Breme.
Unschuldig? Verrat?
Karoline (an der Türe kniend). O, wenn du sehen könntest, mein Geliebter, wie ich hier vor dieser Schwelle liege, wie ich untröstlich meine Hände ringe, wie ich meinen grausamen Vater bitte!—Machen Sie auf, mein Vater!—Er hört nicht, er sieht mich nicht an.—O, mein Geliebter, habe mich nicht im Verdacht, ich bin unschuldig!
Breme. Du unschuldig? Niederträchtige feile Dirne! Schande deines Vaters! Ewiger schändender Flecken in dem Ehrenkleid, das er eben in diesem Augenblicke angezogen hat. Steh auf, hör' auf zu weinen, dass ich dich nicht an den Haaren von der Schwelle wegziehe, die du, ohne zu erröten, nicht wieder betreten solltest. Wie! In dem Augenblick, da Breme sich den größten Männern des Erdbodens gleichsetzt, erniedrigt sich seine Tochter so sehr!
Karoline. Verstoßt mich nicht, verwerft mich nicht, mein Vater! Er tat mir die heiligsten Versprechungen.
Breme. Rede mir nicht davon, ich bin außer mir. Was! Ein Mädchen, das sich wie eine Prinzessin, wie eine Königin aufführen sollte, vergisst sich so ganz und gar? Ich halte mich kaum, dass ich dich nicht mit Fäusten schlage, nicht mit Füßen trete. Hier hinein! (Er stößt sie in sein Schlafzimmer.) Dies französische Schloss wird dich wohl verwahren. Von welcher Wut fühl' ich mich hingerissen! Das wäre die rechte Stimmung, um die Glocke zu ziehen.—Doch nein, fasse dich, Breme!— Bedenke, dass die größten Menschen in ihrer Familie manchen Verdruss gehabt haben. Schäme dich nicht einer frechen Tochter und bedenke, dass Kaiser Augustus in ebendem Augenblick mit Verstand und Macht die Welt regierte, da er über die Vergehungen seiner Julie bittere Tränen vergoss. Schäme dich nicht, zu weinen, dass eine solche Tochter dich hintergangen hat; aber bedenke auch zugleich, dass der Endzweck erreicht ist, dass der Widersacher eingesperrt verzweifelt, und dass deiner Unternehmung ein glückliches Ende bevorsteht.
Sechster Auftritt
(Saal im Schlosse, erleuchtet.)
Friederike mit einer gezogenen Büchse. Jakob mit einer Flinte.
Friederike.
So ist's recht, Jakob, du bist ein braver Bursche. Wenn du mir die
Flinte zurecht bringst, dass mir der Schulfuchs nicht gleich einfällt,
wenn ich sie ansehe, sollst du ein gut Trinkgeld haben.
Jakob.
Ich nehme sie mit, gnädige Gräfin, und will mein Bestes tun. Ein
Trinkgeld braucht's nicht, ich bin Ihr Diener für ewig.
Friederike. Du willst in der Nacht noch fort? Es ist dunkle und regnicht; bleibe noch beim Jäger.