[Der vierte Brief.] Adresse: Augusten. — [zu einem verdrüslichen Geschäfft]: doch wohl seiner Anwaltspraxis. — [beygehendes Zettelgen]: ist verloren. — [Ehlers]: Martin Ehlers (1732-1800), damals Gymnasialrektor zu Altona, später Professor in Kiel, pädagogisch-philosophischer Schriftsteller; ein Brief an ihn ging am 14. April ab. — [innigen Freundin]: v. Oberg, Stiftsdame im Stifte Ütersen (unterhalb Altona unweit vom rechten Ufer der Elbe). — [Fieber]: zu Gustchens Krankheitsanfällen siehe noch S. [34].
[Der fünfte Brief.] In der Zeit dieses Briefes (April) ist Goethes Verhältnis zu Lili durch die Einwilligung der beiderseitigen Familien zur förmlichen Verlobung gediehen. — [Liedgen]: die Arie Erwins »Ihr verblühet süße Rosen« aus »Erwin und Elmire« (vgl. S. [16]), für die Goethes Freund, der Frankfurter Komponist Philipp Kayser (1755-1823), eine Melodie des französischen Opernkomponisten A. E. Grétry (1741-1813) umgebildet hatte. — [Ihre Brüder kommen]: aufgefordert von ihrem Göttinger Studiengenossen, dem Baron Kurt v. Haugwitz, dem späteren Grafen und preußischen Minister (1752-1831), hatten sich die Grafen Christian und Friedrich Leopold zu einer Reise in die Schweiz entschlossen. Sie trafen etwa am 9. Mai in Frankfurt ein, wo sie von Haugwitz erwartet wurden. Gleich nach ihrer Ankunft erschien Goethe bei ihnen. Er erklärte sich alsbald bereit, die neuen Freunde auf ein großes Stück des geplanten Weges zu begleiten; er hoffte im Wechsel frischer Natureindrücke sein stürmendes Herz zu beruhigen und durch eine Trennung seine quälend-beseligenden Gefühle für Lili sich klären und entscheiden zu lassen. Am 14. Mai 1775 ward die Reise angetreten. — [zweiten Band der Iris]: die von dem Anakreontiker Joh. Georg Jacobi (1740-1814) in Düsseldorf herausgegebene Vierteljahrsschrift »Iris« enthielt in des zweiten Bandes erstem Stück (Januar 1775) das Gedicht »Kleine Blumen, kleine Blätter«, das »Maifest« (»Wie herrlich leuchtet«) und den »Neuen Amadis« (»Als ich noch ein Knabe war«), in des zweiten Bandes drittem Stück (März 1775) außer »Erwin und Elmire« die Gedichte: »An Belinden« (»Warum ziehst du mich unwiderstehlich«, vgl. S. [50]), »Neue Liebe, neues Leben« (»Herz, mein Herz, was soll das geben«), »Willkommen und Abschied« (»Es schlug das Herz, geschwind zu Pferde«).
[Der sechste Brief.] Ein unvollendeter Brief, der vielleicht mit dem siebenten, wenn nicht noch später abgeschickt worden ist. — [Wie weit ists nun]: Gustchen war von einer Reise nach Hamburg nach Kopenhagen zurückgekehrt. — [wieder in Franckfurt]: seit dem 22. Juli. Die Briefe, die Goethe von der Reise an Gustchen gerichtet haben wird, sind nicht überliefert. — [in Zürch getrennt]: etwa am 6. Juli. Die Stolberge setzten durch die Schweiz ihre Reise fort, die sie an den Comer und Genfer See führte. — [im Wolckenbade]: auf dem St. Gotthard. — [Ich litt mit ihm]: in Straßburg (am 25. Mai) hatte Fritz Stolberg die Nachricht erhalten, daß Sophie Hanbury, eine junge Engländerin in Hamburg, der er seine Liebe gewidmet, seine Neigung nicht erwidern könne: vgl. S. 25. — [Gräfin Bernsdorf]: Gustchens Schwester Henriette Friederike, die erste Gattin des hochverdienten dänischen Ministers Andreas Petrus Bernstorff (1735-1797), dem nach dem Tode der Schwester (1782) Gustchen dann selbst die Hand zur Ehe gereicht hat. — [Zettelgen]: gemeint ist nicht etwa eine Beilage, sondern der ganze sechste Brief.
