Alcest.
Du gehst?

Sophie.
Ich gehe, denn ich muß.

Alcest.
Du liebst mich, und du gehst?

Sophie.
Ich geh, weil ich dich liebe.
Ich würde einen Freund verlieren, wenn ich bliebe.
Es strömt der Klagen Lauf am liebsten in der Nacht,
An einem sichern Ort, wo nichts uns zittern macht.
Man wird vertraulicher, je ruhiger man klaget;
Allein für mein Geschlecht ist's stets zu viel gewaget.
Die Liebe nennet sich zuerst Vertraulichkeit.
Ein schmerzerweichtes Herz in dieser sichern Zeit
Versagt dem Freunde nicht den Mund zu Freundschaftsküssen.
Ein Freund ist auch ein Mensch.

Söller.
Sie scheint es gut zu wissen.

Sophie.
Leb wohl!

Alcest.
Vergiß es nie, daß ich der Deine sei.

Söller [erholt].
Das Ungewitter zieht mir nah am Kopf vorbei.
[Sophie geht ab. Alcest begleitet sie zur Haupttüre hinaus.]

Fünfter Auftritt

Söller [im Alkoven].
O Tod! Er geht mit ihr! Weh mir, ich bin verloren!
Heraus aus deinem Nest!
[Er wagt sich halb aus dem Alkoven und horcht.]
Ich bin auf beiden Ohren
Entweder wirklich taub - Sie ist doch noch nicht fort!
Und dennoch rührt sich nichts, ich höre nicht ein Wort.
Wie wär es, wenn ich mich ein bißchen näher machte?
[Er wagt sich langsam an die große Türe.]
Sie reden noch! Ganz leis! - Zum Henker!
[Er meint, es käme jemand, und fährt wie ein Blitz in den Alkoven.]
Sachte! Sachte!
Es kömmt kein Mensch.
[Er will wieder heraus.]
Versuch's!
[Er traut nicht.]
Das ist zu viel gewagt.
[In der äußersten Karikatur von Verlegenheit.]
Was fang ich an! Ich bin ein Hahnrei!
[Er rennt mit dem Kopf wider die Wand.]
Ah! es ragt
An meiner Stirne schon das Zeichen meiner Würde
Hervor. Was ist zu tun?
[Er schlägt auf die Tasche.]
Komm, meine teure Bürde!
Komm, rette dich mit mir, und leite mich zum Wein,
Solang man trinken kann, läßt sich's noch glücklich sein.
Der wohlgekrönte Stand ist keiner von den bösten;
Als Hahnrei kann man sich eh als am Galgen trösten.
[Eilig durch die Nebentüre fort.]