Friedrich Fröbel war nicht nur der Gründer der Kindergärten, als den ihn die Welt fast ausschließlich kennt, sondern er war ein Pädagog ganz großen Stils, ein Kulturpädagog ersten Ranges. Die meisten Menschen denken bei dem Wort „Pädagog“ immer nur an „Lehrer“, und sie meinen, ein „großer Pädagog“ sei ein Mann, der einige neue Methoden ersonnen hat, durch deren Anwendung man den Kindern zahlreichere Kenntnisse vermitteln oder ihnen mindestens das Lernen erleichtern kann. Von solchem Schlag war Fröbel nicht. Sein Blick war auf Höheres gerichtet.

Der Menschheit und ihrer Entfaltung galt all sein Sinnen. Unter Menschheit ist aber hier nicht die Gesamtheit der lebenden Menschen zu verstehen, sondern es heißt hier soviel wie Menschentum. Es ist das Geistige, das im Menschengeschlechte lebt und schafft, das in ihm sich auswirkt. Es sind die spezifisch menschlichen Kräfte und Fähigkeiten, die im Unterschied zu allen anderen Kreaturen gerade dem Menschen eigen sind. Es ist das, was allen Menschen gemeinsam ist und seit Jahrtausenden gemeinsam war.

Es drängt nach Darstellung, nach Gestaltung, nach Objektivierung. Alles Menschentum, alle Menschenleistung ist eine Äußerung dieses Geistigen. Sitte und Recht, Kunst und Wissenschaft, Technik und Industrie, kurz alles, was wir Kultur nennen, ist dieser Quelle entsprungen. Die Menschheit ist Ursprung und Schöpfer der Kultur – wie die Gottheit Ursprung und Schöpfer der Natur und der Menschheit ist. Menschheit und Kultur verhalten sich zueinander wie Idee und Verwirklichung.

Der tiefste Wesenszug der Gottheit und damit auch der Menschheit ist der Schöpferwille und die Schöpferkraft, der Drang und die Fähigkeit, sich (d. h. Geistiges) im Stofflichen, im Materiellen darzustellen, sich gleichsam zu objektivieren, der formlosen Masse Gestalt zu geben. Stoff an sich ist formlos. Erst durch die Verbindung des Geistigen mit Stofflichem entsteht die Form. Materie sich selbst überlassen, ist Chaos, erst durch die Verbindung mit dem göttlichen Geist wird sie zum Kosmos.

Je reiner und unverletzter sich das Geistige im Stofflichen darstellen kann, um so vollkommener wird das Werk. Durch das Gestalten, durch das Ringen mit der Materie entwickelt sich das Geistige immer höher. „Alles Innere wird von dem Innern an dem Äußern und durch das Äußere erkannt. Das Wesen, der Geist, das Göttliche der Dinge und des Menschen, wird erkannt an seinen, an ihren Äußerungen“ (Fröbel).

Die Entwicklung der Menschheit hängt also davon ab, daß sie sich ungehemmt und frei entfalten, darstellen, objektivieren kann.

Dazu gehört dreierlei:

Erstens muß sie sich in ihrem innersten Wesen rein erhalten. Das geschieht, wenn sie sich stets ihres göttlichen Ursprungs bewußt bleibt. Darum setzt Fröbel an den Anfang seiner „Menschenerziehung“ (1826) das tiefsinnige Wort, das Henriette Goldschmidt nie ohne innere Ergriffenheit zitieren konnte: „In allem ruht, wirkt und herrscht ein ewiges Gesetz. Es sprach und spricht sich im Äußern, in der Natur, wie im Innern, in dem Geiste, und in dem beides Einenden, in dem Leben, immer gleich klar und gleich bestimmt dem aus, den entweder von dem Gemüte und Glauben aus die Notwendigkeit erfüllt, durchdringt und belebt, daß es gar nicht anders sein kann, oder dem, dessen klares ruhiges Geistesauge in dem Äußern und durch das Äußere das Innere schaut, und aus dem Wesen des Innern das Äußere mit Notwendigkeit und Sicherheit hervorgehen sieht. Diesem allwaltenden Gesetze liegt notwendig eine allwirkende, sich selbst klare, lebendige, sich selbst wissende, darum ewig seiende Einheit zu Grunde. Dieses wird auf gleiche Weise wieder so wie sie – die Einheit selbst – entweder durch Glauben oder durch Schauen lebendig, gleich er- und umfassend erkannt, so daß sie auch von einem still achtsamen menschlichen Gemüte, von einem besonnenen klaren menschlichen Geiste von jeher sicher erkannt ward und immer davon erkannt werden wird.

Diese Einheit ist Gott.

Alles ist hervorgegangen aus dem Göttlichen, aus Gott, und durch das Göttliche, durch Gott einzig bedingt; in Gott ist der einzige Grund aller Dinge.