So ists gekommen, daß Richter später nicht blos ein großer Maler, sondern auch ein frommer Maler ward.
6. Auf der Höhe des Lebens.
In Rom malte Richter sein erstes großes Ölgemälde und sandte es seinem Wohltäter, dem Vater Arnold, zum Dankgeschenk. Ein zweites Bild das er nach Dresden schickte, wurde von der dortigen Kunstakademie sehr ehrenvoll aufgenommen und belohnt. Richter war ein großer Künstler geworden. Am 1. April 1827 trat er den Heimweg wieder an. Sein treuer Freund in Rom, der evangelische Gesandtschaftsprediger Rothe, machte ihm ein eigentümliches Geschenk zum Abschied, das von liebevoller Fürsorge zeugte. Er bescheerte ihm nämlich ein – feines schwarzes Hündlein, das ihm als Reisegefährte dienen sollte. Gar treuherzig sah der kleine Spitz bei der Vorstellung zu seinem neuen Herrn auf, setzte sich auf die Hinterpfoten und streckte süßsauer lächelnd die Zunge heraus. Piccinino hieß das Hündchen, wurde aber im deutschen Land später einfach Pitsch gerufen. Es sollte dem fußreisenden Künstler, dem eifrigen Läufer als Hemmschuh dienen, damit er sich nicht wieder wie auf der Herreise durch Gewaltmärsche krank mache; der Freund wußte, daß der warmherzige Richter dem Tierchen keine Strapazen zumuten werde.
Was für eine Freude, als der Sohn endlich wieder im Elternhause in Dresden anlangte. »Sieh da, Ludwig der Römer! Nun schön willkommen!« so rief ihm der Vater entgegen. Ludwig mußte aber jetzt auf eigenen Füßen stehen. Er mietete eine kleine Wohnung für sich und nun gings an ein fröhliches Schaffen.
Noch im selben Jahre feierte unser Maler seine Hochzeit mit Gustchen – Auguste – Freudenberg von Dresden, die er schon lange geliebt. 27 Jahr lang war er mit ihr aufs innigste verbunden, ein reiches, schönes Familienleben wurde ihnen bescheert.
Kaum hatte Richter seinen Hausstand begründet, so erhielt er einen Ruf als Lehrer an die Zeichenschule in Meißen mit einem Jahresgehalt von M. 600. – Das war freilich zum Leben viel zu wenig, aber es war doch etwas sicheres, und das ist für einen angehenden Künstler viel wert. Daneben hoffte er durch Verkauf von Bildern das Nötige zu verdienen. So zog er freudig in das schöne Meißen, dessen malerische Lage im Elbtal, 5 Stunden nördlich von Dresden ihn längst entzückt hatte. Die Zeichenschule befand sich auf der das Städtchen hoch überragenden Albrechtsburg, einem in gotischen Stil kunstreich erbauten Schlosse; auf hoher Wendeltreppe stieg man zu den herrlichen Räumen der Kunstschule hinan, wo die Plätze der jungen Zeichner sich wie »Sperlingsnester am Hochaltar« ausnahmen und den weitesten Ausblick auf Stadt und Strom boten. Richter selbst wohnte in einem altertümlichen hohen Haus gegenüber; und das trauliche Heim belebte sich bald auch durch Kinderstimmen. Das älteste Töchterlein Marie wurde geboren, als gerade vom Turm der Choral geblasen wurde: Nun danket alle Gott. Danach folgten Heinemännel (Heinrich) und Aimée. Wie manchmal hat des Vaters Stift der Kinder frohes Spiel und der Mutter treue Fürsorge gezeichnet; und das gelang ihm noch viel besser als Landschaften zu malen. Er merkte, daß die Darstellung deutschen Familien- und Volkslebens sein eigentliches Gebiet sei. So entstanden in Meißen die ersten der sinnigen herzerfreuenden Bilder, die Richter zum Liebling des deutschen Volkes und besonders der Kinder gemacht haben. An langen Winterabenden saß der Maler oft mit den Kindlein am Ofen, erzählte Geschichten und zeigte Bilder. Zuletzt greift er auf ihr Verlangen und Betteln zum Stift und zeichnet vor ihren Augen die Erlebnisse des Tages, macht auch wohl noch lustige Verslein dazu, die sich den Kindern wie von selbst einprägen. Wie jauchzten die Kleinen, wenn sie unter des Vaters Händen die Gestalten gleichsam hervorwachsen sahen, wenn sie forschten und errieten, was für ein Bild sich wohl aus den einzelnen Linien entwickeln werde. In Erinnerung an diese schönen Abendstunden und an die Freude seiner eigenen Kinder hat Richter später seine Bilderbücher »Fürs Haus« herausgegeben – vielleicht das Beste was er dem deutschen Hause geboten hat.