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| I. | |
| Ankunft der jungen Kaiserin. – Zivil- und religiöse Vermählungsfeierlichkeiten Napoleons und Marie Luisens. – Großes Volksfest. – Demoiselle Mars. – Pauline. – Die Mitglieder der Familie Bonaparte. – Feste dem kaiserlichen Ehepaar zu Ehren. – Unglückliches Fest von dem österreichischen Gesandten gegeben. – Lannes Leichenfeier. – Die Errichtung der Siegessäule auf dem Platz Vendome. – Exzesse der holländischen Garden zu Paris. – Gerüchte über Marie Luisens Schwangerschaft. – Ich werde zu Murats Garde zu Pferd versetzt. – Abreise nach Neapel | [1]-[45] |
| II. | |
| Reise von Paris nach Neapel. – Turin. – Ankunft zu Neapel. – Murats Garden und Hofstaat. – Fehlgeschlagene Expedition gegen Sizilien. – Grausame Maßregeln zur endlichen Vertilgung der Briganten in Kalabrien. – Entstehung der Carbonari. – Murat. – Die Königin Karoline. – Der Karneval zu Neapel. – Ein italienisches Liebhabertheater. – Die Festini in San Carlo. – Die Marchesa im Schilderhaus. – Fastenzeit und Osterfeier. – Ein Pistolenduell. – Don Juan zum erstenmal in Neapel aufgeführt. – Ein Schiff mit englischen Nachtgeschirren von der Douane weggenommen. – Ein Abenteuer in den Gärten zu Caserta. – Ein Souper suspendu. – Ein silbernes Ei. – Ein dreifacher Mord. – Weihnachtsfeier. – Verbrennung der englischen Waren. – Ich falle in die allerhöchste Ungnade und werde nach Tarent beordert | [46]-[87] |
| III. | |
| Marsch von Neapel nach Tarent. – Eine Zusammenkunft zu Caserta. – Die caudinischen Engpässe. – Avelino. – Dentekane. – Tarent. – Einschiffung nach Korfu. – Seegefecht auf der Höhe von Tunis. – Ankunft zu Korfu. – Beschreibung der Jonischen Inseln. – Der heilige Spiridion und seine Feste. – Das Theater und Liebhabertheater. – Seltsame Zusammensetzung der Garnison. – Pallea Castrizza. – Ein Exorzismus. – Erdbeben. – Türkische Tabaksbeutel. – Ein giftiger Schlangenbiß. – Capo d’Istria. – Die Entführung einer Braut. – Ein Seeturnier. – Paxo. – Parga. – Prevesa. – Thiaki. – Santa Maura. – Der leukadische Felsen. – Fano | [87]-[138] |
| IV. | |
| Eine Mission nach Albanien. – Janina. – Ali Pascha, seine furchtbaren Grausamkeiten. – Ein lebendig Begrabener. – Govino. – Die Entführung einer jungen Griechin. – Rocca Timono. – Diversi. – Ein Soldat erschießt einen Fregattenkapitän. – Ein Rattenmahl. – Die Prima Ballerina Giuseppina Panzieri. – Großer Theaterskandal. – Ludwig der Springer. – Die Feuerprobe. – Ein Duell. – Ein Schiffbruch. – Ein großer Brand. – Die Räuber in Korfu. – Parga geht an die Engländer über. – Schlimme Neuigkeiten. – Murats Abfall. – Napoleons Abdankung. – Rückkehr der Bourbons. – Ankunft der englischen und französischen Flotten. – Übergabe Korfus an die Engländer. – Unanständiges Benehmen englischer Offiziere. – Einschiffung der französischen Garnison | [138]-[188] |
| V. | |
| Überfahrt von Korfu nach Marseille. – Das Schiffsleben. – Die Meerenge von Messina. – Die Fata Morgana. – Haifische. – Napoleon auf der Insel Elba. – Das Pestlazarett und die Quarantäne zu Marseille. – Stimmung der Einwohner. – Abmarsch nach Avignon. – Meuterei in Aix. – Die Familie Giraud. – Die rasenden Weiber in Avignon attackieren uns. – Ankunft Ludwig Philipps zu Avignon. – Lyon. – Einzug des Grafen Artois (Karl X.). – Fontainebleau. – Paris. – Preußische Vergeltung. – Die zurückgekehrten Emigranten. – Ich lasse mich auf halben Sold setzen. – Abreise über Reims nach Straßburg. – Der Herzog von Berry. – Abreise nach Frankfurt. – Ankunft daselbst | [189]-[210] |
| VI. | |
| Feier des 18. Oktobers zu Frankfurt am Main. – Verfassungswehen dieser Stadt. – Franzosenhaß daselbst. – Diversi. – Ein Fest auf dem Sandhof. – Napoleons Rückkehr von der Insel Elba. – Ich entschließe mich in preußische Dienste zu treten. – Abreise nach Berlin | [210]-[223] |
| VII. | |
| Reise von Frankfurt nach Berlin. – Leipzig. – Die Messe. – Ein Paar Harfenmädchen. – Eine Partie nach Giebichenstein. – Wittenberg. – Berlin. – Prinzessin Wilhelm. – Die Theater. – Iffland und Devrient. – Potsdam. – Graf Lusi und Friedrich der Große. – Sanssouci. – Ein bübischer Studentenstreich. – Urania. – Meine Anstellung. – Die Familie Pogwisch. – Anekdoten vom Kronprinz. – Ich soupiere mit sechs Damen. – Eine Künstlerhaushaltung. – Das Institut Bernhard. – Die Tabagien. – Eindruck der Schlacht bei Waterloo. – Das Opernhaus. – Abreise nach Kolberg | [223]-[242] |
