Durch unseren Bataillonschirurgen hatte ich zufällig die Bekanntschaft einer hübschen jungen Apothekersfrau, einer geborenen Römerin, gemacht. Der Doktor nahm seine Medikamente für die Kunden, die er sich in der Stadt erworben, meistens sogenannte geheime Kranke, bei ihrem Eheherrn und hatte dadurch Zutritt im Haus erlangt. Diese Apotheke lag in der Nähe unseres Forts, und ihr Besitzer war ein gastfreundlicher Mann, der die Musik liebte. Eines Tages hatte ihm der Doktor gesagt, daß sich beim Regiment ein junger Offizier befände, der sehr musikalisch sei, Klavier und Gitarre spiele, gut singe und sogar komponiere, den er, wenn es dem Signor Speziale angenehm sei, einmal mitbringen wolle. Der Apotheker hatte ihm erwidert, er würde ihm dankbar dafür sein. Doktor Kullmann, so hieß der Bataillonschirurgus, lud mich daher ein, ihn doch einmal zu seinem guten neapolitanischen Freunde zu begleiten, und teilte mir dann ganz im Vertrauen mit, daß dieser eine sehr schöne Frau habe, der er den Hof mache; aber obgleich er manchmal eine ganze Stunde, während der Mann in der Apotheke beschäftigt, mit ihr allein gewesen, doch nicht viel weiter gekommen sei, da er mit der verteufelten Sprache nicht fort könne und er oft die größte Mühe habe, sich dem Manne mit seinem Rackerlatein verständlich zu machen; er meinte daher, ich könne ihm wohl behilflich sein, wenn ich den Dolmetscher (also den Kuppler) machen wolle. Ich lehnte es längere Zeit unter allerlei Vorwand ab, den Herrn Doktor zu begleiten; aber er hörte nicht auf, mich so lange darum anzusprechen und erzählte mir soviel von der Liebenswürdigkeit der Signora, die auch ganz vortrefflich singe, daß mich die Neugierde bewog, endlich nachzugeben und den Wunsch des Äskulap zu erfüllen.
Wir wurden von dem Signor Speziale recht artig aufgenommen, der uns sogleich in sein Wohnzimmer führte, wo seine Frau mit kleinen Handarbeiten beschäftigt war. Ich fand die Signora hübsch genug, um ihr Artigkeiten zu sagen, und daß der Doktor gar keinen so üblen Geschmack hatte, auch es wohl der Mühe wert sei, ihm und dem Mann zugleich eine Nase zu drehen; letzterer bat mich, da er von seinem Amico gehört, daß ich ein großer Virtuos sei, ihm und seiner Frau doch das Vergnügen zu machen, sie etwas von mir hören zu lassen; ich entschuldigte mich, indem ich erwiderte, man habe ihm viel zu viel von mir gesagt, so daß er zu große Erwartungen hege, denen ich niemals entsprechen würde, und es also nicht wagen könne, ihm etwas vorzutragen. Er ließ aber nicht ab, mich zu bestürmen, sowie der Doktor ebenfalls in mich drang, und da die Signora ihre Bitte mit denen der beiden Herren vereinigte, so konnte ich nicht umhin, sie zu erfüllen, um so mehr, da mir der Apotheker versprochen hatte, ich solle dann auch die Stimme seiner cara Moglie hören. Ich sang nun einige italienische Lieder, unter denen auch die Romanze des Pagen aus Mozarts Figaro, mit Gitarrebegleitung; die Leute hatten kein Klavier, da die Dame dies Instrument nicht spielte. Nun kam die Reihe an diese, welche dann nach einigem Zieren ebenfalls ihre Kunst zum besten gab, aber bei einer allerdings schönen und klangreichen Stimme doch nur ganz Naturkind im Gesang war, ja, wie ich bald erfuhr, nur nach dem Gehör sang und nicht einmal die Noten kannte, wie dies so häufig in Italien, selbst bei Sängerinnen vom Fach und bei dem Theater angestellt, der Fall war, denen ihre Partien mit der Violine eingegeigt werden mußten. Ich versprach der Signora Golia, der Name ihres Mannes, bei meinem nächsten Besuch einige recht hübsche neue Kanzonette mitbringen zu wollen und ihr diese einzustudieren, worüber sie und ihr Mann ganz vergnügt waren, wozu aber der Doktor ziemlich scheel sah. So hatte er es nicht gemeint, und er sah bald ein, daß er einen Eselsstreich gemacht und den Bock zum Gärtner gesetzt habe, mich in das Haus einzuführen, in dem ich bei meinem ersten Besuch schon weiter gekommen war, als der Pflastermann, ein ehrlicher, recht bedächtiger Schwabe, die jeden Tritt und Schritt hundertmal erwägen und überlegen, ehe sie ihn zu tun wagen, seit Monaten. Aber der Bock war nun einmal geschossen und ließ sich nicht wieder rückgängig machen. Der Signor Golia wurde häufig in die Apotheke abgerufen, und ich benutzte seine kurze Abwesenheit, der Signora Fleuretten mit Occhianten begleitet zu sagen, die mein ehrlicher Kullmann nicht einmal verstand. Endlich empfahlen wir uns, wobei ich der Dame die Hand küßte, etwas, das mein Äskulap noch nicht einmal gewagt hatte und mir jetzt zum erstenmal nachmachte; ich versprach baldiges Wiederkommen. Als wir das Haus verlassen hatten, machte mir der Doktor Vorwürfe, daß, statt sein Interesse zu wahren, ich mir alle Mühe gegeben, ihn aus dem Sattel zu heben.
„Freund, das ist unmöglich, Sie sitzen ja noch gar nicht darin.“
„Spotten Sie nur, aber das ist kein Freundschaftsstückchen, einem Freunde den Bissen vor dem Maul wegschnappen zu wollen.“
„Aber wer will denn das, seien Sie doch kein Kind, alles was ich tat, geschah nur einzig und allein in Ihrem Interesse, wenn Sie nur verstanden hätten, was ich der Signora gesagt, so würden Sie nicht so reden und sich dankbarer gegen mich bezeigen. Ich sprach nur zu Ihrem Lobe und zu Ihren Gunsten.“
„Den Teufel auch, ich müßte ja blind sein, wenn ich Ihr Augenspiel nicht bemerkt hätte.“
„Das war ja auch in Ihrem Interesse; hörten Sie denn nicht, wie sehr ich Ihre Geschicklichkeit pries und hervorhob.“
„Mag sein, aber ich verstand kein Wort davon, es kam mir aber so vor, als wollten Sie sich bei der Signora Golia beliebt machen.“
„Mein Gott, das muß ich ja, wenn ich für Sie wirken soll.“
„Nehmen Sie sich in acht, wenn Sie mich hintergehen und Sie einmal krank werden, dann ...“