[Der siebente Brief.] — [Hier]: in Offenbach, im Hause d'Orvilles, vor Lilis Schreibtisch. — [der Brief liegt in der Stadt]: jedenfalls Brief Nr. [6] (S. [23]), der dann gelegentlich mit dem Vermerk: »Hier ein altes verlohrnes Zettelgen« abgeschickt worden ist. — [Ihm ist wohler]: weil für ihn die Entscheidung gefallen (vgl. S. 23). — [Schlacht bey Bergen]: am 13. April 1759 zwischen Herzog Ferdinand von Braunschweig und den Franzosen unter Marschall Broglie; sie ward die Ursache des im dritten Buche von »Dichtung und Wahrheit« geschilderten Zusammenstoßes zwischen Goethes Vater und dem Königsleutnant Grafen Thoranc. — [Pannier]: Reifrock. — [vier Heumans Kinder]: die vier Genossen der Schweizer Reise, die gleich Rainald von Montalban und seinen drei Brüdern, den Helden der »Schönen Historie von den vier Haimonskindern, samt ihrem Roß Bayart« auf Abenteuer ausgezogen waren. Nach der Mutter der Haimonskinder hat Goethes Mutter den Namen »Frau Aja« erhalten. — [stechen lassen]: die Silhouetten Goethes, der Stolberge, des Barons v. Haugwitz finden sich in Lavaters »Physiognomischen Fragmenten«, im dritten Versuch (1777), auf der Kupfertafel zu S. 35. — Statt der Unterschrift ein Schnörkel.
[Der achte Brief.] — [Schlang im Grase]: nach dem Worte des Vergil: latet anguis in herba (Bucol. 3, 93). — [Trompte]: veraltet statt »Trompete«. — [Ubalds Schild]: in Tassos »Befreitem Jerusalem« erkennt Rinaldo, den die schöne Zauberin Armida in Liebe und Wohlleben gefesselt hält, in dem ihm vorgehaltenen demantenen Schilde des Ritters Ubaldo sein durch Tand und weibischen Putz entwürdigtes Wesen. — [zwey Fürstinnen]: vermutlich die verwitwete Markgräfin Sophie Karoline von Brandenburg-Bayreuth (geb. 1737) und die verwitwete Herzogin Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen (geb. 1730). — [iunges Paar]: Pfarrer Ewald (vgl. S. [17]) hatte sich am 10. September mit Rachel Gertrud du Fay, der Tochter eines Frankfurter Kaufmanns, vermählt. Zur Hochzeitfeier hatte Goethe das »Bundeslied« (»In allen guten Stunden«) gedichtet. — [iunge Frau liegt auf dem Bette]: Frau André, die am 6. Oktober einen Knaben (Joh. Anton) zur Welt brachte. — [Verliebelte ... mit einem Mädgen]: Lottchen Nagel, ein Mädchen anscheinend niederen Standes, in ärmlicher, kellerartiger Behausung wohnend, aber wohl durch Anmut, Ursprünglichkeit und urwüchsigen Geist den naturhungrigen Genossen der Frankfurter Geniezeit ein Gegenstand verliebter Bewunderung. Goethe hat sogar die Grafen Stolberg bei ihr eingeführt, an sie das Gedicht »An Lottchen« (»Mitten im Getümmel mancher Freuden«) gerichtet. — [Ratte die Gift gefressen]: Umschreibung des Liedes »Es war eine Ratt im Kellernest« in der Szene »Auerbachs Keller« des »Faust«. Aus dieser Übereinstimmung ist nicht zu schließen, daß die »Faust«-Szene, die Goethe am Morgen gedichtet, eben die Szene »Auerbachs Keller« gewesen sei. — [war Lili hier]: zum Hochzeitfeste Ewalds. — [süsen Geschöpfe zu lieb]: unbestimmbare Persönlichkeit; vgl. S. [33]. — [Geist der reinheit]: man gedenkt der Worte, die Goethe in sein Weimarer Tagebuch unterm 7. August 1779 eingeschrieben: »Möge die Idee des Reinen, die sich bis auf den Bissen erstreckt, den ich in Mund nehme, immer lichter in mir werden.«
[Der neunte Brief.] Unmittelbare Fortsetzung des achten, begonnen am 20. September. In den letzten Tagen des Septembers scheint sich das Verhältnis zu Lili endgültig gelöst zu haben. Lili hat sich 1778 mit dem Bankherrn Bernhard Friedrich v. Türckheim in Straßburg vermählt. Die Charakterstärke und Seelengröße, die sie später in den Stürmen der Französischen Revolution als Gattin und Mutter bewährt hat, zeigen, daß Goethe die Liebeskraft seines Dichterherzens an keine Unwürdige verschwendet hat. Sie ist 6. Mai 1817 gestorben. — [Prinzen von Meinungen]: Herzog August Friedrich Karl von Sachsen-Meiningen (1754-1782) und sein Bruder Georg Friedrich (1761-1803), die mit ihrer Mutter (vgl. S. [28]) in Frankfurt weilten. — [ums Thor]: um die Stadtmauer. — [Manns von Geist]: nicht bestimmbar. — [tolles Zeug]: vermutlich jenes Mißverständnis, das Goethe (mit irrtümlicher Festsetzung des Zeitpunktes?) im 20. Buch von »Dichtung und Wahrheit« erzählt. Am 11. Dezember 1774 hatte Goethe den Erbprinzen Carl August von Sachsen-Weimar und Eisenach (1757-1828) kennen gelernt. Am 3. September 1775 großjährig geworden und zur Regierung gelangt, weilte Herzog Carl August wiederum etwa 20.-22. September in Frankfurt, auf der Durchreise nach Karlsruhe, wo am 3. Oktober seine Vermählung mit der Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt (1757-1830) stattfand. Für den 22. September nun hatte Goethe eine Einladung zur Tafel von den Prinzen von Meiningen erhalten, glaubte jedoch, es handele sich um eine Einladung zu Carl August. Er suchte diesen auf, fand ihn bei den Prinzen von Meiningen, von denen sich Carl August zur Weiterfahrt verabschieden wollte, und verließ mit ihm die Prinzen nach kurzem Besuch, um dann selbst auf der Straße vom Herzog, der den Reisewagen bestieg, entlassen zu werden. — [erwarte den Herzog v. Weimar]: der mit seiner Gemahlin am 12. Oktober wiederum in Frankfurt eintraf. — [nach Hamburg]: Goethe wollte mit den Grafen Stolberg, die, von ihrer Schweizer Reise (vgl. S. [23]) zurückkehrend, ihn in Weimar abholen sollten, Klopstock und Gustchen besuchen. — [Weimar]: hier war er am 7. November angekommen. — [erwarte deine Brüder]: sie langten am 26. November in Weimar an und verließen es am 3. Dezember 1775, ohne Goethe, der, vom Herzog zurückgehalten, dann am 11. Juni 1776 aus einem Gaste des Herzogs als Geh. Legationsrat sein vertrauter Beamter geworden ist.
