Martin.
Ihr, Herr Breme, werdet das größte Lob davontragen.
Breme.
Nein, das gehört sich nicht; es muss jetzt alles gemein sein.
Martin.
Indessen habt Ihr's doch angefangen.
Breme. Gebt mir die Hände, brave Männer! So standen einst die drei großen Schweizer, Wilhelm Tell, Walther Staubbach, Fürst von Uri, die standen auf dem Grütliberg beisammen und schwuren den Tyrannen ew'gen Hass und ihren mitgenossen ewige Freiheit. Wie oft hat man diese wackern Helden gemalt und in Kupfer gestochen! Auch uns wird diese Ehre widerfahren. In dieser Positur werden wir auf die Nachwelt kommen.
Martin.
Wie Ihr Euch das alles so denken könnt.
Albert.
Ich fürchte nur, dass wir im Karrn eine böse Figur machen können.
Horcht! Es klingelt jemand. Mir zittert das Herz im Leibe, wenn sich
nur was bewegt.
Breme. Schämt Euch! Ich will aufziehen. Es wird der Magister sein; ich habe ihn herüber bestellt. Die Gräfin hat ihm den Dienst aufgesagt; die Kontess hat ihn sehr beleidigt. Wir werden ihn leicht in unsere Partei ziehen. Wenn wir einen Geistlichen unter uns haben, sind wir unserer Sache desto gewisser.
Martin.
Einen Geistlichen und Gelehrten.
Breme. Was die Gelehrsamkeit betrifft, geb' ich ihm nichts nach, und besonders hat er weit weniger politische Lektüre als ich. Alle die Chroniken, die ich von meinem seligen Großvater geerbt habe, waren in meiner Jugend schon durchgelesen, und das Theatrum Europaeum kenn' ich in- und auswendig. Wer recht versteht, was geschehen ist, der weiß auch, was geschieht und geschehen wird. Es ist immer einerlei; es passiert in der Welt nichts Neues. Der Magister kommt. Halt! Wir müssen ihn feierlich empfangen. Er muss Respekt vor uns kriegen. Wir stellen jetzt die Repräsentanten der ganzen Nation gleichsam in Nuce vor. Setzt euch.
(Er setzt drei Stühle auf die eine Seite des Theaters, auf die andere einen Stuhl. Die beiden Schulzen setzen sich, und wie der Magister herein tritt, setzt sich Breme geschwind in ihre Mitte und nimmt ein gravitätisches Wesen an.)