Luise.
Verziehen Sie einigen Augenblick, Herr Amtmann. Die Frau Gräfin wird
gleich herauskommen. Die Beschwerlichkeiten der Reise und das
Schrecken bei der Ankunft haben einige Ruhe nötig gemacht.
Amtmann. Ich bedaure von ganzem Herzen! Nach einer so langen Abwesenheit, nach einer so beschwerlichen Reise ihren einzig geliebten Sohn in einem so schrecklichen Zustande zu finden! Ich muss gestehen, es schaudert mich, wenn ich nur daran denke. Ihro Exzellenz waren wohl sehr alteriert?
Luise.
Sie können sich leicht vorstellen, was eine zärtliche sorgsame Mutter
empfinden musste, als sie ausstieg, ins Haus trat und da die
Verwirrung fand, nach ihrem Sohne fragte und aus ihrem Stocken und
Stottern leicht schließen konnte, dass ihm ein Unglück begegnet sei.
Amtmann.
Ich bedaure von Herzen. Was finden Sie an?
Luise.
Wir mussten nur geschwind alles erzählen, damit sie nicht etwas
Schlimmeres besorgte; wir mussten sie zu dem Kinde führen, das mit
verbundenem Kopf und blutigen Kleidern dalag. Wir hatten nur für
Umschläge gesorgt und ihn nicht ausziehen können.
Amtmann.
Es muss ein schrecklicher Anblick gewesen sein.
Luise. Sie blickte hin, tat einen lauten Schrei und fiel mir ohnmächtig in die Arme. Sie war untröstlich, als sie wieder zu sich kam, und wir hatten alle Mühe, sie zu überführen, dass das Kind sich nur eine starke Beule gefallen, dass es aus der Nase blutet, und dass keine Gefahr sei.
Amtmann. Ich möchte' es mit dem Hofmeister nicht teilen, der das gute Kind so vernachlässigt.
Luise. Ich wunderte mich über die Gelassenheit der Gräfin, besonders da er den Vorfall leichter behandelte, als es ihm in dem Augenblick geziemte.
Amtmann.
Sie ist gar zu gnädig, gar zu nachsichtig.