| VIII. | |
| Reise von Berlin nach Kolberg. – Eine Amazone. – Ankunft in Kolberg. – Die neuen Dienstverhältnisse. – Kolberg und seine Umgebungen. – Einfachheit und Wohlhabenheit der Einwohner. – Die Marienkirche. – Gesellschaftliche Verhältnisse. – Nettelbeck. – Die letzte Belagerung. – Feier des Geburtstags des Königs. – Madame G... und ihre Cousine. – Das Versteckenspiel im Bullenwinkel. – Eine Reise nach Köslin. – Eine Lustfahrt auf einen pommerschen Edelhof. – Die Kolberger Freuden. – Ich gehe auf Urlaub nach Berlin. – Ein polnischer Reiseschatz. – Die verräterischen Austernschalen. – Fürst Blücher. – Die Berliner Weihnachtsfreuden. – Die Redouten und Porzellanfuhren. – Die schöne Luise. – Spandau. – Eine glänzende Schlittenfahrt. – Rückreise nach Kolberg | [243]-[276] |
| IX. | |
| Frau v. Schätzel. – Madame Schröder, der Kolberger Krösus. – Ihre Feste und Landpartien. – Eine Schlittenfahrt mit Folgen. – Ein Duell. – Eine gefährliche Fensterpassage. – Ich belausche wider Willen eine Kaffeegesellschaft. – Ein Kaffeebad. – Ich führe einen Transport zu dem Okkupationsheer nach Frankreich. – Stettin. – Ein Konzert rettet aus Not und Tod. – Ich werde vom Dienst suspendiert. – Rombergs Schauspieler-Gesellschaft zu Kolberg. – Sechsmonatlicher Festungsarrest in Weichselmünde. – Neufahrwasser. – Danzig und seine Vergnügungen. – Abreise nach Marienburg | [277]-[303] |
| X. | |
| Marienburg. – Elbing. – Königsberg. – Posen. – Rückkehr nach Kolberg. – Eine furchtbare Mordgeschichte. – Eine Vexierreise. – Diverse Kampagnen unter Amors Fahnen. – Der Esel von Osten. – Noch ein Damensouper. – Arge Skandalosa. – Eine pommersche Hochzeit. – Abermaliger Festungsarrest. – Meine Entlassung | [303]-[324] |
| XI. | |
| Ein Polterabend. – Ich gebe ein paar Gastrollen. – Reise von Köslin nach Berlin. – Eine Reise nach Paris ohne Paris zu sehen. – Schicksale meiner Cousinen. – Abreise nach Magdeburg. – Carnot. – Er fordert mich auf, ein Geschichtswerk herauszugeben. – Aventuren. – Ich gerate in große Feuersgefahr. – Abreise nach Bremen. – Angenehme Reisegesellschaft. – Braunschweig. – Vetter K... und Cousine Henriette. – Ein Hausfreund. – Gesinchen. – Die Giftmischerin Gottfried. – Signora Catalani in Bremen. – Abreise nach Frankfurt. – Hannover. – Hildesheim. – Goslar. – Eine Partie auf den Blocksberg. – Kassel. – Wilhelmshöhe. – Zopfwut des Kurfürsten. – Ankunft zu Frankfurt | [324]-[354] |
| XII. | |
| Frankfurter Zustände. – Schwierigkeiten bei einer Verheiratung. – Ich soll mich um eine Anstellung in Frankfurt bewerben, gebe es aber schnell wieder auf. – Senatorenstreiche. – Ich beabsichtige eine Zeitschrift herauszugeben. – Die Gräfin Sürvilier und ihre Töchter. – Napoleons beabsichtigte Befreiung. – Hausen. – Frau von Busch. – Homburg. – Ich schwinge etwas derb die Geißel der Satire in meiner Zeitschrift; diverse Histörchen und Widerwärtigkeiten. – Signora Catalani in Frankfurt. – Napoleons Tod. – Fürst Y...s trauriges Ende. – Müller-Broli. – Der Jude Dobrusky. – Ein Besuch von sieben Schauspielern. – Die Sängerin Canzi. – Verbot meiner Zeitschrift. – Eine lustig-romantische Rheinreise. – Die Schlangenmädchen. – Therese Peche. – Ich bilde sie für das Theater | [355]-[405] |
| XIII. | |
| Die Schlangenmädchen zuerst bei der Mainzer, dann bei der Kölner Bühne engagiert. – Der Bruder von ungefähr. – Aufenthalt in Aachen. – Ich spiele den Don Juan in der Wirklichkeit statt auf der Bühne. – Ringelhards Gesellschaft. – Aufenthalt in Köln. – Polizeidirektor Struensee. – Trennung von Peches. – Der Schauspieler Wolthers wird im Duell erschossen. – Agnes F...ch. – Noch ein Rousseau. – Ich werde demagogischer Umtriebe verdächtig gemacht. – Ich gehe nach Mainz. – Aufenthalt daselbst. – Ich redigiere eine Mannheimer Zeitschrift. – Die schwarze Kommission. – Ich werde aus Mainz verbannt und gehe nach Mannheim. – Eine Reise nach Stuttgart. – Die schöne Unbekannte auf der Insel. – Eine Saison in Baden-Baden. – Ich nehme meinen Aufenthalt in Stuttgart. – Buchhändler Frankh. – Das Theater. – Eine sehr geheime Intrige. – Die Stadtpost und ihr Redakteur. – Ich gebe mein erstes historisches Werk heraus. – Ich werde Spießbürger in Frankfurt am Main | [405]-[436] |
I.
