In allem ruht, wirkt, herrscht Göttliches, Gott.
Alles ruht, lebt, besteht in dem Göttlichen, in Gott und durch dasselbe, durch Gott.
Alle Dinge sind nur dadurch, daß Göttliches in ihnen wirkt.
Das in jedem Dinge wirkende Göttliche ist das Wesen jedes Dinges.
Die Bestimmung und der Beruf aller Dinge ist: ihr Wesen, so ihr Göttliches, und so das Göttliche an sich entwickelnd darzustellen, Gott am Äußerlichen und durch Vergängliches kundzutun, zu offenbaren.“ –
Zweitens muß sich die Menschheit dieser ihrer Bestimmung bewußt werden. Darin erblickt Fröbel die besondere Bestimmung, den besonderen Beruf des Menschlichen. Die übrigen Geschöpfe entfalten ihr Wesen nur einem dunklen Drange folgend, der Mensch soll es mit Bewußtsein tun. Dadurch erhebt er sich über alle anderen Kreaturen. Dadurch nähert er sich der Gottheit.
Drittens braucht die Menschheit, um sich ungehemmt und frei entfalten zu können: Stoff, Gelegenheit, Möglichkeit zur Betätigung. Das Bewußtsein ihres göttlichen Ursprungs und das Erkennen ihrer Bestimmung allein genügt noch nicht zur Höherbildung. Das allein ist noch keine Entfaltung und Entwicklung. Arbeit muß dazukommen, Arbeit und Schaffen am Materiellen, am „Äußeren“. Dadurch gewinnt die Arbeit bei Fröbel einen ganz neuen Sinn. Sie ist nicht mehr wie im „Alten Testament“ Strafe für die im Paradies begangene menschliche Sünde („Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen!“), sie ist auch nicht nur unangenehme Notwendigkeit zur Erhaltung des Körpers (wie die meisten Menschen glauben), sondern sie ist Mittel zur Entfaltung des Geistigen. Sie ist der stärkste und unentbehrlichste Kulturfaktor überhaupt. „Erniedrigend ist der Wahn“, hat Fröbel daher einmal geschrieben, und Henriette Goldschmidt hat dieses Wort oft und gern zitiert, darum sei es noch hierher gesetzt, „erniedrigend ist der Wahn, als arbeite, wirke und schaffe der Mensch nur darum, seinen Körper, seine Hülle zu erhalten, sich Brot, Haus und Kleider zu erwerben; nein – der Mensch schafft ursprünglich nur darum, damit das in ihm liegende Geistige, Göttliche sich außer ihm gestalte und er so sein eigenes göttliches Wesen und das Wesen Gottes erkenne. Das ihm dadurch kommende Brot, Haus und Kleid ist unbedeutende Zugabe.“
Mit diesem weiten Blick tritt nun Fröbel an das Erziehungsproblem heran. Erziehung kann ihm – nach dem Vorangegangenen – nichts anderes sein als:
1. Hinlenken des Blickes der Menschen auf den ewigen Ursprung alles Seins und Pflegen des Gefühls des inneren Verbundenseins mit dem Göttlichen,
2. Anregen und Hinführen zur Selbstbesinnung über das Wesen und die Bestimmung des Menschen, und