[Der elfte Brief.] — [Kranck]: die Nachricht von der schwerem Erkrankung Gustchens im März 1776 hat Goethe vermutlich durch Fritz Stolberg erhalten; noch Ende April war sie nicht ganz wiederhergestellt; vgl. S. [22]. — [Stella]: vgl. S. [16]; Ende Januar 1776 hatte Goethe die gedruckten Exemplare dieses »Schauspieles für Liebende« erhalten und wird alsbald eines an Gustchen gesendet haben. — [Mittwoch nach Ostern]: 10. April.
[Der zwölfte Brief.] — [das ist alles was ich thun kann]: um sie, die in ihrem Briefe vermutlich ihrer Sorge über das angeblich wilde Weimarer Treiben (vgl. S. [40]) Ausdruck gegeben hatte, durch genaue Darstellung seines Lebens von der Haltlosigkeit des bösen Gerüchtes zu überzeugen.
[Der dreizehnte Brief.] — [In meinem Garten]: in unmittelbarer Nähe des Parks, am Abhang eines mäßigen Höhenzuges, unweit des rechten Ilmufers gelegen, ein Geschenk des Herzogs, das Goethe am 21. April 1776 in Besitz genommen hat. — [Rittmeister]: Friedr. Ernst v. Lichtenberg, Rittmeister des weimarischen Husarenkorps. — [Frau v. Stein]: Goethe hat sie Mitte November 1775 kennen gelernt. — [Ihr Mann]: Oberstallmeister des Herzogs Frhr. Gottlob Ernst Josias Friedrich v. Stein auf Kochberg (1735-1793). — [ihr Bruder]: der Regierungsrat Ernst Karl Constantin v. Schardt. — [Ilten]: Karoline v. Ilten und ihre Schwester Sophie. Karoline stand in leidenschaftlichen Beziehungen zum Prinzen Constantin, die vom Herzog mißbilligt wurden: Sophie ist 1778 Gattin des Rittmeisters v. Lichtenberg geworden. — [Herzoginn Mutter]: Anna Amalia (1739-1807). — [dem Prinzen]: Carl Augusts jüngerer Bruder Constantin (1758-1793). — [Ich hab das ausgestrichen]: ausgestrichen ist im Briefe von »mich dahin zu stellen« (Seite [36], 3. Zeile v. u.) bis »als Vorbereitung an«. — [Philipp]: Goethes vertrauter Diener Philipp Seidel. — [Krause]: Georg Melchior Kraus, der Leiter der Weimarer Zeichenschule. — [Guiberts Tacktick]: des französischen Generals und Militärschriftstellers Jacques Antoine Hippolyte Grafen v. Guibert (1743-1790) damals vielbeachteter zweibändiger »Essai général de tactique«. — [eines meiner Freunde]: vielleicht Joh. Heinrich Jung, gen. Stilling (1740-1817), der, ursprünglich Schneidergeselle, in Straßburg, wo er Goethes Tischgenosse gewesen, Medizin studiert hatte und damals als Arzt in Elberfeld lebte. Goethe hat seine von tiefster religiöser Empfindung getragene Selbstbiographie 1777 zum Druck befördert. — [Tiefurt]: unterhalb Weimars am linken Ilmufer. — [Friz wird gute Tage mit uns haben]: vom Herzog zum Kammerherrn ernannt, wurde er zum Antritt seines Amtes in Weimar erwartet; vgl. S. [40]. — [in ihrer Einsamkeit]: Cornelia fühlte sich in ihrer Ehe nicht glücklich. — [Habe viel ausgestanden]: durch den leitenden Minister Jacob Friedrich v. Fritsch, der sich der Anstellung Goethes widersetzte, und durch die Liebe zu Charlotte v. Stein.