Ankunft der jungen Kaiserin. – Zivil- und religiöse Vermählungsfeierlichkeiten Napoleons und Marie Luisens. – Großes Volksfest. – Demoiselle Mars. – Pauline. – Die Mitglieder der Familie Bonaparte. – Feste dem kaiserlichen Ehepaar zu Ehren. – Unglückliches Fest von dem österreichischen Gesandten gegeben. – Lannes Leichenfeier. – Die Errichtung der Siegessäule auf dem Platz Vendome. – Exzesse der holländischen Garden zu Paris. – Gerüchte über Marie Luisens Schwangerschaft. – Ich werde zu Murats Garde zu Pferd versetzt. – Abreise nach Neapel.
Die immer näher heranrückende Zeit der Vermählung Napoleons mit Marie Louise, zu der man alle möglichen Vorbereitungen machte, ließ schnell die Geschichte unseres Totenmahles sowie alle anderen Dinge ins Meer der Vergessenheit sinken; die erwartete neue Kaiserin nahm wenigstens auf einige Zeit alle Aufmerksamkeit der guten Pariser in Anspruch. Man hörte an allen öffentlichen Orten sowie in den Familien nur noch von dieser reden und erzählte sich die seltsamsten Dinge und Märchen, ihre Person, ihre Erziehung, ihre Talente, ihren Geist und so weiter betreffend, und es gibt fast keine Abgeschmacktheit, die man nicht zugunsten der jungen Erzherzogin erfunden und in Umlauf gebracht hätte. Bald sollte sie keine drei zählen, bald für sechse essen können, sich nur in Milch baden, nur Mehlspeise und Gebackenes zu sich nehmen; auch wollte man durchaus nicht gestatten, daß Kaiser Franz ihr wirklicher Vater sei, und war so freigebig, ihr wenigstens ein halbes Hundert verschiedener Väter anzudichten: der eine machte einen Baron Braun, der andere gar einen Daun dazu! Auch über ihre Gestalt, ihren Wuchs, ihre Züge, ihren Anzug, ihre Toilette, ihre Haltung setzte man die lächerlichsten Dinge in Umlauf, erfand Hunderte von Anekdoten, die sich an Unwahrscheinlichkeit und Absurditäten überboten, und stellte Vergleiche zwischen ihr und Josephinen an, die natürlich immer zum Vorteil der letzteren ausfielen. Endlich kamen die bei alldem von den Parisern herbeigewünschten Tage, an welchen die neue Kaiserin durch ihr Erscheinen die Neugierde des ungeduldigen Volkes befriedigen sollte. Napoleon war ihr in Murats Begleitung, der sich auch schon eingefunden hatte, bis Compiègne entgegengegangen. Nach dem bekannt gemachten Programm sollte die erste Zusammenkunft in dem mittelsten der drei Zelte, die zu diesem Zweck auf dem Weg nach Compiègne aufgeschlagen waren, stattfinden. Das Programm schrieb vor, daß beide Majestäten zu gleicher Zeit von zwei entgegengesetzten Seiten in das mittlere Zelt treten, Marie Louise aber vor ihrem Gatten niederknien, der sie jedoch sogleich aufheben und umarmen würde, worauf sich beide niedersetzen sollten. Aber Napoleons Ungeduld machte alle von ihm selbst vorgeschriebenen Zeremonien und Etikette überflüssig, indem er ganz inkognito in seinem grauen Überrock das Schloß von Compiègne durch eine kleine Pforte verließ, sich in eine unansehnliche Kalesche warf und in dem Augenblick zu Courcelles ankam, als die Kuriere der jungen Kaiserin die Pferde bestellten. Hier stellte er sich, da es heftig regnete, unter die Halle einer Kirche, und als die Wagen der Ersehnten ankamen und man die Pferde wechselte, lief er an den Schlag der Kutsche, in der Marie Louise saß, öffnete denselben, stieg schnell ein, fiel seiner jungen, höchst erstaunten Gattin um den Hals und fuhr mit ihr zusammen nach Compiègne zurück, wo er, wie man allgemein versicherte, die Nacht als Ehemann mit ihr zubrachte. Am anderen Tag ließ er um Mittag das Frühstück vor dem Bett der sehr müden Kaiserin servieren. Als dies zu Paris bekannt wurde, fand man es sehr genial. Viele Personen waren dem hohen Paar entgegengefahren, auch ich war bis an die Grenze des Departements der Seine geritten, wo dasselbe von dem Präfekten und den Autoritäten des Departements empfangen und bekomplimentiert wurde. Den Fürsten Y. hatte das Podagra wieder an das Bett gefesselt.
