Si j’ai du goût, ce n’est guères
Que pour la terre et les pierres.
Je déjeune toujours d’air,
De ver, de charbons, de fer.

Rimbaud.

Wir wohnen Quellenstraße 16, III. Stock, bei Frau Cäcilie Naßl, Geflügelhändlerswitwe. Das Haus, sehr alt und morsch, gleicht einem Wrack. Die Höfe qualmen und schallen. Es ist sehr ölig, verworren und dumpf. Wir haben zwei Zimmer. Die Miete, vorauszuzahlen, ist dreißig Mark. Die Einrichtung, bestehend aus zwei Betten, Kleiderschrank, einem Tisch, vier Stühlen, haben wir auf Abzahlung. Das Sofa, Kommode sind von meiner Frau, Gasleuchter, Waschtisch, Bücherregal gehören mir. Unsere Vormieter haben einen bunten Papierofenschirm hinterlassen: alt, durchlöchert, verstaubt. Der große schwarze Vögel mit ungeheueren Schnäbeln einem hellen Wald zueilend aufzeigt. In der Ferne starr, unbewegt ein See, der wie Blei aussieht. Das ist das einzige Helle der Zimmer. Die sehr böse sind, heimtückisch, gefahrvoll, geduckt.

„Ich möchte mit dir in einer Kaschemme wohnen, unter der Brücke übernachten, deine Apache, deine kleine Dirne sein — wenn wir nur immer beisammen sein könnten!“

„Unsere Liebe wird uns alles überwinden helfen!“

Wir legen uns, uns umarmend, nieder. Wir schlafen selig ein, eng aneinandergeschmiegt. Stehen umschlungen auf. Essen zusammen. Wir sind immer beieinander. Es wäre erreicht!

Wir sind sehr glücklich.

Heute nacht — wir leben eine Woche so — überfällt mich zum erstenmal und brennend der Gedanke, daß man allmählich bedacht sein müsse, sich Geld zu verschaffen. Es gibt wohl sehr viele Erwerbsmöglichkeiten, aber die

liegen, so scheint es mir, für uns alle (und plötzlich!) auf ein- und derselben Linie. Meine Frau wälzt sich unruhig neben mir. Sie spricht Unverständliches im Traum. Ich suche irgendwo Rat und Halt. Da ich ihren warmen Körper fühle, bin ich beruhigt. Ich kann nicht länger mehr darüber nachdenken.

Bin ich nicht sehr glücklich?