen. – Neue Bekanntschaften. – Eine durch eine beabsichtigte Leichenberaubung entdeckte Verschwörung. – Murats Politik und Reformen. – Abmarsch nach dem Kirchenstaat.
Die kleine Seereise war mir trotz mancher Unbequemlichkeiten und schlechter Lagerstätte doch ziemlich gut bekommen. Von Agde, einem kleinen Seehafen im Departement Herault, durch ein Konzilium, das hier gehalten wurde, bekannt, fuhr ich sogleich über Frontignan, wegen seines trefflichen Muskatweins berühmt, nach Montpellier ab, wo ich in einem guten Gasthof abstieg, dann den Herren Michel und Gayral meine Ankunft meldete, die mich mit allem, dessen ich bedürftig war, bestens versahen. Nachdem ich mich bei dem jetzt hier kommandierenden General Sissé gemeldet, teilte mich derselbe einstweilen dem hier liegenden Depot eines Infanterieregiments bis zu meiner völligen Genesung zu, und das gesunde Klima von Montpellier stellte mich bald wieder her. Ich schrieb an den Kriegsminister und bat den General, bei dem ich öfters zu Tische war, um dessen Verwendung, damit ich möglichst bald wieder in Aktivität kommen möge. Die Legion, bei der ich gestanden, war so gut wie vernichtet und aufgelöst. Ich wünschte sehr, wieder in Italien verwendet zu werden; Spanien hatte mich, trotz seiner wunderbaren Schönheiten und seiner romantisch-heroischen Berühmtheit, nicht besonders angesprochen; wir standen den Einwohnern viel zu schroff gegenüber, als daß man an ein nur leidliches Verhältnis mit denselben denken konnte. Mein Begehren wurde mir gewährt und ich zum 29. Infanterieregiment versetzt, das im Königreich Neapel stand. Die Marschroute dahin erhielt ich ausgefertigt, fand Gelegenheit, mich in Cette auf einer nach Civita-Vecchia bestimmten Kanonierschaluppe einzuschiffen und kam ohne Unfall nach sieben Tagen, immer längs den Küsten fahrend, glücklich in diesem Hafen an, von wo ich sogleich nach Rom abging. Nachdem ich Torlonia und Gertrude besucht, die auf einer nahen Villa wohnte, setzte ich mit einem Vetturino die Reise nach Neapel fort, wo ich gegen Ende September, denselben Tag, an welchem auch die neue Königin von Neapel, Murats Gattin und Napoleons Schwester, die schöne Karoline, ihren Einzug in die Hauptstadt hielt, ankam. Murat hatte Spanien schon früher verlassen, da ihn sein Schwager zum König von Neapel dekretiert, um ihn für das Nichtbesteigen des spanischen Thrones zu entschädigen. In den ersten Tagen des September hatte er mit ungeheurem Pomp, unter dem Zulauf des staunenden Volks Besitz von seiner Hauptstadt genommen.
Das Regiment, dem ich jetzt angehörte, lag zum Teil in Neapel, zum Teil in Cosenza und der Umgegend und war eines von denen, welche die meiste Erbitterung gegen die Neapolitaner und besonders gegen die Kalabresen hegten, denn man hatte vor einiger Zeit eine Voltigeurkompagnie desselben auf das hinterlistigste gemordet. Dieselbe hatte durch den Silawald marschieren müssen, um sich von Catanzaro nach Cosenza zu begeben, sich aber auf dem Marsch verirrt und kam in die Nähe eines Dorfes, Gli Parenti genannt, das ein Hauptschlupfwinkel der Briganten und namentlich derer, die zu der Bande des Francatrippa gehörten, war. Die Einwohner, die im besten Einverständnis mit den Räubern standen, steckten ihnen sogleich das Verirren dieser Truppen und beschlossen, denselben eine Falle zu legen, in welcher sich der die Kompagnie kommandierende Kapitän auch nur zu