Sage, thun wir nicht recht? Wir müssen den Pöbel betrügen.
Sieh nur, wie ungeschickt, sieh nur, wie wild er sich zeigt!
Ungeschickt und wild sind alle rohen Betrognen;
Seyd nur redlich, und so führt ihn zum Menschlichen an.
LVI.
Fürsten prägen so oft auf kaum versilbertes Kupfer
Ihr bedeutendes Bild; lange betrügt sich das Volk.
Schwärmer prägen den Stempel des Geist's auf Lügen und Unsinn;
Wem der Probierstein fehlt, hält sie für redliches Gold.
LVII.
Jene Menschen sind toll, so sagt ihr von heftigen Sprechern,
Die wir in Frankreich laut hören auf Straßen und Markt.
Mir auch scheinen sie toll; doch redet ein Toller in Freyheit
Weise Sprüche, wenn, ach! Weisheit im Sklaven verstummt.
LVIII.
Lange haben die Großen der Franzen Sprache gesprochen,
Halb nur geachtet den Mann, dem sie vom Munde nicht floß.
Nun lallt alles Volk entzückt die Sprache der Franken.
Zürnet, Mächtige, nicht! Was ihr verlangtet, geschieht.
LIX.
"Seyd doch nicht so frech, Epigramme!" Warum nicht? Wir sind nur
Ueberschriften; die Welt hat die Kapitel des Buchs.