Um Dagny heulen wir Gespenster . . .

Studie zu einem Roman

Wie ein sterbendes Tier
Lieg’ ich in deinen Armen . . .

Dagny.

Mais de toi je n’implore, ange, que tes prières . . .

Baudelaire.

I
Die grüne Nacht

Er saß, mitternächtlich, an einem der kleinen Marmortische des „Urania-Cafés“ — (. . . da die ungarische Magnaten-Kapelle phantastische Lawinenflügel hochspannte, von zagem Anflug, ekstatisch-blendender Kulmination, sentimentalisch-jämmerlichem Hinfall . . . wiederum mit tödlichem Attacken-Elan gegen dunsenes Himmelsgemäuer aufprallend, . . .) — der junge deutsche Mann, normal gebaut, bürgerlich aussehend, die dunklen Haare geordnet — weit in die Stirn gekämmt —: Jean Bousset.

Ein schmächtiger Herr, ein Vierziger, trat zu ihm, fragte höflichst, ob wohl ein Stuhl noch frei sei, setzte sich umständlich ihm gegenüber und bestellte einen heißen Tee (mit Zitrone).

Jean Bousset achtete seiner kaum, fuhr fort in der Betrachtung der niederschmetternden Wucht einer ferngelegenen Großstadt, jenes B . . ., in dem Dagny weilen mußte, Dagny, seit deren geheimnisvollen Flucht von M . . . . . . Jean Bousset, feminin-schändlich, wie er war, einen Untergang forcierte. Hatte er sich doch geradezu, im Verlauf zweier Wochen schon, ein System des Verfalls zurechtgebildet, indem er häufig Hemmungen in den allgemeinen Abrutsch einschob, — so markierte er den raffinierten Dekadent, den zersetzungseitlen Genußmenschen! — umfangreiche Verzweiflungskomplexe plötzlich willkürlich abbrach, gewisse „Kunst“-Pausen zwischenschaltete, darin er sich allen Symptomen der Verwesung restlos zu entziehen