Den ersten April fand die Zivilvermählung des kaiserlichen Paars zu St. Cloud statt, der über zwanzig Könige, Königinnen und fürstliche Personen beiwohnten. Ich hatte mich ebenfalls dahin begeben, aber mit tausend anderen der feierlichen Handlung nicht beiwohnen können. Der ganze Hof, alle Minister, Gesandte, Kardinäle, Großoffiziere, Senatoren und so weiter hatten sich in größter Gala in den Galerien von St. Cloud versammelt, wo die Armsessel für beide kaiserliche Majestäten auf einer Erhöhung unter einem prachtvollen Thronhimmel angebracht waren. Das Gefolge des kaiserlichen Paares bestand aus Königen und Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen, Großwürdenträgern der Kronen Frankreichs und Italiens, Palastdamen und so weiter. Man hat berechnet, daß die Hofdamen beider Kronen, unter denen auch eine Visconti, eine Montecuculi, eine Mocenigo, eine Pallavicini und andere waren, mehr als für zwanzig Millionen Schmuck an sich hatten. Der Fürst Erzkanzler des Reichs sprach die Vermählung nach den von dem Code Napoléon vorgeschriebenen Gesetzen aus. Nachdem die Zeremonie vorüber war und sich das ganze Kortege entfernt hatte, gelang es mir, in die Galerie zu kommen, wo die Vermählung stattgefunden hatte und ich noch die getroffenen Vorrichtungen sehen konnte. Am Abend war der Park von St. Cloud auf das prächtigste erleuchtet, was besonders bei den Kaskaden, die in Brillantstrahlen herabfielen, eine unbeschreibliche Wirkung machte. Vor allem war es die große Kaskade, die sich feenhaft ausnahm; man wähnte sich in einem der Zaubergärten der orientalischen Märchen der Tausendundeine Nacht. Der illuminierte Park, in dem mancherlei Spiele stattfanden, war so mit Menschen überfüllt, daß es schien, als sei ganz Paris nach St. Cloud gewandert.
Den folgenden Tag, am zweiten April, hielt das kaiserliche Ehepaar seinen feierlichen Einzug in die Hauptstadt, zur religiösen Trauung. Mit Tagesanbruch wimmelte der dick mit Sand bestreute Weg, auf dem sich der Zug bewegen sollte, mit Menschen jeden Alters und Standes, auf beiden Seiten waren Spaliere von Truppen aufgestellt. Das Wetter war sehr trübe, es hatte einen großen Teil der Nacht und besonders gegen Morgen viel geregnet, man fürchtete sogar, daß die Feier wegen des schlechten Weges verschoben werden müsse; als aber gegen Mittag die Sonnenstrahlen begannen, sich Bahn durch die Wolken zu brechen, da fingen die Kanonen zu donnern an, die die Abfahrt des kaiserlichen Ehepaars und seines Gefolges verkündeten. Die Behörden der Stadt Paris verfügten sich eilig unter den großen Triumphbogen, den die Stadt zu Ehren der Neuvermählten im Stern der Elysäischen Felder hatte errichten lassen. Dieser Triumphbogen, der später in Marmor aufgeführt werden sollte, war in aller Eile zusammengezimmert und mit grober, bunt bemalter Leinwand wie eine Theaterdekoration ausgeschlagen worden. Seine vier Fassaden waren mit acht ebenso vergänglichen Trophäen geschmückt, sein Durchgang war ungefähr fünfzig Fuß und das Ganze einhundertvierzig Fuß breit. Die Symbole der Kraft und der Klugheit waren an demselben angebracht; auf dem Kranz oben las man die Worte: ‚A Napoléon et à Marie Louise, la ville de Paris.‘ Außerdem waren unter der Wölbung und sonst noch verschiedene Basreliefs, Allegorien und Medaillen angebracht. So las man zum Beispiel unter Napoleons Porträt: ‚Le bonheur du monde est dans ses mains‘; man muß gestehen, daß es sich in keinen schlechteren Händen befinden konnte. Unter einem frische Zweige treibenden Lorbeer stand: ‚Il a fait notre gloire, il la rendra eternelle‘, unter einem britischen Leoparden: ‚Il riait de notre discorde il pleure de notre union‘ und so weiter. Auf den vier Fassaden waren die Gesetzgebung, die National-Industrie, die Verschönerungen von Paris, die Ankunft der Marie Louise und so weiter und viele ekelerregende Schmeicheleien gepinselt. Dieser ebenso fragile Triumphbogen hatte gleiches Schicksal mit dem zu jener Zeit dekretierten Riesenelefanten, von dem auch nur das Modell verfertigt wurde. Ersterer wurde bald in Stücke zerschlagen und verbrannt, der andere, ein kolossaler Springbrunnen – der Elefant hatte wenigstens zehnmal die Größe eines natürlichen –, welcher auf dem Bastillenplatz errichtet werden sollte, ward der behagliche Aufenthalt