Zweiter Auftritt
Die Vorigen. Der Magister.

Magister.
Guten Morgen, Herr Breme. Was gibt's Neues? Sie wollen mir etwas
Wichtiges vertrauen, sagten Sie.

Breme. Etwas sehr Wichtiges, gewiss! Setzen Sie sich. (Magister will den einzelnen Stuhl nehmen und zu ihnen rücken.) Nein, bleiben Sie dort, sitzen Sie dort nieder! Wir wissen noch nicht, ob Sie an unserer Seite nieder sitzen wollen.

Magister.
Eine wunderbare Vorbereitung.

Breme. Sie sind ein Mann, ein freigeborner, ein freidenkender, ein geistlicher, ein ehrwürdiger Mann. Sie sind ehrwürdig, weil Sie geistlich sind, und noch ehrwürdiger, weil Sie frei sind. Sie sind frei, weil Sie edel sind, und sind schätzbar, weil Sie frei sind. Und nun! Was haben wir erleben müssen! Wir sahen Sie verachtet, wir sahen Sie beleidigt; aber wir haben zugleich Ihren edlen Zorn gesehen, einen edlen Zorn, aber ohne Wirkung. Glauben Sie, dass wir Ihre Freunde sind, so glauben Sie auch, dass sich unser Herz im Busen umkehrt, wenn wir Sie verkehrt behandelt sehen. Ein edler Mann und verhöhnt; ein freier Mann und bedroht; ein geistlicher Mann und verachtet; ein treuer Diener und verstoßen! Zwar verhöhnt von Leuten, die selbst Hohn verdienen; verachtet von Menschen, die keiner Achtung wert sind; verstoßen von Undankbaren, deren Wohltaten man nicht genießen möchte; bedroht von einem Kinde, von einem Mädchen—das scheint freilich nicht viel zu bedeuten; aber wenn Ihr bedenkt, dass dieses Mädchen kein Mädchen, sondern ein eingefleischter Satan ist, dass man sie Legion nennen sollte—denn es sind viele tausend aristokratische Geister in sie gefahren—so seht Ihr deutlich, was uns von allen Aristokraten bevorsteht, Ihr seht es, und wenn Ihr klug seid, so nehmt Ihr Eure Maßregeln.

Magister. Wozu soll diese sonderbare Rede? Wohin wird Euch der seltsame Eingang führen? Sagt Ihr das, um meinen Zorn gegen diese verdammte Brut noch mehr zu erhitzen, um meine aufs äußerste getriebene Empfindlichkeit noch mehr zu reizen? Schweigt stille! Wahrhaftig, ich wüsste nicht, wozu mein gekränktes Herz jetzt nicht alles fähig wäre. Was! Nach so vielen Diensten, nach so vielen Aufopferungen mir so zu begegnen, mich vor die Türe zu setzen! Und warum? Wegen einer elenden Beule, wegen einer gequetschten Nase, mit der so viele hundert Kinder auf und davon springen. Aber es kommt eben recht, eben recht! Sie wissen nicht, die Großen, wen sie in uns beleidigen, die wir Zungen, die wir Federn haben.

Breme. Dieser edle Zorn ergötzt mich, und so frage ich Euch denn im Namen aller edlen, frei gebornen, der Freiheit werten Menschen, ob Ihr diese Zunge, diese Feder von nun an dem Dienste der Freiheit völlig widmen wollt?

Magister.
O ja, ich will, ich werde!

Breme. Dass Ihr keine Gelegenheit versäumen wollt, zu dem edlen Zwecke mitzuwirken, nach dem jetzt die ganze Menschheit emporstrebt?

Magister.
Ich gebe Euch mein Wort.