leicht fangen ließ. Als sich die Truppen dem Dorf näherten, kam ihnen Francatrippa, der sich nicht getraute, im offenen Kampf sich mit dem Feind einzulassen, entgegen, gab sich für den Kommandanten der Guardia Civica oder Nationalgarde aus und lud den Kapitän, seine Offiziere und sämtliche Mannschaften ein, einige Erfrischungen in dem Ort zu nehmen. Ohne alles Mißtrauen wurde das Anerbieten dankbar angenommen, und die Offiziere ließen sich, durch die anscheinende Gastfreundlichkeit der Kalabresen verführt, unvorsichtig in ein ansehnliches Haus nötigen, um die vorgestellten Speisen einzunehmen. Der Kapitän ließ seine Leute die Gewehre in Pyramiden vor das Haus stellen, und man brachte nun den Soldaten reichlich Wein, Brot und Käse, sie freundschaftlichst ermunternd, zuzusprechen. Als es sich nun alle recht sorglos wohlschmecken ließen und die gastfreien Bewohner des Ortes rühmten, da fällt plötzlich ein Schuß aus einem Fenster, und in demselben Augenblick werden auch die drei Offiziere in dem Zimmer, in dem sie sich befinden, ermordet; zu gleicher Zeit wird aus allen Fenstern und Türen der umliegenden Häuser auf die entwaffneten Truppen geschossen, und es regnet eine solche Masse von trefflich gezielten Kugeln, daß die meisten Soldaten tödlich getroffen niederstürzen, noch ehe sie nur Zeit gehabt, zu ihren Gewehren zu greifen. Alle bis auf sieben wurden niedergemacht; diese entkamen glücklich nach Cosenza, wo sie Bericht über die Greueltat abstatteten. – Die Sorglosigkeit des Kapitäns in einem so feindlich gesinnten Land, das von Insurgenten wimmelte, war unverzeihlich; mir wäre dies wenigstens nicht passiert, denn ich hätte jedenfalls Vorsichtsmaßregeln genommen, die eine solche Überrumpelung unmöglich gemacht hätten. – Sobald diese Tat in Cosenza bekannt war, wurden sogleich vierhundert Mann nach Gli-Parenti abgeschickt, mit dem Befehl, das Dorf niederzubrennen und alle Einwohner über die Klinge springen zu lassen; aber man fand auch keine lebende Seele in dem Ort, die Einwohner hatten sich vor Annäherung der Truppen in die unzugänglichsten Wildnisse geflüchtet; ihre Wohnungen wurden in Asche gelegt. Wären die sieben Soldaten nicht entkommen, so wäre diese Kompagnie spurlos verschwunden, ohne daß man je erfahren, was aus ihr geworden.
Mir war bei dem Regiment das Kommando der Karabinierkompagnie des zweiten Bataillons geworden, deren Kapitän vor kurzem an den in Kalabrien erhaltenen Wunden gestorben war, bald darauf wurde ich aber zum ersten Bataillon versetzt, weil auch die Musik des Regiments wieder unter meinen Befehl gestellt wurde. Von dem Regiment Y., bei dem ich früher stand, war das erste Bataillon nebst dem Stab noch immer in Castellamare, das zweite aber, bei dem Herr von Gasqui, Caguenec und so weiter standen, nach Tarent abmarschiert und daselbst eingeschifft worden, um nach der Insel Korfu gebracht zu werden, wo es auch mit Armes et bagages und seinen Frauen glücklich ankam. Auch ich sollte später die Insel kennen lernen. – Helene Cramer war noch mit ihren Eltern in Castellamare, aber die Braut eines neapolitanischen Bataillonschefs. Das Liebhabertheater in Giesù nuovo war durch das Abgehen der Madame Gasqui, die nach Korfu, der hübschen Oberstin, die nach Paris gereist, und anderer gesprengt, auch hätte es durch die Veränderung des Regenten und des Hofes für den Augenblick das frühere Interesse nicht mehr gehabt.