von Millionen – Ratten. Der fortwährende Kanonendonner verkündigte die Annäherung des Kaiserlich Königlichen Hochzeitszuges, der sich nur sehr langsam durch die unermeßlichen Menschenmassen, die den ganzen Weg von St. Cloud bis Paris besetzt hatten und aus fünfzig und mehr Lieues in der Runde herbeigeströmt waren, fortbewegte. Das Volk von Paris hatte sich von den Tuilerien über den Concordienplatz nach den Elysäischen Feldern in Bewegung gesetzt. Alle Fenster bis unter die Dächer der Häuser, an denen der Zug vorüber kommen sollte, waren mit eleganten Damen besetzt, und auf den Dächern und Bäumen wimmelte es von alten und jungen Knaben; wo es nur möglich war, hatte man Gerüste zum Schauen angebracht, wo man horrende Preise für die Plätze bezahlte. Für die von dem Präfekten von Paris eingeladenen Personen waren amphitheatralische Sitze zu beiden Seiten des hölzernen Triumphbogens errichtet. Hier hatte auch ich durch Clarkes Verwendung einen Platz erhalten. Fürst Y. war in der Galerie des Louvre. Gegen Mittag war der ungeheure Raum von den Tuilerien bis vor die Porte Maillot auf beiden Seiten hinter den Spalieren der Truppen bis zum Erdrücken angefüllt, und trotzdem sich die Bevölkerung der Hauptstadt für diesen Tag wenigstens um die Hälfte vermehrt hatte, hörte man doch nichts von einem Unfall. Die polizeilichen Anstalten waren vortrefflich. In dem Garten der Tuilerien waren die napoleonischen Garden aufgestellt und auf den anderen Plätzen Linieninfanterie. In einer gewissen Entfernung standen immer wieder Kavallerie- und Infanterie-Piketts, bereit, sich augenblicklich an jeden Ort zu begeben, wo eine Störung entstehen würde. Gegen ein Uhr wurde das Gedränge, der Lärm und endlich das Vivatgeschrei immer lauter, die Kanonen donnerten fort und fort, Tausende von Trommeln wirbelten, die an verschiedenen Orten aufgestellten Orchester, wohl ein paar Dutzend, spielten, und das ‚Vive l’Empereur‘ artete in rasendes Geschrei und Toben aus. Jetzt erblickte man von dem Triumphbogen den sich gravitätisch nähernden Zug, den die neuerrichteten Lanciers der Garde eröffneten, deren glänzende Uniform, Bewaffnung und schöne Haltung zuerst aller Augen auf sich zogen. Ihnen folgten die Gardedragoner und Chasseurs, an deren Spitze Musikchöre ritten; dann kamen die Wappenherolde zu Pferd, diesen folgten die Hofwagen, einige dreißig an der Zahl, alle reich vergoldet, von gleicher Form und jeder mit sechs Pferden bespannt. In den ersten saßen die Großoffiziere des kaiserlichen Hauses und die Großwürdenträger des Reichs, hinter ihnen kamen die Könige, Königinnen, Prinzen und Prinzessinnen vom kaiserlich napoleonischen Geblüt, dann Marie Louisens Oheim, der Großherzog von Würzburg, sodann der Wagen der Kaiserin, mit acht Pferden bespannt, endlich der ebenfalls mit acht Pferden bespannte Krönungswagen Napoleons, in welchem die Neuvermählten, Marie Louise zur Linken ihres Gatten, saßen. Dieser Wagen war mit schönen Malereien und anderen kostbaren und künstlichen Verzierungen überladen. Auf beiden Wagen standen hinten und vorn reich gekleidete Pagen, um sie herum ritten die Marschälle des Reichs, die Chefs der Garden, die Oberstallmeister und so weiter im Prachtkostüm, die Pferde mit Gold behangen. Ihnen folgten die Wagen, in denen das kaiserliche Gefolge saß, den Zug schlossen endlich die Gardegrenadiere zu Pferde und die Gendarmerie d’Elite. Überall boten junge, weißgekleidete Mädchen der Kaiserin Körbe mit Blumen dar. Als der Krönungswagen in die Nähe des Triumphbogens kam, war es heller Sonnenschein, und während er durch denselben zog, spielte die treffliche Musik des Konservatoriums Kantaten, Fanfaren und andere analoge Musikstücke und Lieder. Als aber die allgemeinen Kanonensalven aus hundert Feuerschlünden, das Geläute aller Glocken der ungeheuren Stadt, das in wildes Toben ausgeartete Geschrei des Volks die Ankunft des kaiserlichen Paares unter dem Triumphbogen verkündete, wo angehalten wurde, da ward es plötzlich stille, und der Seine-Präfekt an der Spitze der Munizipalität von Paris beglückwünschte Napoleon und seine Gattin im Namen der Hauptstadt. Seine Rede war ein Galimathias der übertriebensten, ja lächerlichsten Schmeicheleien, und am Ende derselben richtete er auch einige Worte an Marie Louise, die sehr geistreich antwortete: „daß sie die Stadt Paris liebe, weil sie wisse, daß diese auch den Kaiser liebe!