Und nun erzählte die Alte der Bäuerin, wie sie sich schon den ganzen Sommer über gesorgt hätte und nun jeden Augenblick den Vetter erwarte. Das habe sie dem Kind gar nicht sagen dürfen, weil sie sich vor seinem großen Jammer fürchtete. Eben als die Großmutter fertig erzählt hatte, kam das Trini hereingesprungen. Beim Anblick der goldenen Äpfel auf dem Tisch und der Bäuerin, die daran saß, stand es plötzlich still und schaute mit größter Verwunderung um sich.
“Komm, gib mir die Hand, Trini”, sagte die Bäuerin. “Da du meine Bäume nie geschüttelt hast, mußt du mit der Großmutter ein paar Äpfel davon haben.”
Über Trinis Gesicht ging ein freudiges Lächeln. So hatte es die Bäuerin doch noch vernommen, daß es das nicht getan hatte, das erfreute sein Herz. Es kam eilig herbei, der Frau die Hand zu reichen. “Was meinst du?” fuhr die Bäuerin fort, “wie gefiele es dir bei mir auf dem Hof, wolltest du brav mit mir arbeiten?”
Das Trini schaute immer verwunderter einmal auf die Bäuerin und dann wieder auf die Großmutter. Diese konnte nicht mehr schweigen in ihrer Freude: “Trineli, denk nur, denk nur, wie es jetzt kommt”, rief sie aus, “du kommst nicht ins Reußtal, du sollst nicht von mir fort. Jeden Tag darfst du zu der guten Frau hinunter auf den Goldäpfelhof und am Abend wieder heim. Ach, was ist das für eine Erlösung aus der großen Sorge. Dank ihr, Trineli, dank ihr!”
“So danke ich vielmals. Und ich will gern arbeiten bei Ihnen, was Sie nur wollen”, sagte das Trini, das erst jetzt das Angebot der Bäuerin zu würdigen wußte.
“So ist’s recht”, schloß die Bäuerin, “die Sache ist abgemacht. Das Beerenlesen hat jetzt ein Ende, und das Apfel- und Birnenlesen fängt an. Das ist gerade die rechte Zeit, um bei mir mit der Arbeit anzufangen. Am Montag schicken Sie mir das Kind, Käthe, und geben ihm Ihren Segen mit. Und nun auf Wiedersehen.”
Sobald die Tür sich hinter der Bäuerin schloß, fing die Großmutter an, laut zu loben und zu danken, daß der liebe Gott alle ihre Sorge in solche Freude und Hilfe verwandelt hatte. Das Trini jauchzte laut auf: “Juchhe, nun muß ich nie von dir fort, Großmutter! Ich will schon tüchtig arbeiten, dann behält mich gewiß die Bäuerin ihr Leben lang.”
Jetzt mußte es aber die goldenen Äpfel noch aus der Nähe betrachten. Auf einmal sagte es: “Großmutter, darf ich nicht dem Maneli noch geschwind die Hälfte bringen? Ich habe jetzt immer mit ihm geteilt.”
“Ja, ja”, nickte beifällig die Alte, das war ihr gerade recht, daß auch der armen Nachbarin etwas von ihrem großen Glück zugute komme. “Lauf nur gleich, Trineli, und nimm auch mehr als die Hälfte. Es sind so viele, die sich an den Äpfeln freuen werden, geh schnell!”
Trini stürzte fort, und ein ungeheures Freudengeschrei brach bei der Kinderschar aus, als es die Äpfel auf den Tisch hinschüttete. Sie rollten da und dorthin und der süße Apfelduft durchströmte die ganze Stube.