Aus diesem Geist, aus diesem Glauben heraus ist auch das andere Wort entstanden, das Hen riette Goldschmidt einmal in einer glücklichen Stunde geprägt und dann oft und gern wiederholt hat, das Wort, das fast schon zum „geflügelten“ geworden ist:

„Der Erziehungsberuf ist der Kulturberuf der Frau.“

Auch dieses Wort weist in die Zukunft.

Viele verstehen es so, als habe Henriette Goldschmidt einfach konstatieren wollen: Der Erziehungsberuf sei der Kulturberuf der Frau. Nein! Der Erziehungsberuf, wie er von den allermeisten Menschen jetzt noch aufgefaßt und geübt wird, ist noch kein Kulturberuf. Er ist noch eine „instinktive, passive Tätigkeit.“ – Aber er soll ein Kulturberuf, er wird der Kulturberuf der Frau werden.

Henriette Goldschmidt hat dieses Wort zunächst den suchenden und gebildeten Frauen zugerufen, die ihre Kräfte in den Dienst der Kultur stellen möchten, ohne bereits ein klares Ziel für ihre Arbeit zu haben. Denen will sie mit diesen. Wort sagen: Sucht das Ziel nicht draußen, sondern in euch selbst! Erkennt die menschheitpflegende Bestimmung des weiblichen Geschlechts und weiht eure Kräfte einer Arbeit, die euerm innersten Wesen gerecht wird! Die Frau kann „als Glied der Menschheit“ nichts Höheres voll bringen, als ihren Erziehungs- und Pflegeberuf als Kulturberuf aufzufassen und auszuüben.

Freilich, die Frauenwelt wird und kann diesen Weg nur gehen, wenn ihre Führerinnen sich zu diesem Ziel bekennen und wenn sie die Bildung des weiblichen Geschlechts in diesem Sinne gestalten. Friedrich Fröbel bezeichnete am Ende seines Lebens seinen für Marienthal entworfenem Plan einer in dieser Art gedachten Bildungsanstalt für das weibliche Geschlecht als die letzte Konsequenz seines Grundgedankens.

Die Errichtung einer solchen Bildungsstätte war auch für Henriette Goldschmidt die letzte Konsequenz ihrer inneren Entwicklung, die Synthese ihrer aus der deutschen Frauenbewegung und aus der Fröbelschen Pädagogik entwickelten Ideen.

2. Ihr Wirken für die Kindergartensache.

a) Petition an die deutschen Regierungen.

Fast 50 Jahre hat Henriette Goldschmidt im Dienste der Kindergartensache gestanden. Sie hat zahllose Vorträge über die Idee des Kinder gartens gehalten, hat jahrzehntelang intensiv im „Deutschen Fröbelverband“ mitgearbeitet, hat in Leipzig vier große Volkskindergärten geschaffen, die noch heute als städtische Anstalten blühen. Aber über all das soll hier nicht ausführlich gesprochen werden. So verdienstvoll es natürlich war, es unterschied sich doch nicht wesentlich von der gleichen Arbeit geistesverwandter Frauen in anderen Städten. Hier sei nur von dem berichtet, was sie mehr geleistet hat als die andern.