“ Als dieser Akt der brillanten Komödie vorüber war, setzte sich der Zug unter dem erneuten Vivatgebrüll, Kanonaden, Geläute, Trommeln, Trompeten und so weiter wieder in Bewegung. Am Eingang des Tuileriengartens war wieder ein kleiner Triumphbogen errichtet, dessen Material nicht dauerhafter als das des großen war. Auf diesem sah man die Namenszüge Napoleons und Franzens und die Wappen von Frankreich und Österreich schimmern sowie die allegorischen Figuren des Friedens und Überflusses, beides war aber nicht vorhanden. Auf einem dritten Triumphbogen vor dem Eingang des Palastes der Tuilerien war eine Tribüne in Form eines Zeltes angebracht, an dessen beiden Seiten wieder zwei Orchester placiert waren. Bald nach seinem Eintritt in den Palast zeigte sich das hohe Paar abermals dem guten Pariser Volk auf einem Balkon, nahm nochmals dessen Jubelgeschrei in Empfang und zog sich dann in die inneren Gemächer zurück, um sich mit dem schweren Kaisermantel behängen zu lassen, worauf es sich mit dem ganzen Zug in der Ordnung, in der man gekommen war, in die Kapelle des Louvre begab, die zu dieser religiösen Feierlichkeit besonders hergerichtet worden war. Der Weg ging durch die lange Galerie, welche die Tuilerien mit dem Louvre verbindet und in der die besten Meisterstücke der größten Maler, die je gelebt, aufgestellt waren. Ein kostbarer Teppich, über eine halbe Million an Wert, deckte den Fußboden des über eine halbe Viertelstunde langen Ganges. Zu beiden Seiten bildeten über viertausend elegante und reichgeschmückte, zum Teil sehr schöne Damen in prächtigen Toiletten das Spalier, hinter ihnen standen ebensoviele Herren en grand costume, unter denen ich mir auch vermittelst einer Eintrittskarte ein Plätzchen verschafft, aber nur mit großer Mühe von dem Triumphbogen aus hierher hatte gelangen können. Das Kleid der Kaiserin war mit Diamanten übersät, und ihr Diadem, aus den größten Diamanten bestehend, blendete alle Augen. Die Damen vom höchsten Rang trugen die Schleppe ihres Mantels, und die Schleppen der Mäntel dieser wurden wieder von hochgestellten Beamten getragen. Es war eine wahre Schleppenträgerei, über die einige graziöse Pariserinnen, hinter denen ich Posto gefaßt hatte, sich mokierten. Während dieses Zuges spielte die Musik von Paer, dem Direktor der kaiserlichen Kapelle, eigens dazu komponierte Melodien, auch wurden während des langen Harrens Erfrischungen präsentiert. Der Anblick dieser, mit so schön geputzten Damen und Gemälden geschmückten unabsehbaren Galerie war unbeschreiblich und außerordentlich prächtig. Drei Uhr war es schon, als sich die Pforten an der Seite der Tuilerien auftaten und die Wappenherolde den nahenden Hochzeitszug eröffneten. Alle Zuschauer standen auf und unbeweglich auf ihren Plätzen, bis er vorüber war; er bewegte sich langsam und feierlich unter dem Spielen der Musik und dem Vivatgeschrei in die prächtig dekorierte Kapelle. Der Hochaltar derselben war gerade der Galerie gegenüber errichtet, über demselben hing ein Thronhimmel, und auf demselben standen viele große Leuchter von Vermeuil, in der Mitte ein großes goldenes Kruzifix. Ein Basrelief von vergoldetem Silber stellte die Anbetung der Hirten vor; es war von dem berühmten Sarazin unter Ludwig XIV. verfertigt worden und an der Vorderseite des Altars angebracht. Ein Teppich von karmoisinrotem Thronsammet bedeckte den Fußboden, zwei Reihen Sitze von gleichem Stoff umgaben den Raum, in dessen Mitte die beiden Armstühle und Betaltäre standen, die für das kaiserliche Ehepaar bestimmt und mit goldenen Bienen auf Purpur übersät waren. In der Kapelle selbst waren zwei Reihen Tribünen ringsherum errichtet, mit scharlachrotem Atlas und himmelblauen Wolken drapiert und mit goldenen Fransen und Galons versehen. Die Wände waren mit herrlichen Gobelin-Tapeten behangen, und wo es sich nur tun ließ, waren die Namenszüge Napoleons und Marie Louisens, mit Kränzen umgeben, angebracht. Dem Altar gegenüber war das Orchester der Kirchenmusik. Die Könige, Prinzen und Prinzessinnen nahmen auf den Sitzen um denselben Platz, die Großoffiziere, Minister, Gesandten, Palastdamen und so weiter an den Tribünen. Der Kardinal Fesch, Napoleons