Was wir also brauchen für unsere Kleinen, ist gleichsam ein Garten der Kindheit, in dem die jungen Geschöpfe heranwachsen können, gepflegt und behütet von treuen Gärtnerinnen. Was wir brauchen, sind Kindergärten, d. h. Stätten, in denen unsere Kleinen ihrem innersten Wesen entsprechend sich entfalten, an denen sie ihr Göttliches – die Menschheit – „darleben“ können.
Wie kann das geschehen?
Der tiefste Wesenszug der Gottheit – und daher auch der Menschheit – ist, wie oben bereits erwähnt, der Schöpferwille, der Gestaltungsdrang. Im frühen Kindesalter äußert sich dieser als Tätigkeits- und Beschäftigungstrieb. Nie wieder im Leben ist dieser Drang nach Bewegung und Tätigkeit so stark wie in diesen frühen Jahren. Schon der alte Pädagog Comenius hatte das erkannt und in seinem „Informatorium der Mutter Schul“ (1632) geschrieben: „Die Kinder tun gern allezeit etwas, denn das junge Blut kann nicht lange still stehen, und solches ist sehr gut. Darum soll man es ihnen auch nicht wehren, sondern vielmehr Anlaß geben, daß sie immer etwas zu tun haben. Laß sie Ameislein werden, welche immer herumkriechen, tragen, schleppen, einlegen, umlegen“ usw.
Die bewußte Pflege dieses stärksten aller kindlichen Triebe, des Tätigkeits- und Beschäftigungstriebes war für Fröbel der Anfang wahrer Menschenerziehung. Er erblickte darin reinste Darlebung der Menschheit in der Kindheit. „Menschheitspflege und Kindheitspflege,“ schrieb er einmal „wohnen in einem Tempel.“
Fröbel begnügte sich nun aber nicht damit, die Pflege des Tätigkeitstriebes zu fordern, sondern er wollte zugleich Wege weisen, wie der Tätigkeitstrieb gepflegt werden könne, er wollte den Kindern Material in die Hand geben, an dem sich ihre inneren und äußeren Kräfte entfalten würden. So schuf er:
1. seine „Mutter- und Koselieder. Dichtung und Bilder zur edlen Pflege des Kindheitlebens. Ein Familienbuch“ (1844). Mit 50 großen Kupfern von Friedrich Unger3;
2. seine Gabenreihe (Ball – Kugel, Würfel, Walze – Baukästen) mit den dazu gehörigen „Anleitungen“ (für die Erwachsenen);
3. seine zahlreichen sonstigen Beschäftigungen (Legetäfelchen, Flecht- und Faltarbeiten, Ausstech- und Ausnähblätter u. dgl.).
Es würde zu weit führen, im einzelnen zu zeigen, wie Fröbel sich diese neue Kindheitpflege in Familie und Kindergarten dachte. Auf die einzelnen Maßnahmen kam es ihm dabei auch gar nicht zu sehr an, als vielmehr auf den Geist, in dem das Ganze aufgefaßt und ausgeübt wurde.
Und da setzte er seine ganze Hoffnung auf die Frauenwelt.