Annaberg hat sich seit zwei Jahren in ihrem sich angeeigneten Zeitbewußtsein und in dem Gebiete des geistigen Fortschritts dadurch rühmlich hervorgethan, daß es dem Einschmuggeln von jesuitischem Schnörkelwerk in die neue römisch-katholische Kirche, auf den Grund der Verfassungs-Urkunde, kräftig und deshalb mit Erfolg widersprach, weil gleichzeitig die Triersche Rockparthie und Ronges Sendschreiben an den Bischof Arnoldi, so wie die dadurch hervorgerufenen würdevollen Widerstrebungen gegen die römische Hierarchie mit dem Baue ihrer Kirche in dieser Stadt zusammen traf.

Wer hat hiernächst bei einer leichten Rechnungsaufgabe nicht oft gehört: »Nach Adam Riesens Rechnenbuche beträgt es so oder so viel?« Dieser Adam Riese, ein geborner Annaberger, lebte im 16. Jahrhundert als Bergschreiber in Annaberg und war der Verfasser eines allgemein verständlichen Rechnenbuchs. Er starb daselbst im Jahre 1559. Das Vorwerk Riesenburg bei Geyersdorf, welches der Rieseschen Familie gehörte und dessen Gebäude 1641 von den Schweden zerstört wurden, hat sein Andenken mit erhalten.

Auf dem Todtenacker der Stadt, der seiner ganzen Ausdehnung und Befriedigung, so wie der innern Einrichtung nach, der Liebe und Achtung, die man seinen lieben Heimgegangenen schuldig ist, entspricht und überall das Gepräge der Pietät in allen ihren Abstufungen an sich trägt, ruht auch Barbara Uttmann aus Brabant, welche in Elterlein erzogen und in Annaberg 1561 die Kunst, Spitzen zu klöppeln, einführte, während bis dahin nur genähte oder gewirkte Spitzen bekannt waren. Wer die Segnungen des Spitzenklöppelns im Obergebirge kennt und weiß, daß Kinder, oft noch nicht zur Schule reif, leichte Muster klöppeln und für die Reinlichkeit zugleich erzogen werden, der wird auch dankbar zu den Stiftern des Denkmals emporblicken, die das Andenken an die Wohlthäterin Uttmann auf dem Friedhofe erneuerten und für eine spätere Zukunft zu erhalten strebten.

Noch gedenken wir eines wahrhaft edlen und vortrefflichen Mannes, welcher den 28. Januar 1726 in Annaberg geboren wurde; es war der in Leipzig verstorbene Kreissteuer-Einnehmer und Kinderfreund Weiße. Was er für Kinder, besonders verarmte und Waisen that und für sie schrieb, ist zu bekannt, als daß es einer Wiederholung bedürfte. Darum feierte auch, in Anerkennung seiner Verdienste, seine Vaterstadt das 100jährige Geburts-Jubiläum am 28. Januar 1826, nicht aber blos mit einem Zweckessen, sondern durch eine Stiftung zur Erziehung armer verwaiseter Kinder des Erzgebirges. Der Festverein veranstaltete eine Subscription und aus allen Gegenden flossen Beiträge zusammen, so daß bereits 7000 Rthlr. Kasse vorhanden ist, aus welcher alljährlich jedesmal den 28. Januar 7 verwaisete arme Kinder gekleidet und zur weitern Erziehung versorgt werden. So weiß Annabergs Einwohnerschaft die Verdienste abgeschiedener Männer und Frauen zu würdigen; – Glück auf!

In einem eben nicht umfangreichen Thalkessel, wo die, mit der Sehma bereits vereinigte, Zschopau von der einen und die Pöhla, oder richtiger Biela, von der andern Seite einander die Schwesterhand reichen und vereint nach Wolkenstein hinabfließen, liegt in anmuthvoller Einsamkeit

Wiesenbad

eine Stunde Wegs von Annaberg. Nur die Sommermonate wird es häufig besucht und für die Kur auf längere oder kürzere Zeit bewohnt. Der Besitzer dieses Bades, Herr Kaufmann Eisenstuck, hat viel für eine freundlichere Aufnahme der Badegäste und für bequeme Logis gethan und rühmlich dafür gesorgt, daß es nicht an abwechselnden Vergnügungen fehlt. Eine Menge Gänge über hoch emporsteigende, mit Wald bewachsene Felsentrümmer und enge Thalschluchten, schattige Wege an den Ufern des Flusses, der durch bunte Wiesen wandelt, werden gar sehr besucht.

Die Amethistgänge zu Wiesenbad, von schöner hoch violblauer Farbe, sind bekannt, weniger der Granitstock, welcher durch den Straßenbau nach Annaberg aufgeschlossen wurde, mit seinem Stockscheider, der grünen und blauen Flußspath mit kleinen weißen Apatiten führte.

Lith. Anst. v. Rudolph & Dieterici in Annaberg