Oheim, verrichtete in seiner Eigenschaft als Großalmosenier die Trauung, wobei noch andere Kardinäle und Bischöfe hilfreiche Hand leisteten; er las eine Messe, und dann wurde das Tedeum von der Hofkapelle gesungen. Die ganze Zeremonie währte ungefähr eine gute halbe Stunde. Nach ihrer Beendigung trat der Zug wieder in derselben Ordnung den Rückweg an, und die jetzt auch kirchlich Vermählten zeigten sich nochmals dem Volk, worauf alle Garden und sämtliche Truppen unter fortwährendem Vivatrufen unter ihren Augen vorüberdefilierten. Hierauf wurde ein Bankett in den Tuilerien gehalten, wo Kaiser und Kaiserin mitten unter Königen und Königinnen, kaiserlichen und königlichen Prinzen und Prinzessinnen saßen und um sie herum die Prinzen, Großwürdenträger, Reichsmarschälle, Palastdamen und so weiter standen. Nach beendigtem Bankett zeigten sich die Kaiserlich Königlichen Majestäten noch einmal der noch immer vor dem Schloß stehenden unzählbaren Volksmenge von dem Balkon des Marschallsaals. Nun begann ein Monsterkonzert, in dem lauter auf die Feier des Tages anspielende Musikstücke vorgetragen wurden, unter denen der Chor aus Glucks Iphigenia ‚Que d’attraits, que de majesté!‘ besonders hervorgehoben und beklatscht wurde. Alle Theater der Hauptstadt und in ganz Frankreich waren zwei Tage gratis dem Publikum geöffnet, und in jedem gab man auf diese Feier bezügliche Vorstellungen. Nach dem Konzert gab ein losgelassener Feuerdrache das Signal zum Beginnen der Feuerwerke, und in einem Nu schien das ganze unermeßliche Paris in Flammen zu stehen. Dies war wirklich ein grandioses Schauspiel, wie ich noch kein ähnliches gesehen. Wohl an fünfzigtausend Raketen stiegen jetzt zugleich in verschiedenen Stadtteilen empor, und ‚taghell war die Nacht gelichtet‘; dies war aber nur das Vorspiel des feurigen Schauspiels, das die wunderbarsten Gegenstände, Zauberpaläste, Tempel und so weiter in der Luft erscheinen ließ; fast ebenso schnell waren jetzt alle Paläste, Gebäude und Häuser der ungeheuren Stadt illuminiert und prangten mitunter mit recht sinnigen Transparenten. Die Feuermassen auf den höchsten Türmen, Kuppeln, Kirchendächern und Glockentürmen schienen in der Luft zu schweben, die Illumination in dem großen Tuileriengarten, auf dem Concordienplatz, in den Elysäischen Feldern, wo jeder Baum feurige Früchte trug, am Corps legislativ, dem Palast der legion d’honneur, dem Invaliden-Hotel, dem Senatspalast, dem Pantheon, der Bank von Frankreich, der Hotels der Minister und Gesandten, der Türme von Notre-Dame, der Samariterin auf dem Pont Neuf und so weiter boten einen Glanz und eine so flammende Mannigfaltigkeit, daß sie augenblendend und sinnverwirrend war. Eine besonders gute Wirkung hatten die sich in der Seine spiegelnden Feuer. Man hat berechnet, daß mehr denn tausend Millionen Lampen an diesem Abend in Paris brannten, und Millionen Franken gingen in Dampf und Rauch auf. Sehr brillant war die Concordienbrücke erleuchtet. Am Museum der histoire naturelle sah man illuminierte kolossale Elefanten, Löwen, Rhinozerosse, Kamele und so weiter. Eine großartigere Komödie, wie diese fast vierundzwanzig Stunden währende, habe ich nie gesehen, – und was war nur fünf Jahre später aus all diesen Herrlichkeiten und Majestäten geworden?! –
Für das Volk waren überall, namentlich in den Elysäischen Feldern, Spiele, Belustigungen und Unterhaltungen gratis angestellt. Da gab es unzählige mats de cocague, mit allen möglichen zu erkletternden Kostbarkeiten beladen, Seiltänzer und Springer, ein paar hundert Schaubuden, zu denen der Eingang gratis war. Franconi mußte mit all seinen Roßkünstlern seine Tours de force produzieren, wobei er über fünfhundert Menschen, über hundert Pferde, Hirsche und so weiter verwendete. Tanzböden waren alle paar hundert Schritte aufgeschlagen, ebenso Karussells, Schaukeln, Saltimbanci, kleine Theater, Marionettenbuden, Polichinells und Harlequins, Taschenspieler und Optiker, illuminierte Luftballons, Lotterien, wozu man die Lose unentgeltlich erhielt und alle Arten Lebensmittel, vom bescheidenen Stück Ochsenfleisch bis zum gebratenen Kapaunen und Pasteten, gewann; dies alles erhielt das gute Volk gratis, das Gouvernement und die Stadt zahlten alles, und bis zum anbrechenden Tag währte der allgemeine Taumel.
