Das Haus zittert. Ich glaube auf untergehendem Schiff zu sein, auf hoher See. Es ist sehr ölig, verworren und dumpf. Stöße. Rennen. Stimmengewirr. Fackeln flackern. Das Fahrzeug schaukelt wie eine Wiege. Doch die Musik des Sturmes ist sehr süß.

Umschlungen versinken wir.

Am kommenden Morgen will ich meine Besorgnis meiner Frau mitteilen. Doch weshalb sie in Unruh setzen? Ich unterlaß es. Zwei Tage können wir noch auskommen. Sie wird es ja selbst wissen. Aber ich fürchte mich bei dem Gedanken, daß sie das weiß. Weiß sie es denn auch wirklich? Zwei Tage . . . das übrige ist mir wurscht. Wird meine Frau auch so denken? Ich bin sehr in Sorge, sie könne es nicht tun. Es überläuft mich heiß und kalt, wenn ich länger solchen Erwägungen nachhänge.

Nachmittags gehen wir aus, Arm in Arm. Sie bittet immer, sehr dünn: „Faß unter!“ Unsere Kleidung ist sehr dürftig, aber es ist Gott sei Dank sehr warm geworden, über Nacht. Wir betrachten uns oft in den Spiegelscheiben der Schauläden. Sie lacht überglücklich dabei auf, mich heftig pressend . . .

Da sie aber, plötzlich erschauernd, sich an mich schmiegt,

weiß ich, auch sie muß also heute nacht darüber nachgedacht haben, daß unsere Mittel bald zu Ende sind, daß wir erschöpft sind. Ich erstaune heftig darüber, daß sie das weiß. Aber es ist eigentlich doch nicht mehr als natürlich. Auch sie hat es mir also verschwiegen. Sie wollte mich nicht verletzen; ja, wahrscheinlich. Sie hat sich für mich geschämt; ja. Ich sollte doch für den Lebensunterhalt meiner Frau aufkommen. Das ist klar. Sie wird mir das ja nie ins Gesicht sagen, dies Selbstverständliche. Aber sie sagt es mir dafür in jedem Blick, sie bedeutet es mir vorwurfsvoll mit jeder Bewegung.

„Nein, Dorka, ich werde dich nie verlassen. Zwei Tage werden wir noch aushalten. Dann . . . man verzichtet ja auf das Leben leicht. Nicht? Zwei Tage, Dorka, sind sehr lang. Unser Glück kann noch sehr groß werden . . .“

Und mir fällt ein: auf der Neuhauserstraße lernte ich sie eines Sonntags, nachts, kennen. Sie ließ die Handtasche lang herunterhängen. Sie schlenkerte. Sie blieb oft herausfordernd vor den hellerleuchteten Schaufenstern stehn, richtete ihr Haar zurecht oder knüpfte ihren Schleier fest. Manchmal drehte sie sich um. Wir haben uns eigentlich nie darüber näher ausgesprochen, ich habe immer so Angst davor gehabt.

„Nun bist du acht Tage lang nicht im Geschäft gewesen. Du, Dorka, vielleicht geht es doch noch. Versuch es einmal.“

Abends besuchen wir das Kino. Alles sitzt da in diesem Raum, umschlungen. Wir legen friedlich die Hände ineinander, unsere Kniee berühren sich mit zärtlichem Druck, ihr