Murat beschäftigte sich in der ersten Zeit seiner Regierung fast ausschließlich mit den inneren Angelegenheiten seines Königreichs. Unter dem Namen Joachim I. hatte er den Thron von Neapel bestiegen. Als die Nachricht von seiner Ernennung zum König dieses Reichs bekannt wurde, erfüllte dies die Gemüter der Bewohner mit Furcht und Schrecken, denn es ging ihm von Spanien, besonders wegen den Vorfällen zu Madrid vom 2. und 3. Mai, ein entsetzlicher Ruf voraus, so daß man sich ein blutdürstiges Ungeheuer unter ihm vorstellte, was er nicht war. Übrigens war man mit Josephs Regierung, den man spottweise Don Pepe nannte, so allgemein unzufrieden gewesen, daß man sich damit tröstete, daß es nicht leicht schlimmer werden könne. Napoleons älterer Bruder hatte sich nur seinem Hang zum Vergnügen hingegeben, ließ in seinem Namen die Minister und andere schalten und walten und unseren Herrgott einen guten Mann sein. Daß man sich den Freuden der Liebe hingibt und in den Armen schöner und liebenswürdiger Frauen den Hochgenuß des Lebens sucht, dies zu tadeln wäre ich wohl der letzte, denn ohne dies wäre das Leben doch gar zu schal, aber nie darf diese Leidenschaft in eine solche Schwäche ausarten, daß man darüber seine höheren Pflichten vernachlässigt, selbst zum Weibe wird oder sich gar von Mätressen beherrschen läßt. Dies ist eines Mannes und besonders eines Regenten unwürdig, jämmerlich klein und zeugt von schwachem Verstand und Charakterlosigkeit. – Sind die Schäferstunden vorüber, muß der Mann wieder ganz Mann und Herr über das Weib sein, von dem er dann nur um so mehr geliebt, geachtet und vergöttert wird. Dies spreche ich aus vielfacher Erfahrung – freilich war ich nie ein schmachtender Seladon, Siegwart oder Werther. –
Ein Dutzend Damen und deren Anhang, diejenigen Personen ausgenommen, die unter Josephs Deckmantel rauben und sich bereichern durften, wurde dessen Abgang aus Neapel von niemand, weder vom Zivil noch vom Militär bedauert. – Auf die törichtste Weise hatte er, gleich seinem Bruder Hieronymus in Kassel, die Staatsgelder vergeudet, während das Heer ein ganzes Jahr im Rückstand mit seinem Sold war. Murat dagegen war wenigstens von den Franzosen, die ihn als einen tapferen General schätzten, geachtet und geliebt, und gerne verziehen sie ihm seine Liebe zu Prunk und auffallender Kleidung. – Die ersten Handlungen seines Regierungsantritts waren geeignet, ihm auch die Herzen der Neapolitaner zuzuwenden. Er zeigte sich überaus leutselig und liebenswürdig, auf den Rat Salicettis, der zugleich Kriegs- und Polizeiminister war, hob er die sehr verhaßten Militärgerichte, die die Leute so schnell in die andere Welt expedierten, auf, allen Deserteurs wurde ein Generalpardon verkündet, wodurch mancher Neapolitaner seiner Familie wiedergegeben ward, und es wurden Maßregeln ergriffen, den verwirrten und höchst traurigen Zustand der Finanzen zu verbessern. Einigen hundert Individuen, die bloß als verdächtig oder gefährlich in die Kerker geworfen worden waren, gab er die Freiheit wieder und rief Verbannte zurück. Dies machte, daß, als die liebenswürdige Karoline, Napoleons Schwester, ihren Einzug in die Hauptstadt hielt, sie von den Neapolitanern mit großen Freudensbezeigungen empfangen wurde. Murat zeigte sich täglich dem Volk, und selbst seine phantastische Pracht und Kleidung schien diesem zu gefallen.
Der neue König glaubte nun auch seinen Regierungsantritt mit einer glänzenden Waffentat bezeichnen zu müssen und wählte dazu die am Eingang des Golfs von Neapel liegende Insel Capri, welche die Engländer schon seit drei Jahren im Besitz und so befestigt hatten, daß sie sie Klein-Malta nannten. – Diese Insel ist ringsum von sehr hohen und steilen Felsen umgeben und hat nur einen einzigen Zugang. Zwischen zwei großen Felsen liegt ein sehr fruchtbares, malerisch schönes Tal, welches vortrefflichen Wein liefert und ein sehr gesunder Aufenthalt ist. Augustus ließ dieses zu einem Erholungsort für sich einrichten, und Tiberius brachte hier die letzten Jahre seines lasterhaften Lebens zu; noch zeigt man die Ruinen seines Palastes. Capri, das ungefähr fünftausend Einwohner zählt, ist gewissermaßen der Schlüssel Neapels zur Seeseite, und so lange es in feindlichen Händen ist, ist die Einfahrt in den Hafen unsicher und gefährlich. – Die Insel diente schon seit dem Einmarsch der Franzosen allen Unzufriedenen, Übeltätern, Unruhestiftern zum Zufluchtsort, von wo aus sie neue Komplotte unter englischem Schutz schmiedeten und ausführten. – Hudson Lowe war Kommandant derselben. –