So endete ohne besondere Unfälle die Feier des zweiten April. Außerdem waren alle rückständigen Steuern erlassen worden, die Polizei hatte alle wegen Vergehungen Inhaftierte frei gelassen und ihre Kerker geöffnet, alle Arreste beim Militär der ganzen Armee waren aufgehoben worden, und sechstausend Mädchen wurden mit ebensoviel Soldaten verheiratet und auf kaiserliche Unkosten ausgesteuert.
Den dritten April empfing das kaiserliche Ehepaar die Glückwünsche und Huldigungen des Senats, des gesetzgebenden Körpers, des Staatsrats, der Gesandten und so weiter, worauf es sich dann, von den vielen Strapazen und Solennitäten etwas ermüdet und abgespannt, auszuruhen geruhte, um zu den noch bevorstehenden großen Festivitäten, die ihm zu Ehren die Stadt Paris, die Garden, Gesandtschaften und so weiter veranstalten wollten, neue Kräfte zu sammeln. In der Academie impériale hatte man eine große Prachtoper, der Triumph Trajans betitelt, bei dieser Gelegenheit in Szene gesetzt und häufig wiederholt; an der Musik war aber nicht viel. Gegen Ende April trat Napoleon mit seiner jungen Frau eine Reise in die Norddepartements an. Während seiner Abwesenheit wurden mit großem Eifer die Vorbereitungen zu den großen Festen betrieben, die ihm bei seiner Zurückkunft gegeben werden sollten und wozu man die Anstalten auf dem Marsfeld, in dem Stadthaus, in den Elysäischen Feldern und so weiter machte.
Einstweilen lebte ich so recht sorgenlos und in dolce giubilo in Paris in den Tag hinein, frequentierte die Theater und ihre liebenswürdigsten Prinzessinnen, hie und da die Spielsäle, den Tisch des Fürsten Y., wenn es mir gerade gelegen war, und machte mit dem Beginnen der schönen Jahreszeit häufig Exkursionen in die Umgegend von Paris, besuchte das Boulogner Wäldchen, Vincennes, St. Denis, Auteuil, St. Germain, St. Cloud, Sèvres und andere Orte meistens in lustiger Gesellschaft. Einigemal machte ich auch einsame Landpartien mit Angelika, aber die unterhaltendsten waren die mit der Mars vom französischen Theater nach Montmorency, Versailles, Fontainebleau, Chantilly und Compiègne. Montmorency hatte besonders viel Anziehendes für uns beide, und wir besuchten es öfters.
In diesem anmutigen Tal verlebte ich mit der höchst liebenswürdigen Mars manchen seligen Tag. Die Mars war zwar um zehn Jahre älter als ich, aber ihrem Ansehen nach schien sie fast noch jünger zu sein. Unter allen Schauspielerinnen, die ich gekannt, habe ich keine gefunden, die in einem so hohen Grad geistige mit körperlicher Liebenswürdigkeit verbunden hätte, und auch ohne ihr eminentes, nicht wieder erreichtes dramatisches Talent war sie ein Weib von der größten Auszeichnung, sowohl hinsichtlich des Verstandes als der Anmut ihres ganzen Wesens; der Wohllaut ihres Organs, das Graziöse jeder ihrer Bewegungen, ihre Sprache und die Art, wie sie sich auszudrücken wußte, dies alles vereint hätte auch den indolentesten Phlegmatikus noch in Feuer versetzen können, auch war sie die allgemein Angebetete. Wer sie nur einmal im Lustspiel gesehen, weiß, wie unvergleichlich, wie unerreichbar ihre Leistungen als Künstlerin waren, welchen Ausdruck ihr Mienenspiel hatte, wie sie durch ihre graziöse Koketterie und Schalkhaftigkeit alles hinzureißen, alles zu bezaubern wußte.