Das Lied

Unter den Sternen hin, hinter den dunklen Bäumen, ziehen Leute und singen ein Lied.

Ich lausche – mitleidig – schadenfroh – versonnen.

Denn in diesem Lied, in diesem schlichten Lied, ist ein Gift und eine heimlich fressende Flamme und die Schönheit einer fernen, fernen Heimat …

Das wissen sie nicht in ihrer dunklen Fröhlichkeit; aber ich weiß es …

Denn tief in mir zehrt dieses Gift und frißt diese Flamme und will hervor und leuchten. Und tief in mir ist ein Kreisen und Werden. – Wessen?

Ach Not, Not halbbewußter Fülle, endlos süße Not!

Ich lausche und sitze und warte, ahne; und meine Augen weiten sich einem köstlichen Gesicht entgegen, das naht und naht, von fern, ganz von fern …

Denn noch gleitet um mich und in mir und wechselt, unbändig und ungebändigt, ein ewiger, trüber Wechsel des Einzigen.