“Das habe ich schon manchmal gehört, schon bevor das Kleine da war.
Es hat, denke ich, nicht viel damit zu tun”, sagte der Onkel ruhig.
“So”, entgegnete die Tante eifrig, “hast du denn nicht gehört, daß sie alle miteinander etwas von dem Wiseli riefen?”
“Sie schreien doch immer”, meinte der Onkel. “Mit der Kleinen wirst du, denke ich, noch fertig werden. Sie ist kein bösartiges Kind, das habe ich schon gemerkt. Sie kann auch folgen, besser als die Buben.”
Das war der Tante fast zu viel. “Ich meine, es sei nicht nötig, daß man es jetzt schon gegen die Buben aufhetzt”, sagte sie und riß die Häute immer schneller von den Kartoffeln. “Und dann möchte ich nur wissen, wo das Kind schlafen soll.”
Der Onkel schob ein paarmal die Kappe auf seinem Kopf hin und her, dann sagte er ruhig: “Man kann nicht alles an einem Tag machen. Es wird wohl bis jetzt in einem Bett geschlafen haben, denke ich, und das wird es wieder bekommen. Morgen will ich dann zum Pfarrer gehen. Heute kann es auf der Ofenbank schlafen, da ist’s ja warm. Dann kann man einen Vorschlag machen, wo es in unsere Kammer hineingeht. Da kann man sein Bett hineinschieben.”
“Ich habe mein Lebtag nie gehört, daß man zuerst das Kind bringt und dann acht Tage nachher das Bett, das dazu gehört. Und dann möchte ich auch wissen, wer das bezahlen muß, wenn man noch bauen soll, um des Kindes willen.”
“Wenn uns die Gemeinde das Kleine zuerkennt, so muß sie uns auch etwas für den Unterhalt geben”, erklärte der Onkel. “Ich nehme es dann noch immer billiger an, als ein anderer es tun würde. Es fühlt sich auch am wohlsten bei uns.”
Mit dieser Überzeugung ging der Onkel in den Stall hinaus und rief noch zurück, der Chäppi soll ihm nachkommen. Es war schwierig für die Tante, sich Gehör zu verschaffen drinnen in der Stube, als sie den Auftrag ausrichten wollte. Da rauften und schrien die drei noch immer. “Es wundert mich nur, daß du so zusiehst und kein Wort zum Frieden sagst,” rief die Tante dem Wiseli zu, das sich scheu an die Wand drückte und sich kaum zu rühren wagte.
Nun wurde der Chäppi in den Stall geschickt, und die beiden anderen liefen ihm nach. “Kannst du stricken?” fragte dann die Tante das Wiseli. Es sagte schüchtern ja, Strümpfe könne es stricken. “So nimm die”, sagte die Tante und nahm aus dem Schrank einen großen braunen Strumpf heraus mit einem Garn, fast so dick wie Wiselis Finger. “Du bist am Fuß, gib acht, daß er nicht zu kurz wird, er ist für den Onkel.”
Nun ging sie wieder in die Küche, und Wiseli setzte sich auf die Ofenbank und mußte den langen Strumpf auf seinem Schoß zusammenhalten. Der war so schwer, daß er ihm ganz die Hände herunterzog, wenn er hing, so daß es die Nadeln nicht führen konnte. Es hatte aber kaum recht angefangen mit seiner Arbeit, als die Tante wieder hereinkam. “Du kannst jetzt herauskommen in die Küche”, sagte sie. “Du kannst sehen, wie ich alles mache, so kannst du mir an die Hand gehen nach und nach.”