6.
Ballade aus Dodley’s Sammlung altenglischer Gedichte.

7.
*
Neujahrsgedicht.

8.
*
Etwas über die Veränderung des Theaters beim Shakspeare.

9.
Etwas über den Charakter des Sokrates, aus dem Xenophon.

10.
Briefe über die Moralität des jungen Werthers.

11.
Koriolan von Shakspeare.

Die merkwürdigsten unter den übrigen Mitgliedern waren, außer Salzmann, der das Präsidium führte, Magister Leypold[4] (1730 zu Straßburg geboren, gestorben als Professor am Gymnasium daselbst 1792), ein Schützling Schöpflin’s, auf dessen Veranlassung er gelehrte Reisen nach Italien, der Schweiz und nach Holland machte; ein gründlicher Philologe und geschmackvoller Dichter; als Republikaner eifrig und seine Schüler für wahre Vaterlandsliebe begeisternd; übrigens ein Original, von dem noch jetzt die drolligsten Anekdoten kreisen. Er trug in der Gesellschaft eine Charakteristik von Sebastian Brant’s Narrenschiff vor. — Dr. J. Lorenz Blessig, Professor der Theologie (gestorben 1816), als anregender Lehrer der akademischen Jugend und geistlicher Redner ausgezeichnet. — Der gelehrte, geistreiche Dr. Isaac Haffner (gest. 1831), zuletzt Dekan der theologischen Fakultät zu Straßburg, dessen Predigten, hinsichtlich der Form, als klassische Muster anerkannt sind. — Johannes von Türkheim, dessen Geschichte von Hessen, in drei Theilen, berühmt geworden. — Otto, ein Gehülfe des Philologen Brunk, ein Mann von großem politischem Einflusse; zuletzt französischer Gesandter in London. — Schönfeld, ein Komponist und launiger Knittelversemacher. — Leopold Wagner (geb. zu Straßburg 1747, gest. 1779), ein Kraftgenie, mit der Lenzischen Muse verwandt. Göthe hat ihn im Faust verewigt, es ist der Famulus Wagner. Er hat mehrere Dramen geschrieben, voller Excentrität und gräulicher Scenen: „die Kindesmörderin“ (1776), deren Stoff er Göthe weggenommen hat; „die Reue nach der That“ (1775); Gervinus hält ihn auch für den Verfasser des kleinen Nachspiels „die frohe Frau“ (1775).[5] — Graf Ramond, aus Kolmar, gestorben als Staatsrath und Präfekt der obern Pyrenäen. Als Schriftsteller zeichnete er sich durch sein (im Geiste von Shakspeare und von Göthe’s Götz von Berlichingen geschriebenen) guerre d’Alsace, einem historischen Drama ( Bâle 1780), und durch les dernières aventures du jeune d’Olban, fragment des amours alsaciennes ( Yverdun 1777) aus. Ramond kann als Vorläufer der romantischen Schule Frankreichs gelten. Er schloß sich namentlich an Lenz an, dem die letztere Schrift zugeeignet ist, und mit dem er in seiner leidenschaftlichen Liebe zu Shakspeare sympathisirte. — Als Mitglieder der Gesellschaft kommen noch vor: Breu, Lobstein, Meyer, Müller, Fries, Röderer und Corvinus.[6]

Im Frühjahr 1776 verließ Lenz Straßburg und hielt sich in Weimar auf, wo er mit Göthe umgieng und mit Herder und Wieland näher bekannt wurde.

Wie von einem unvermeidlichen Schicksale getrieben, kam er aber gegen das Ende des folgenden Jahres wieder in das Elsaß. Nun brach sein oft in dumpfes Hinbrüten, in bange Schwermuth versunkenes Gemüth in vollen Wahnsinn aus, der zuweilen zur unbändigsten Raserei wurde. Er irrte im tiefen Winter, in Schnee und Wind, durch die Vogesen und kam im Jänner 1778, in seinem Aeußern aufs Höchste vernachläßigt und die traurigsten Spuren der Verirrung tragend, nach Waldbach, in’s Steinthal, wo der würdige Pfarrer Oberlin ihn mit hingebender Liebe aufnahm. Nachfolgender Aufsatz, der sich in Oberlin’s Papieren vorfand, mag dem Leser die herzzerreißenden Scenen, die während Lenz’s Aufenthalt im Steinthale vorfielen, schildern.[7]

„Den 20. Januar 1778 kam er hieher. Ich kannte ihn nicht. Im ersten Blick sah ich ihn, den Haaren und hängenden Locken nach für einen Schreinergesellen an; seine freimüthige Manier aber zeigte bald, daß mich die Haare betrogen hatten. — „Seien Sie willkommen, ob Sie mir schon unbekannt.“ — „ich bin ein Freund K...’s[8] und bringe ein Compliment von ihm.“ — „Der Name, wenn’s beliebt?“ — „ Lenz. “ — „Ha, ha, ist er nicht gedruckt?“ (Ich erinnerte mich einige Dramen gelesen zu haben, die einem Herrn dieses Namens zugeschrieben wurden.) Er antwortete: „Ja; aber belieben sie mich nicht darnach zu beurtheilen.“