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Dort schiebt es sich über den Horizont in die Höhe, ein roter Kreisabschnitt. Breit, riesig, daß es einen erschreckt. Und immer höher und immer runder wächst es herauf und wird ein mächtiger Halbkreis. Und nun steht eine ungeheure Scheibe rot auf dem Horizont. Wie ein nie gesehenes, rätselhaftes, plötzlich an das Firmament gezaubertes neues Gestirn.

Der volle Mond.

Zwischen zergehendem Dunst hebt er sich und steigt langsam [pg 45] empor in das freiere Blau, und sein Licht fängt an, mit silbrigem Glast sich hinzuweben über die weiten, stillen Felder.

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Hier, auf kühler Höhe, schwarz mit seinen dunkelroten Fensterlöchern, mitten im einsamen Land, ein Schachthaus. Drinnen, dumpf, das Stöhnen und Keuchen einer Maschine. Hier oben der freie Nachtfrieden, und da unten, tief unter meinen Füßen, mühen sich Menschen in enger, dunstiger Finsternis.

Ein paar hundert Schritt weiter ein Tagesschacht. Steil, mit schwarzen, riesigen Wandflächen senkt er sich in die dunkle Tiefe. Fern aus dem stillen Grunde kommt es herauf wie ein Rieseln und Kluckern von verborgenen Gewässern. Dies und das ewige Schrillen der Heimchen sind hier die einzigen Laute. Drüben, auf der anderen Seite, mir gegenüber, ein Stück Staket, das sich schwarz gegen den Himmel abzeichnet, und ein paar kümmerliche Bäumchen, und hintereinander drei niedrige Wagen, mit denen am Tage allerlei Schutt aus dem Schachte heraufgefördert wird.

Überall dick schwarzbrauner, von unzähligen Radspuren durchfurchter Kohlenstaub. Drüberhin wird es jetzt lebendig von einem feinen Glanz, und neugierige Lichter dringen mit breiten Streifen hinein in die schwarze Tiefe.

Am Tage ist hier oben und da unten ein lautes Leben von hundert fleißigen Menschen, Peitschen knallen, die schwergeladenen Wagen knarren in ihren Achsen, die Fuhrknechte [pg 46] brüllen und fluchen. Die Kohlenwagen rollen und klirren über die Schienenstränge.

Und jetzt das öde, lastende Schweigen.